nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

alles hat eine notwendigkeit. auch die notwendigkeit selbst. sie hat zu zeigen, dass es hic et nunc alternativen zur beliebigkeit gibt.
 

diese woche wie den ganzen letzten monat wieder mehr bücher gelesen als tage gelebt.
welchen stellenwert haben die Duchampschen leerzeiten, die unproduktiven phasen in einer vita? lohnt es sich darüber nachzudenken? auf jeden fall. denn nicht das, was verbindet, trennt, sondern was trennt, verbindet.
 

immer den nötigen ausgleich schaffen. heute scheintotes fleisch in einer plus-kaufhalle, morgen scheinlebendige pflanzen im biomarkt kaufen.
 

lex parsimoniae: trotz steigender energiekosten nicht zu viel stromsparen, nicht zu viel im dunkeln dümpeln und auch nicht zu viel geizen mit dem geiz. momentane befriedigung durch eine schnelle heimliche selbstbefriedigung.
 

wer auf zu viele dinge warten muss, schläft länger. erst zehn, zwölf, dann vierzehn stunden täglich und später noch zwischen- durch einmal.
 

"alle bestehenden dinge sind nur dazu da, damit wir lernen, ohne sie auszukommen (fertig zu werden)."
Max Beckmann
 

das stetig rotierende überangebot an kunst in galerien, auf biennalen und bei globalen messen. muss man dem von bildern verstopftem zeitgeist noch weitere hinzufügen?
 

der typische vernissagen-besucher: veni, vidi, cucurri. nur noch ein publikum für meine arbeiten akzeptieren, welches meine arbeiten nicht akzeptiert.
so entgeht man dem lob von langweilenden ignoranten.
 

meine nullsummenspiele: eins wird von eins abgezogen, dazu erneut eins addiert und wieder abgezogen. wenn man sich vorstellen könnte, wie das, was ist, sein würde, wenn es nicht das ist, was es ist...
 

eine spätherbstliche fliege zieht seit stunden ihre nicht endenden zickzack-bahnen um meine deckenlampe. ihre beharrlichkeit ist so penetrant wie beeindruckend.
welchen geometrischen beweis will sie antreten?
 

wenn man mich bei gruppenausstellungen mit dem einen oder anderen verwechselt, mich mit einem falschen namen anredet... um wie viel sicherer und grösser fühlt man sich, insofern sich die möglichkeiten von täuschungen auftun.
 

es gibt keine überzeugende berechtigung für die kunst mehr, da man sich für alles begeistern und gleichzeitig langweilen kann.
doch so lange kunst noch nach kunst aussieht, wird wohl weiterhin welche ausgestellt.
 

eine wolke trifft auf eine wolke und wird von ihr geschluckt. eine andere wolke weicht ihr aus, als ich über die lernfähigkeit der wolken nachdenke.
 

wenn man einmal etwas dummes denkt und sich dessen be- wusst ist, dass es etwas wirklich dummes sein muss... ist man dann weniger dumm?
 

meine missachteten arbeiten und mein von ignoranten galeristen und kuratoren weiterhin unterschätztes publikum. noch immer bin ich selbst der wichtigste sammler meiner kreativen ausfälle.
wenn man zu intelligent ist, um karriere zu machen, ja was dann...
 

was ist das gegenteil von berühmt? verkannt, vergessen oder unpopulär? mein lexikon der antonyme, VEB bibliographisches Institut Leipzig aus dem jahre 1984, fällt ein hartes urteil: unbekannt, unbedeutend, mittelmässig.
 

vernissagen sind geburtstagspartys oder beerdigungen. wegen all der vielen bekannten und verwandten, die einem permanent alles gute wünschen. mit solchen festivitäten wird man älter, gleichgültiger und austauschbar.
 

ein permanentes nachbessern: was ich jetzt erkenne und bekenne, hätte ich vor zehn jahren erkennen und bekennen müssen.
mitunter das bedürfnis alles zu löschen. auch das löschen zu löschen.
 

ohne paraphrasen auskommen.
ohne vorworte und nachworte.
ohne pathos sowieso.
 

irgendwann kann bloss noch verhindert werden, was verhindert werden muss.
man entwickelt sich mit ansprüchen, die man sich verbietet und später mit erfolg wieder angewöhnt.
 

mit dreihunderttausend kilometern in der sekunde trifft jeder lichtstrahl mein auge.
soschnellsogut.