nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

lieber das mögliche unmöglich finden, als das unmögliche suchen müssen.
lieber gebieten im dies als im paradies.
 

"irrsinnig, das vermögen zur ablenkung bei einem menschen, den seine arbeit langweilt, einschüchtert oder in verlegenheit bringt..."
Roland Barthes
 

vier gleichrangige richtungen ohne ein ordnendes haupt- strassenschild. selten idyllisch leer und fast immer plötzlich verstopft, da die vorfahrt an der kreuzung Tucholsky-/ Auguststrasse meist ungeklärt ist.
 

bei unserem zufälligen wiedersehen nach ich weiss nicht wie langer zeit habe ich sie zuerst nicht erkannt. mit über vierzig jahren sieht Martina noch so aus, als wäre sie mitte zwanzig. sie scheint ihr leben in homöopathischen zügen genossen zu haben. als eine heilpraktikerin par excellence.
 

fit for fun: die gesundheitsapostel empfehlen aktuell zur stärkung der abwehrkräfte morgens vom mittleren strahl den eigenen urin zu trinken. ich bevorzuge weiterhin mein bier und ab und zu einen klaren. wegen dem zugesicherten reinheits- gebot.
 

ausbleibende wohlgefühle und herzschmerzen, aber das EKG und die blutwerte sind (wie mir ein junger arzt in der Charité versichert) noch im grünen bereich. werden meine grossen pläne nicht an einer überforderung, sondern ganz profan an einer müden unlust scheitern?
 

ich bin ein spätentwickler. ich stehe um elf auf und kann erst ab 14 uhr richtig arbeiten.
 

mit 15 war ich 15, mit 30 erst 20. und jetzt mit ende 40 bin ich bereits über 50. ich habe mich überholt, ohne mich einzuholen.
 

überall graffitis auf graffitis, die bald von weiteren übermalt werden. so lange jedenfalls bis der sauberkeitswahn für eine kurze zeit einen reinen weissen malgrund für ihre rebellion schafft.
 

man muss originär sein - also die einflüsse verwischen und zu deutliche zitate paraphrasieren.
ich wachse mit jedem vorbild, das mir erspart bleibt.
 

meine unterschriften werden sich unähnlicher. ich hoffe bei jedem ec-karteneinkauf auf die option der pin-eingabe.
 

gelingt es mir, mich zu wiederholen, dann bin ich mit mir identisch. einen solchen luxus leiste ich mir jedoch nur, wenn mir die formulierung eines eigenen gedankens besonders gut gefällt und es niemand bemerkt.
 

was man treibt, ist ein flickwerk.
denke ich mir etwas als gross, dann glaube ich, ich denke es auch klein. gross oder klein - es macht keinen grossen bzw. kleinen unterschied.
 

die unhaltbare teilhabe: eine division durch null.
an wie vielen tagen in einem jahr mir überhaupt nichts einfällt. bloss damit mir dann zwischendurch ganz viel einfallen muss. als ausgleich für jenes manko.
 

ich kann alle vor- und nachteile einer neuen arbeit abwägen, alle risiken abschätzen und werde dennoch von meinen bemühungen häufig enttäuscht. vielleicht steckt in jedem anfang nur ein zauber, weil noch nichts wirklich geworden ist.
 

ein bisschen mehr intimleben, ein paar private ansichten für die nachwelt preisgeben. was in einer seele nicht alles versteckt lauert. ein katalog voller delikte für die polizeischule.
 

"ich denke, dass kunst wie ein orgasmus ist, aber wenn sie nur schlechter, langweiliger sex ist, dann werde ich es nicht tun."
Elke Krystufek
 

überall dieselben namen. im grossen kochbuch der internationalen kunst werden nur die bekannten, d.h. bekömmlichen menüs geführt.
 

der nachteil von grosser kunst ist, dass sich inzwischen fast jeder mit ihr identifizieren oder schmücken kann.
 

es gibt tage, an denen ich nichts notiert und nichts anderes hinterlassen habe. in der rückschau werden derartige tage wohl zu einem beleg dafür, dass auch etwas unerfassbares passiert sein muss.
 

haarausfall. aber es sind die grauen haare, die sich von mir trennen. so ist es mir weiterhin verwehrt, mein haupt voller weissheit zu schütteln.
 

lebenserfahrungen sind interpretationen, interpretationen werden lebenserfahrungen.
man muss viel erkennen, um zu erkennen, wie wenig man erkennt. aber noch bin ich nicht so alt, dass ich mit meinem alter kokettieren könnte. sei es drum.
 

der mensch hat mehrere millionen jahren gebraucht, um anständig aufrecht gehen zu können. und es wird vielleicht wieder millionen jahre dauern, bis ihm erneut etwas wirklich grossartiges gelingt.
 

der dollar kriselt, der euro ist so stark wie noch nie und eine bundeskanzlerin behauptet dreist, dass der aufschwung unten angekommen sei. viele leute können sich wohl deshalb nun einen luxuriösen Van leisten. wenn ich es einmal schaffe, etwas vermögend zu sein, montiere ich mir eine auto-batterie und mindestens drei scheinwerfer an mein fahrrad. ich blende dann zurück, wo angeber am tag bereits all ihre halogenleuchten einschalten.
 

soll ich, oder soll ich noch nicht frühstücken. zwei freiheitsgrade können einen menschen bereits am morgen überfordern. wie sieht es aber aus, wenn sich mögliche entscheidungen aktuell fünfdimensional verzweigen: sollte ich vielleicht, etwa eventuell ganz allmählich oder andererseits nun endlich doch das bett verlassen...
der frühe wurm findet seinen vogel.
 

"es gibt nichts, das man nicht herumdrehen und nacheinander unter jedem möglichen blickpunkt betrachten muss, auch wenn man bei jedemmal, da man den blickpunkt wechselt, des verrats bezichtigt wird."
Henry de Montherlant
 

durch vieles lesen und bilder-schauen schwerer geworden. aber noch lange kein richtiges schwergewicht.
 

monochrome undeutlichkeit an tunneltagen. die haut altert, die sehschärfe lässt nach und es stellt sich die frage, wie es weiter- geht? ob es denn immer so weitergeht?
 

zu viel grau statt blau.
am wetter erkennt man den himmel.
 

keine kunst ist auch keine lösung. es verbleibt ein hässlicher haken und ein heller fleck an der wand (im format des einst aufgehängten bildes).
 

dato, dito, toto.
die welt ist poetisch artikulierbar, weil sie mathematisch erklärt werden kann.
 

statt der üblichen langeweile seit einiger zeit eine ziellose ungeduld. für immer weitere bilder ist ein kaum auszuhaltender spagat vonnöten.
 

die deutsche telecom darf nicht mehr ihre rechnungen mit anglismen aufpoppen. wer nachts telefoniert, wird nun mit einem mondscheintarif zur kasse gebeten. so schön kann die deutsche sprache sein.
 

mehr als eine sprache unvergleichbar sprechen zu können, ist eine übertreibung. oder ein überflüssiger luxus. eigentlich nicht einmal ein luxus, ein unnötiges anhängsel wie ein drittes bein oder ein elfter finger.
 

die lust zu stammeln, der drang in fragmenten zu schreiben. wenn man sehr enttäuscht ist, verachtet man die zusammen- hänge.
 

von allem gibt es zu viel. ein zuviel an galerien, museen, kunstmessen und auch ein zuviel an kriterien für die beurteilung von kunst.
 

tatsächliche erfahrungen sind zahlenmassen, distinkte operationen, blosse algebra, genormte längenmasse...