"nullsummenspiele" - logbuch eines kunstschaffenden


bekenntniss der unterwürfigkeit: die guten bilder des malers sind seiner meinung nach klüger als er selbst. doch genaugenommen weiss man nie, ob man nach einer abgeschlossenen arbeit erfolgreich war oder eine niederlage erlitten hat. in einer zeit der ökonomischen zwänge schreitet man stets voran.

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lieber das mögliche unmöglich finden, als das unmögliche suchen müssen.
lieber gebieten im dies als im paradies.

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"irrsinnig, das vermögen zur ablenkung bei einem menschen, den seine arbeit langweilt, einschüchtert oder in verlegenheit bringt ..."
(Roland Barthes)

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vier gleichrangige richtungen ohne ein ordnendes hauptstrassenschild. selten idyllisch leer und fast immer plötzlich verstopft, da die vorfahrt an der kreuzung tucholsky-/auguststrasse meist ungeklärt bleibt.

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kein blauer dunst am himmel. seit einer woche sündflutartiger regen und im wetterbericht diesmal keine warnung vor dem klimawandel.

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fit for fun: die gesundheitsapostel empfehlen in dieser woche, zur stärkung der abwehrkräfte morgens vom mittleren strahl des eigenen urin zu trinken. ich bevorzuge weiterhin mein bier und ab und zu einen klaren. wegen dem zugesicherten reinheitsgebot.

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ausbleibende wohlgefühle und herzschmerzen, aber das ekg und die blutwerte sind (wie mir ein arzt in der charité versichert) noch im grünen bereich. werden meine grossen pläne nicht an einer überforderung, sondern ganz profan an einer unlust scheitern?

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gelingt es mir, mich zu wiederholen, dann bin ich mit mir identisch. diesen luxus leiste ich mir jedoch nur, wenn mir die formulierung eines eigenen gedankens besondes gut gefällt, dies aber niemand bemerkt.

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originär sein - also die einflüsse verwischen, zu deutliche zitate paraphrasieren. man wächst mit jedem vorbild, dass einem erspart bleibt.

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ich kann alle vor- und nachteile einer neuen arbeit abwägen, alle risiken abschätzen und werde doch von meinen bemühungen oft enttäuscht. vielleicht steckt in jedem anfang nur ein zauber, weil noch nichts wirklich geworden ist.

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"ich denke, dass kunst wie ein orgasmus ist, aber wenn sie nur schlechter, langweiliger sex ist, dann werde ich es nicht tun."
(Elke Krystufek)

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überall dieselben namen. im grossen kochbuch der internationalen kunst werden nur die bekannten, d.h. bekömmlichen menüs geführt.

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art can see you and big art is watching you.
sage, was dir gefällt, und man wird wissen, wer du bist.

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es gibt tage, an denen ich nichts notiert und auch nichts anderes hinterlassen habe. in der rückschau werden diese tage vielleicht einmal zu einem beleg dafür, dass auch etwas unerfassbares passiert sein muss.

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haarausfall. aber es sind nur die grauen haare, die sich von mir trennen. so bleibt es mir weiterhin verwehrt, mein haupt voller weissheit zu schütteln.

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lebenserfahrungen sind interpretationen, interpretationen werden lebenserfahrungen. man muss schon viel erkennen, um zu erkennen, wie wenig man erkennt. aber noch bin ich nicht so alt, dass ich mit meinem alter kokettieren könnte. sei es drum.

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der dollar kriselt, der euro ist so stark wie noch nie und eine bundeskanzlerin behauptet dreist, dass der aufschwung unten angekommen sei. allzu viele können sich wohl deshalb nun einen luxuriösen van leisten. wenn ich es einmal schaffe, montiere ich mir eine auto- batterie und mindestens drei scheinwerfer an mein fahrrad. ich blende dann zurück, wenn protzende autos bereits am tag all ihre halogenleuchten einschalten.

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soll ich, oder soll ich noch nicht frühstücken. zwei freiheitsgrade können einen menschen bereits am morgen überfordern. wie sieht es aber aus, wenn sich die möglichkeiten von entscheidungen fünfdimensional verzweigen: sollte ich vielleicht, etwa eventuell, einerseits allmählich oder andererseits nun dennoch das bett verlassen können ...
der frühe wurm findet seinen vogel.

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"es gibt nichts, das man nicht herumdrehen und nacheinander unter jedem möglichen blickpunkt betrachten muss, auch wenn man bei jedemmal, da man den blickpunkt wechselt, des verrats bezichtigt wird."
(Henry de Montherlant)

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heute wieder zuviel grau statt blau.
am wetter erkennt man den himmel.

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tunneltage zu stauwolken aneinandergereiht. die haut altert, und es stellt sich die frage, wie es denn weitergeht? ob es denn immer weiter so weitergeht?

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der tag der woche heisst mittwoch. ich bewege mich in konzentrischen kreisen. wenn man sich zu lange mit den elementaren dingen des daseins beschäftigt, bleibt einem nur noch die flucht in die fantasy-welt.

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"klagen, interjektionen, brocken veröffentlichen... löst jedermans befangenheit. der autor nimmt im verhältnis zum leser eine unterlegene position ein, und der leser ist ihm dankbar dafür." (Emile Cioran)

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die deutsche telecom darf nicht mehr anglismen in ihren rechnungen verwenden. wer nachts telefoniert, wird nun mit einem mondscheintarif zur kasse gebeten. so schön kann die deutsche sprache sein.

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mehr als eine sprache unvergleichbar sprechen zu können, ist eine übertreibung. oder ein überflüssiger luxus. eigentlich nicht einmal ein luxus, ein unnötiges anhängsel wie ein drittes bein oder ein elfter finger.
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