nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

momentan keine idee, keinen einzigen allgemein verständlichen einfall und auch keinen regelwidrigen ausfall. bei wem werde ich mich dafür entschuldigen müssen?
 

minimalistischer traum: auf einem stuhl in einem stuhl sitzt ein stuhl mit gespreizten stühlen, während eine hand mit der hand die hand ihrer besten hand wählt...
meine bilder sind mein phantasieren in ihnen. ich könnte verständlicher sein, aber damit würde ich niemandem einen gefallen erweisen.
 

avantgarde ist out, es wird wieder handwerkliches können abgefragt. doch eine artistische perfektion allein überzeugt gar nicht. ohne blohen dohnst kohne kohnst.
 

kann man innovationen statistisch erfassen? im rauschen gibt es die geringste redundanz und damit die höchste wahrschein- lichkeit für geniale erfindungen. man muss sie nur finden im brausen sich potenzierender medienkanäle.
 

mit dem ende der moderne können die überbietungsstrategien der avantgarden bloss noch unterboten werden. in der kunst gibt es keinen haltbaren fortschritt. es verbrauchen sich allzu rasch alle neuerungen, so dass in zeiten der stagnation der künstler wieder aus dem reservoir der überlieferten tricks schöpfen muss.
die kunstgeschichte garantiert nicht mehr, dass nicht alles auf einmal gemalt wird.
 

"lust ist alles. meisterwerke sind keine wiesenbenützungen. leidenschaftlichkeit ist talion. witze sind inzeste. die moral ist ein kettenhadel."
Walter Serner
 

nach der technomusik oder dem abendfüllenden actionfilm in den hellhörigen wohnungen der nachbarschaft noch ein stöhnen und seufzen. ob mit scham oder ohne charme, ob mit tattoo oder piercing - man kann recht harmlos sein.
 

bei steigender quote leben bereits fünf millionen arbeitslose hierzulande. und die falschen faulenzer erkennt man immer daran, dass sie doch lieber arbeiten würden.
 

ständig diese frage: können sie von ihrer arbeit leben?
natürlich nicht. das amt schickt, wenn stipendien, honorare und preise ausbleiben, für den lebensunterhalt die formulare. jene papiere stellen eine leere zur verfügung, in die man sich ganz unverfroren hineinlegen muss.
 

ich kann impressionen festhalten, die keiner sich vorstellen will, und bilder imaginieren, die ich mir nicht einmal selbst ansehen möchte. die phantasie beginnt zuvörderst dort zu kreisen, wo die rationalität aufhört. vielleicht wird sie einmal überflüssig.
 

nach der preisverleihung: er hat erfolg, sie hat erfolg und ich habe ichfolg. erntet einer einen lorbeerkranz, hat er die richtige pflanze gewählt und muss nun das haupt neigen.
 

die stete zunahme an ausstellungen, messen, künstlerhäusern und newcomern. der durchschnitt wächst und überwuchert alles andere.
 

wegen einem durchschauvermögen zu wenig lust auf zu vieles.
ich möchte manchmal wie Malewitsch ein schwarzes quadrat malen, über alles ein schwarzes quadrat malen. über wirklich alles.
 

kunst als volkssport: in den hinterzimmern der kontemporär spezialisierten galerien schlummern die nächsten namen als heissluftballons. sie bereiten schatten vor, die sich bald selbst übertreffen werden.
jeder bekannte künstler ist die parodie eines noch bekannteren.
 

die stars in der heutigen medienlandschaft sind amokläufer, dopingsportler oder prominente steuerhinterzieher. selbst wenn sie nichts zu sagen haben, die höchste aufmerksamkeit ist ihnen garantiert.
 

wie lächerlich, dass man berühmt sein will, obwohl man sich kennt.
the best-of is the top of the best-of. maybe dacapo.
 

die ab und zu aufkommende sehnsucht nach einer richtigen einsamkeit, um mal wieder der einzige zu sein, ein bisschen einzigartig.
 

ein platz zum arbeiten, ein platz zum essen, einer zum lesen, zum schlafen, zum sinnieren, zum koitieren, einer zum nichtstun und einer zum garnichtstun... mein lebens- und arbeitsraum gleicht einem hyperwürfel, der aus acht gleich grossen kuben besteht, wobei der letzte alle anderen enthält.
 

klammgeil statt klammheimlich sich ein korsett anlegen, das
die kräfte auf ein minimum bündelt. ausschweifungen in die schranken weisen. alle visionen auf einen einzelnen satz reduzieren, der in einer rekursiven kompaktheit implodiert.
 

neurologen haben endlich bewiesen, dass ein menschliches gehirn im ziellosen ausharren keinesfalls faulenzt. viele regionen sind bei einem tagträumen, meditieren oder im schlummern wesentlich stärker aktiv als beim zielgerichteten denken.
 

noch immer gibt es wolkengeschäfte, meinungs-kondome, abheberechte, mehrwegsätze, überhanginformationen, ganztags-tv, wortwanzen, sternverlegenheiten, falschbekenner, mosaik-weisheiten, besserwissenschaften und jetzt endlich eine nullrunde silvester-feier.
 

ich könnte prosaischer leben und schreiben. aber...