"nullsummenspiele" - logbuch eines kunstschaffenden


wieder ein jahr älter geworden und die feststellung: geburtstage ohne party sind wie geburtstage mit party eine katastrophe.

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what you think is not what you see. das reden über kunst ist der nachteil der kunst. alles kann alles und nichts bedeuten. nur der augenblick in meinem blick bleibt der grund für meinen augenblick.

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zu meiner arbeitsweise: es gibt herrliche ablenkungsmanöver (fernsehen, duschen, müll runterbringen), es gibt stimulationen (schokolade, coitieren, schach spielen), es gibt bei flauten tricks (bücher lesen, kataloge durchblättern, aufräumen) und es gilt die divise: wenn heute nicht, dann vielleicht morgen oder übermorgen.

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"meine malerei ist nicht revolutionär. wozu soll ich mir die illusion machen, dass sie kämpferisch ist."
(Frida Kahlo)

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kein grund zum aufhören, und kein grund zum weitermachen. manchmal bin ich einfach zu träge, um richtig faul zu sein.

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die feinen unterschiede: viel bildende kunst macht auf die dauer gebildete menschen eingebildet und sensible menschen neurotisch.

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ein flüstermodus versprach mir heute: wenn dir das gefällt, was mir gefällt, dann wird mir auch das gefallen, was dir gefällt.
darüber hinaus wurde aber für nichts garantiert.

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ich verstehe das unwesen des kunstbetriebs, bin aber, da ich manchmal ausstelle und mich noch profiliere, auch ein teil in diesem betrieb. so bleibt nur die erkenntnis: nicht das system an sich, sondern seine varianten produzieren ständig ideale, die nicht mehr in einem erforderlichen idealismus aufgehen.

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eine illusion lässt sich nur mit einer anderen illusion widerlegen. die einbildungskraft schöpft aus ihren eigenen anlagen, sie generiert sich immerwährend aus sich selbst.
vielleicht bleibt deshalb ihre reichweite begrenzt.

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die kommende revolte gegen die spasskultur. ich kann nicht mehr an sie glauben und bin deshalb enttäuscht von ihr.

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inspiration ist voraussicht.
voraussicht ist absicht.
absicht führt zur langeweile.
und die mündet irgendwann in gleichgültigkeit.
das insistieren auf ein selbstbestimmtes leben. bloss um die eigenen gewohnheiten zu verteidigen?

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diese lust zu stammeln, der drang in fragmenten zu schreiben. wenn man allzu enttäuscht ist, verachtet man die zusammenhänge.

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ich sehe in letzter zeit nur noch freaks auf den strassen, die immer älter werden. die jungen jahrgänge kneifen allzu gestylt in dieser hinsicht.

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der plausiblen teilung der landschaft in vier himmelsrichtungen wie die einleuchtende einteilung des neuen testaments in vier evangelien steht noch immer das völlige unverständnis einer vierdimensionalität des raumes gegenüber.
die noch unbekannten gebiete des normalen. alles ist wichtig. es sei denn nicht.

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ist man an einem persönlichen tiefpunkt angekommen, beginnt man sich wieder nach den zusammenhängen zu sehnen. das leben kann in solchen momenten ein roman von Thomas Pynchon sein, in dem man sich immer eine verschwörungstheorie hineinlesen muss.

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nur noch alle zwei, drei jahre eine ausstellungsbeteiligung.
meine kunst braucht wegen mangelnder beziehungen zu galerien ihre zeit.

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hinter einem tiefen gedanken wartet oft ein grosses gelächter. doch wie selten denkt man tief.

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was ich schon lange einmal ganz sine ira et studio aufschreiben wollte: wer etwas zu sagen hat, muss nicht gleichfalls auf sich hören.

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könnte man nicht auch die bilder der anderen malen, könnte man keine eigenen bilder malen. ohne erschlichene originalität hält es keiner lange in der kunst aus. authentizität allein reicht nicht.

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zu viel gewogenes und zu viel für zu leicht befundenes.
seit berge nicht mehr zu den propheten kommen, sind verhängnisvolle erdbeben seltener geworden.

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alltagsspuren: keine termine, keine besonderen vorkommnisse, spiele deshalb räuberschach gegen mich selbst.
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