nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

was soll ich in Tunesien? was in Sri Lanka oder auf Mallorca? warum soll ich mich dem service von pauschalen landschaften aussetzen? belagern im sommer noch mehr touristen meine arbeits- und lebestadt Berlin, bleibt der ernüchternde Wedding (als heimatliches Timbuktu) meine diaspora.
 

je authentischer das leben, desto unverständlicher das erleben des lebens.
oder umgekehrt bzw. überhaupt nicht.
 

nur abgebrochene gespräche. immer dieselben sätze, immer derselbe abgebrochene rest.
man hat einen berechtigten grund, es anderen übel zu nehmen, wenn man nichts zu sagen hat.
 

soll man bigtalken über den smalltalk oder lieber mit den wölfen heulen?
nichts zu sagen haben (z.b. auf einer vernissage) ist genauso verdächtig, wie nichts gesagt zu haben (z.b. auf einer anderen vernissage).
 

sich zweit- oder drittmenschen halten und sie freunde nennen.
alles klar? alles klar.
 

"es gibt leute mit der veranlagung, immer noch etwas dazu- zutun. sie verstärken ihre empfindung, als hätten sie den eindruck, diese wäre noch nicht peinlich, noch nicht zerdehnt genug. sie können sie nicht bei ihrer natürlichen intensität belassen. sie sind schallverstärker. sie gehen zum äussersten."
Paul Valéry
 

fast keine kunst ohne text mehr. was gelingt, muss genauso wie das, was misslingt, ausführlich kommentiert werden. so werden theoretische statements zum eigentlichen anliegen.
 

wenn einmal bewiesen ist, dass runde dreiecke nicht der logik widersprechen (vielleicht in einem extrem hyperbolischen raum), dann wird es bestimmt noch schwieriger, die eigene verrücktheit zu behaupten.
 

terrorwarnung hautnah: nach dem 11. september 2001 wird auch im Berliner untergrund für hightech-sicherheit gesorgt. aber was die überwachenden kameras alles nicht sehen, wenn sie mich mal in der u-bahn sehen.
 

art can see you and big art is watching you.
sage, was dir gefällt, und man wird wissen, wer du bist.
 

mit dem zufall spielen. ihm den rang des potentiell möglichen geben und festhalten an der einbildung, überraschend neues könne sich immer wieder ergeben.
 

zu viel gewogenes und zu viel für zu leicht befundenes.
wie wenig man sich kennt, wenn man alte arbeiten wieder- findet.
 

über was man sich nicht alles grün und blau ärgern kann: über unverschämte manager-gehälter, über anmassende recht-schreibreformierungen, über das victory-zeichen eines feisten bankdirektors... aber was bedeutet es schon, wenn jemand die faust ballt, wo das anything goes herrscht.
irgendwann wird die wut im bauch nichts anderes als ein sod-brennen sein.
 

biene erhalte dir deinen stachel. eine stichelei muss teuer bezahlt werden. sich selbst zu beherrschen ist eine lebens- strategie.
lieber klein beigeben, um detaillierter protestieren zu können.
 

wollen, wenn man nicht muss, ist unnötig.
wie absichtslos man sein könnte.
 

das bedürfnis, nicht reden zu müssen.
alles auflösen durch blicke auf den himmel, die zimmerdecke oder auf ein gar nichts.
 

diese häufung von déjà-vu-erlebnissen bei meinen aktuellen ausstellungsbesuchen.
da mir aber das, was als neue kunst gezeigt wird, ziemlich gleichgültig ist, kann ich mich noch für einiges begeistern.
 

wenn mich eine stimme anspricht und sie führt zu keinem mund, keinem telefon, keinem laut- und leisesprecher...
meine ungezügelte phantasie ist mein phantasma. man ist nicht ungestraft grössenwahnsinnig.
 

vertiefen und vertiefen. alles kann vertieft werden. als die hardliner in der neuen musik ihre kompositionen so komplex gestalteten, dass strukturelle raffinessen sich der menschlichen wahrnehmung entzogen, begannen sie sich wieder für den profanen zufall zu interessieren. aber nur, um nun die beliebigkeit als ordnung zu definieren.
 

meine pläne werden deutlicher und ungenauer. deutlicher in ihrer ungenauigkeit. will man mit innovationen überraschen, muss man aufpassen, dass man sich selber nicht zu sehr irritiert.
 

es gibt nachrichten, die ich für mich behalten kann, die ich lediglich verschlüsselt weitergebe, mit umschreibungen versehe oder die ich als paraphrase wie eine flaschenpost unangekündigt hinterlege. ein kunstwerk ist der sicherste ort für allzu intime geheimnisse.
 

"tief und wahrhaft ist nur, was man verbirgt. daher die kraft der niederträchtigen gefühle."
Emile Cioran
 

stetig mehr medien und kanäle mit re-sampling. doch wen wundert es noch. ich gestehe an dieser stelle, dass ich ebenso gern mich selbst zitiere.
 

was man momentan in galerien oder gruppen-ausstellungen als die neuesten trends und highlights zu sehen bekommt, hätte man bereits vor zehn jahren sehen sollen. wenn auch nicht so perfekt und abgeschlossen wie jetzt.
 

der stets verblüffende umkehreffekt bei falschen riesen. je näher sie einem kommen, desto kleiner werden sie. wie in der talkshow jetzt um 22.30 uhr.
 

progression der zeitgenössischen ästhetik: ohne visionen, utopien und ohne die glut für ein geselliges lagerfeuer auskommen (können) müssen.
 

King Kongs traum: eine welt nur mit riesen, die ihn als winzling nicht bemerken.
 

manche artistische flora ist eine versalzene suppe. alle bilder, die man sich vorstellt, malen zu müssen, stellt man sich vor, um lieber andere zu malen.
 

entweder über- oder unterlegenheit.
nach einem arbeitsscheuen tag nichts mehr erwarten. keinen ausweg, keine ablenkung.