nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

wieder viel zu viele stände in den messehallen am Funkturm.
ich werde also einen ganzen nachmittag damit verbringen, auf der leistungschau "art-forum" etliche bilder zu übersehen.
 

wenn mal all diejenigen sich nicht ausstellen würden, die es einzig aus ehrgeiz oder wegen eines aus verwandten- und bekanntenkreisen attestierten maltalentes tun... ja, dann wäre der kunstbetrieb ein angenehm überschaubares geschäft.
 

nach jahren der arbeitslosigkeit und des sozialen abstiegs besteht mancher noch darauf, ein kreativer freelancer zu sein. obwohl er ausser seinem arbeitsdrang keine überzeugenden ergebnisse vorzuweisen hat, nimmt ihm jeder seine selbst-darstellung sofort ab. so überzeugend kann sich das vermögen ausbilden, etwas vorzustellen.
 

mit einem bild wie seinerzeit der messias in Genezareth mit einem brot tausende abspeisen.
der künstler benötigt ein kleines wunder, um erfolgreich, d.h. populär zu sein.
 

"manchmal glaube ich sagen zu dürfen: der irrsinn packt mich mit starker faust, aber dann zeigt sich nachher oft, dass ich nur hätte sagen können: der irrsinn hat mich mit einem kleinen finger im ohr gekitzelt."
Dieter Roth
 

dieser wahlzwang: jedes jahr wieder eine miss germany, eine miss america und sogar eine miss world. sie wollen sämtlichen männern den kopf verdrehen, bleiben aber erfolglos bei dem garantiert schwulen mister world.
 

bald ist vom vater staat mehr kindergeld zu erwarten, und für die gutverdienenden sogar sehr viel mehr. sieht man eine schwangere frau, stellt sich daher nun die frage, hat sie's nur für's geld getan?
 

die verluderte lust, und die verleidete lust. vom zungenkuss zum cunnilingus ist es nur ein kleiner schritt. doch wie sie sich in manchen filmen umarmen, wie sie ficken und man sieht, sie bewegen sich bloss.
 

manches oder vielleicht fast alles, was man in späten jahren vorweisen kann, wird einfacher und kleiner. aber damit auch weniger.
 

pausen über pausen. und dazwischen ein lamentieren über die pausen.
 

so lange auf die deckentapete starren, bis sie verschwindet.
es gibt tage, an denen man weder schreiben noch lesen will. und reden auch nicht.
 

wenn der weisse fleck im auge mal fehlt, also alles deutlich zu sehen ist und kein platz mehr für die imagination bleibt. ja, was dann?
 

erneut ein jahr älter geworden und die feststellung: geburtstage ohne party sind wie geburtstage mit party eine katastrophe.
 

das gefühl der langeweile hält die gewissheit aufrecht, dass etwas aufregend anderes noch übrigbleibt, also noch passieren könnte.
 

wie viele boutiquen und galerien bereits aufgegeben haben, seitdem ich in Berlins mitte wohne. aber damit ich sie nicht überlebe, wird alles immer ganz schnell renoviert, umbesetzt und neueröffnet.
 

schon zu lange dasselbe brüten über ewig gleiche gedanken.
wer sich im kreis bewegt, erspart sich aber immerhin den rückweg.
 

dass mir bloss das sofort gelingt, was mir sofort gelingt. also nicht planmässig unter bestimmten umständen.
 

spruch aus dem internet für vice-versa-interpreten: kunst ist die unzurechnungsfähigkeit der zurechnungsfähigen.
 

zu viele ideen, zu viele stecknadeln im kopf.
endlich wieder einmal einen satz geschrieben, der bestehen kann. einen satz, der einen satz aus einem satz macht.
 

in jeder strandbar und auch in den nichtstrandenden zelebriert man die allerneuesten cocktails. die rezepturen werden immer geheimnisvoller und übertreffen sich stets.
ein tag ohne übertreibungen, was wäre das für ein tag?
 

wenn man sich mal richtig gehen lassen kann, kommt man zu den genialsten oder banalsten erkenntnissen. tertium non datur.
 

nihil agere delectat, denn dass faulenzen ist eine erfreuliche vorstellung. könnte man doch stolz sein auf das, was man nicht vollbracht hat, was man nie vollbringen wird. es ist das, was bleiben wird und zu einer immerwährenden beschäftigung antreibt.
 

die vielen prominenten doppelgänger, die mit meinem aller-weltsnamen in der welt ihr unwesen treiben. wenn ich sie doch alle einmal auf mich vereinen könnte.
 

"prinzip der kunst: mehr wiederfinden, als verlorengegangen ist."
Elias Canetti
 

jede ausstellung ist ein friedhof, jedes kunstmuseum ein mausoleum und jede auktion ein krematorium, insofern vermehrt milliardäre mit bildern spekulieren und darüber bestimmen, was eine bedeutung bekommt.
 

tiefer nebel, permanenter nieselregen. und ein reizhusten, ist ein reizhusten, ist ein reizhusten...
 

der handwerker in der nachbarwohnung, mit jedem hammer- schlag bringt er seit drei tagen die zeit zum stehen.
 

haben eindrücke, die man zu bildern imaginiert, per se etwas mit tatsachen zu tun? die frage lässt sich nicht eindeutig be- antworten. einerseits spielt einem die einbildungskraft immer einen streich, und andererseits ist sie vielleicht die einzige wirklichkeit, die jedem tatsächlich zugänglich ist.
 

die harmlosigkeit von zu gut präsentierten bildern als schuld-eingeständnis. von der kunst bleibt zu lernen, dass zu wenig von ihr zu lernen ist. so machen ausstellungen manchmal klug.
 

"in vino veritas - das entschuldigt den wein und die wahrheit." Oswald Wiener
 

zwang der wahrscheinlichkeit: wenn man lange genug die wörter eines satzes untereinander vertauscht, erhält man irgendwann wieder den ursprünglichen oder irgendeinen anderen satz.