"nullsummenspiele" - logbuch eines kunstschaffenden
wie schön ein regen im gegenlicht flimmert.
dieser tag ist ein unikat, er darf nur von ausgewählten, d.h. hochsensiblen menschen
beachtet werden.
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das genau und intensiv machen, was alle andere nur nebenbei erledigen.
man muss nicht arrogant sein. introvertiert reicht aus.
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wenn ich meine sache auf ein nichts stelle, d.h. stundenlang dasitze, nur warte und
irgendwann ungeduldig werde - ja dann überkommt mich zuweilen eine schöpferische
wut.
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I think what I don't mean and I mean what I don't think.
inspiration haben bedeutet gar nichts. man muss sich ihrer entledigen kö,nnen.
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goethes allerletzte worte: "mehr licht" oder "mehr nicht"?
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die unendliche menge aller zahlen zwischen null und eins ist grösser als die unendliche
menge zwischen eins und unendlich, da erstere die zahl null, das definitive nichts enthält.
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eine explosion ist eine schöpferische phase. doch man sollte nicht zu oft schöpfer spielen.
sich lieber in serien malen. denn egal was man treibt oder nicht treibt, der erfolg kommt irgendwann von
selbst. man muss nur lange genug das gleiche machen.
oder anders gesagt, wer sich immer redlich müht, darf irgendwann auf sich stolz sein.
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es ist auch ein gewisses mass an dummheit, flüchtigkeit, missmut, sinnlosigkeit, willkür,
ignoranz, übermut... (und was eigentlich nicht) nötig, um eine arbeit fortsetzen zu können.
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auf tauchfahrt unterm polareis: diesen abend lieber sitzen als stehen, lieber liegen und lieber
müde als gleichgültig sein.
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zu viele konservierungsstoffe in den preiswerten lebensmitteln. zu viele leichen verwesen
langsamer.
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was soll ich in tunesien? was in sri lanka oder etwa auf mallorca? warum soll ich mich dem
service von pauschalen landschaften aussetzen? belagern in diesem sommer noch mehr
touristen berlin, bleibt der ernüchternde wedding (oder vielleicht timbuktu) meine diaspora nachhause.
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eine illusion lässt sich nur mit einer anderen illusion widerlegen, obwohl man nie über
genug illusionen verfügt. da man jedoch die grenzen seiner einbildungskraft kaum kennen-
lernen wird...
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"es ist schlau, bitterkeit zu zeigen, wenn man keine gründe zur bitterkeit hat, und keine
zu zeigen, wenn man grund dazu hat."
(Henry de Montherlant)
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von allem gibt es zuviel. ein zuviel an galerien, museen, kunstmessen und auch ein zuviel an
kriterien. i.e. eine kunst als kontingenz oder als inkontinenz.
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manche artistische flora ist eine versalzende suppe. alle bilder, die man sich vorstellt malen zu
müssen, stellt man sich nur vor, um lieber andere zu malen.
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"in der kunst haben die theorien den gleichen nutzen wie verordnungen in der medizin:
um daran zu glauben, muss man krank sein."
(Maurice de Vlaminck)
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selten träumt man seine träume zuende. am ende eines traumes steht meist ein zweifelndes
ach-ne.
man deute das, wie man will.
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auch wenn man nicht in der lage ist, seine abneigung offen zu zeigen, muss man gegenüber
unsympathischen menschen nicht höflich sein. falls man es aber trotzdem ist, weil man
von ihnen abhängig ist (z.b. im mitgegründeten kunstverein), darf man ihnen jedenfalls
mit noch mehr groll begegnen.
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in diesem jahr zwei umfangreiche ausstellungen, zwei aufwendige installationen aufgebaut
und nebenbei noch vorträge gehalten. ich verliere den überblick und werde polygam.
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wenn mir etwas wahrhaft zu gelingen scheint, hege ich manchmal den verdacht, dass ich
von einer exorbitanten matrix ferngesteuert werde.
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ein flow-effekt mündet nicht automatisch in euphorische zustände. er macht es nur unmöglich,
dass man ohne sie sich berauschen kann.
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manches ist zu einfach, anderes zu simpel. was erkennbar ist, reduziert sich oft auf phantome
oder auf die suche nach ihnen. das reale ist die rache dafür, dass man es nicht erfassen kann
oder es sich nicht mehr zutraut.
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more ethic(haltung) is more aesthetic(wohlgefallen). denn auf einer bequemen brille macht
ein jeder arsch ein gutes gesicht.
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würde ich es öfter schaffen, für ein Jetzt zu leben, hätte ich einen vorsprung. ich wäre
dann jemand, der ohne utopien auskommt. doch habe ich von meiner gegenwart eine so
hohe meinung, dass es mir keinesfalls schwer fällt, sie stets zu verlassen.
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was da ist, ist das, dass da ist, damit es das ist, was da ist.
kein epigone der zukunft sein. kein leben in abhängigkeit vom topos des unwirklichen.
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einen spitzen stift ständig zur hand und einen zettelkasten für jeden meiner einfälle. doch
meine besten ideen habe ich immer zu schnell vergessen.
notabene ist notamale.
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meine unterschätzen arbeiten und mein von ignoranten galeristen und kuratoren weiterhin
unterschätztes publikum.
ehre gegen karriere, lieber verkannt statt stadtbekannt sein. was in einer stadt mit fast drei
millionen einwohner auch sehr wahrscheinlich ist.
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vernissagen sind wie geburtstagsparties. wegen all den vielen bekannten und verwandten, die
bei jeder gelegenheit alles gute wünschen.
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was ist das gegenteil von berühmt? verkannt, vergessen oder unpopulär? mein lexikon der
antonyme, veb bibliographisches institut leipzig aus dem jahre 1984, fällt ein hartes urteil:
unbekannt, unbedeutend, mittelmässig.
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stellen sich zu früh die genialen erkenntnisse in, dann muss man sie ein leben lang toppen
und poppen. siehe günter grass.
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die sommerzeit geht zuende. die nächte werden länger und die tage auch.