nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

wie bizarr ein regen im gegenlicht flimmert.
mancher tag ist ein unikat, er darf nur von ausgewählten, d.h. hochsensiblen menschen beachtet werden.
 

das genau und intensiv machen, was andere bloss nebenbei erledigen.
man muss nicht arrogant sein, introvertiert reicht völlig aus.
 

I think what I don't mean and I mean what I don't think.
inspiration haben bedeutet gar nichts. man sollte auch einfälle ignorieren können.
 

was sich den omnipräsenten tatsachen und neuigkeiten ent- gegensetzen lässt, ist die genugtuung der langsamkeit. aber es hat eine langsamkeit zu sein, wie sie tieren eigen ist, die stundenlang in einer schattenlandschaft ausharren, ohne auf etwas zu warten.
 

Goethes allerletzte worte: "mehr licht" oder "mehr nicht"?
 

die unendliche menge aller zahlen zwischen null und eins ist grösser als die unendliche menge zwischen eins und unendlich, da erstere die zahl null, das definitive nichts enthält.
 

man sollte nicht zu oft schöpfer spielen, nur lange genug das gleiche machen. dann kommt der erfolg irgendwann von selbst.
wer sich immer redlich müht, darf irgendwann auf sich stolz sein.
 

der ursprung aller kunst-entäusserung sind unterlegenheits- gefühle - auch ehrgeiz genannt.
 

auf tauchfahrt unterm polareis: am abend lieber sitzen als stehen, lieber liegen und lieber müde als gleichgültig sein.
 

was man alles bis zur banalentsetzlichkeit toppen kann.
es ist ein gewisses mass an dummheit, flüchtigkeit, missmut, sinnlosigkeit, willkür, ignoranz, übermut... (und was eigentlich nicht) nötig, um eine arbeit fortsetzen zu können.
 

wie fremd man anderen wird, wenn man nur die einem selbst wichtigen bücher liest, unpopuläre filme sieht und dann auch noch unvorstellbare bilder im kopf hat.
 

eine illusion lässt sich am besten mit einer anderen illusion widerlegen, obwohl man nie über genug illusionen verfügt. da man jedoch die grenzen seiner einbildungskraft kaum kennenlernen wird...
 

ab und zu gegen den auf maximale perfektion eingestellten zeitgeist das recht auf sinn- und zwecklose kunst einklagen.
so als wäre das banale noch nicht harmlos genug.
 

"es ist schlau, bitterkeit zu zeigen, wenn man keine gründe zur bitterkeit hat, und keine zu zeigen, wenn man grund dazu hat."
Henry de Montherlant
 

es gibt zu viele kunstbanausen und für uns romantiker einzig den traumberuf des verhinderten prominenten.
 

auch wenn man nicht in der lage ist, seine abneigung offen zu zeigen, muss man gegenüber unsympathischen menschen nicht höflich sein. falls man es aber trotzdem ist, weil man von ihnen abhängig ist (z.b. im mitgegründeten kunstverein), darf man ihnen heimlich mit noch mehr groll begegnen.
 

bereits seit januar zwei umfangreiche ausstellungen, zwei aufwendige installationen aufgebaut und nebenbei noch vorträge gehalten. ich verliere den überblick und werde polygam.
 

wenn mir etwas wahrhaft zu gelingen scheint, habe ich das gefühl, von einer exorbitanten matrix ferngesteuert zu werden. eigenständig funktioniert bei mir normalerweise nur das, was im hier und jetzt nicht bewältigt wird.
 

ein flow-effekt mündet nicht automatisch in euphorische zustände. er macht es nur unmöglich, dass man ohne sie sich berauschen kann.
 

manches ist zu einfach, anderes zu simpel. was erkennbar ist, reduziert sich oft auf phantome oder auf die suche nach ihnen. das reale ist die rache dafür, dass man es nicht erfassen kann
oder es sich nicht mehr zutraut.
 

jenes andauernde elfmeterschiessen in der kunst.
mit übertreibungen und banalen eindeutigkeiten wird man populär. nicht durch mehrdeutigkeit.
 

die natur beanspruchte millionen von jahre, um intelligente lebewesen hervorzubringen. als künstler muss man, was für eine anmassung, jedes jahr mit allerneuesten arbeiten in ausstellungen aufwarten.
 

der neoismus als die vielleicht letzte authentische avantgarde-bewegung kann sich immer noch mit erfolg behaupten. weil jede referenz zum tatsächlichen gekappt wird, ist er eine vision, die ohne inhalte auskommt und die in ihrer selbstbezogenheit sich unaufhörlich im kreis dreht.
 

stets dieses klischee vom kreativen künstler-dasein. so als ob erwartungen nur das zu erwartende, das erwartbare sein dürfen.
 

die diktatur der kunst und ihr gegenteil, als die peinliche miniatur eines Jonathan Meese.
 

more ethic (haltung) is more aesthetic (wohlgefallen). denn auf einer bequemen brille macht ein jeder arsch ein gutes gesicht.
 

selten träumt man seine träume zuende. am ende eines traumes steht meist ein zweifelndes ach-ne.
man deute das, wie man will.
 

würde ich es öfter schaffen, für ein Jetzt zu leben, hätte ich einen vorsprung. ich wäre dann jemand, der ohne utopien auskommt. doch habe ich von meiner gegenwart eine so hohe meinung, dass es mir keinesfalls schwer fällt, sie immer wieder zu verlassen.
 

was da ist, ist das, dass da ist, damit es das ist, was da ist.
kein epigone der zukunft sein. kein leben in abhängigkeit vom topos des unwirklichen.
 

auch dies gibt es noch: ein fitness-studio voller Arno-Breker-skulpturen.
 

wenn mancher mann und manche frau wüsste, wer ich bin... aber die leute gehen weiter, ohne mich zu beachten. das beruhigt immerhin.
 

wie schnell man bilder betrachtet und erfasst. wer vor meinen bisher angehäuften lebenswerken jeweils zehn sekunden verweilt, muss nur eine stunde einplanen. bei fünf sekunden pro bild reichen 34 minuten aus.
 

stellen sich zu früh die genialen erkenntnisse ein, dann muss man sie ein leben lang toppen und poppen. siehe Günter Grass.
 

die sommerzeit geht zuende. die nächte werden länger und damit die tage auch.