110 romane


anfänge und abbrüche

wenn es im radio nichts zu sagen gibt, dann ist nur musik zu hören. das grübeln braucht keinen text und keine melodie. einen seufzer aber immer.

+

ein unakzeptabler einfall gefolgt von langen pausen bis zum nächsten einfall. ist ein überflüssiges sinnieren so verwirrend wie das rauschen der heizungsrohre, bleibt es immerhin ergründlich.

+

früher waren braune strümpfe wärmer als hohe.
am unglaublichen aus der kindheit festhalten. oder lieber an der ungewissheit des gesetzten alters?

+

wie oft das schreiben sich die möglichkeitsform wählt und mehr erwartung als wirklichkeit sein will. doch die meisten erwartunngen sind wie bei populären filmen allzu bekannte erwartungen und werden erwartungen bleiben.

+

sätze finden, die noch nicht von einem sinn beschwert sind, also radebrechend schreiben. die sprache ist streufähig und wohlfeil wie das salz. auch wenn es vermehrt unwörter gibt und moralapostel, welche teile der sprache brandmarken.

+

warten und warten durch den tag, durch die nacht, während jalousien das strassenlicht dissimilieren und am firmament flugzeuge anstelle von sternen funkeln. der müssige poet kommt erst zu bemerkenswerten gedanken, wenn ein muster (z.b. eine tapete) zu flimmern beginnt.

+

aber nicht wie die spinnen sein. sie harren aus und warten so beharrlich auf einen fang in ihren verstaubenden netzen, bis sie irgendwann vertrocknen.

+

Jean Paul wieder gelesen. auch seinen Titan endlich. und da fortwährend irgendwo etwas nachzuschlagen ist, stapeln sich inzwischen über zweitausend bücher in der wohnung.

+

die abgehobenheit, unverbundenheit, das ausser-sich-sein bei jedem neubeginn. und wie schnell sich alles in luft auflöst, nicht ansteckt, ganz für sich verbleibt.

+

romane, die nach mitternacht konzipiert und am nächsten tag verworfen werden. derartige romane sind eine andauerende herausforderung.