"nullsummenspiele" - logbuch eines kunstschaffenden


diese woche wie den ganzen letzten monat mehr bücher gelesen als tage gelebt. welchen stellenwert haben die duchampschen leer- zeiten, die unproduktiven phasen in einer vita? lohnt es sich darüber nachzudenken?
auf jeden fall. denn nicht das, was verbindet, trennt, sondern was trennt, verbindet.

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immer den nötigen ausgleich schaffen. heute scheintotes fleisch in der plus-kaufhalle, morgen scheinlebendige pflanzen im biomarkt kaufen.

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lex parsimoniae: trotz steigender energiekosten nicht zuviel im dunkeln dümpeln, nicht zuviel stromsparen und auch nicht zuviel geizen mit dem geiz. momentane befriedigung durch eine schnelle heimliche selbst- befriedigung.

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wer auf zu viele dinge warten muss, schläft irgendwann immer länger. erst zehn, zwölf, dann vierzehn stunden täglich und später noch zwischendurch einmal.

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"alle bestehenden dinge sind nur dazu da, damit wir lernen, ohne sie auszukommen (fertig zu werden)."
Max Beckmann im Februar 1937

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kasseldokumenta, venedigbiennale, münsterskulpturenpark und der drang nach immer mehr bildender kunst in diesem sommer. soll ich diesem von bildern und buchstaben schon verstopftem zeitgeist noch weitere texte und bilder hinzufügen?
ein misstrauen, das sich nicht zerstreuen lässt: ein flugzeug, das nie landen wird. jeder zweifel ist eine scharade.

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der typische ausstellungsbesucher: veni, vidi, cucurri.
nur noch ein publikum für meine arbeiten akzeptieren, dass meine arbeiten nicht akzpetiert. so entgeht man dem lob langweilender ignoranten.

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eine in allen medien seit tagen gross angekündigte und jetzt international vor ort life zu bestaunende sonnenfinsternis stellt sich als eine ernüchternde harmlosigkeit heraus.
die enttäuschung ist oft die einzig wirkliche erfahrung. und doch gibt es die furcht, noch etwas entdecken zu müssen.

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meine nullsummenspiele: eins wird von eins abgezogen und dazu erneut eins addiert und wieder abgezogen. wenn man sich vorstellen könnte, wie das ist, was ist, sein würde, wenn es nicht das ist, was es ist.

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eine spätherbstliche fliege zieht seit stunden ihre nicht endend zickzack-bahnen um meine deckenlampe. ihre beharrlichkeit ist so penetrant wie beeindruckend. welchen geometrischen beweis will sie antreten?

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wenn man mich bei gruppenausstellungen mit dem einen oder anderen verwechselt, mich mit einem falschen namen anredet... um wie viel sicherer und grösser fühlt man sich, wenn sich die möglichkeiten von täuschungen auftun.

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es gibt keine überzeugende berechtigung für die kunst, da man sich für alles begeistern und sich gleichzeitig langweilen kann.
doch so lange kunst noch nach kunst aussieht, gibt es wohl auch welche.

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"mit der kunst ist es vorbei, seit die künstler keine geschlechtskrank- heiten mehr haben."
(Guido Ceronetti)

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eine wolke trifft auf eine wolke und wird von ihr geschluckt. eine andere wolke weicht ihr aus, als ich über die lernfähigkeit der wolken nachdenke.

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hysterie: wenn man einmal etwas dummes denkt und sich dessen bewusst ist, dass es etwas wirklich dummes war... ja ist man dann schon weniger dumm?

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mit dreihunderttausend kilometern in der sekunde trifft jeder lichtstrahl mein auge. soweitsogut.