nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

weder nach links noch nach rechts, weder hoch hinaus noch nach unten fallen. warum weiss ich immer öfter, was ich nicht will?
meine absichten sind vorläufig und ohne ziel. weil ich an zu vielen gewohnheiten hänge, kann ich an meinen möglichkeiten keinen verrat begehen.
 

ich rauche. und ich rauche trotz nichtraucherschutzgesetz noch immer einen feinen verschnitt in meiner pfeife. sollte mich einmal die diagnose krebs ereilen, weiss ich wenigstens warum.
 

traue keinem unter 90, denn die menschen werden, da sie nun nicht mehr öffentlich rauchen dürfen, immer älter. und wenn die medizinische forschung recht behält, irgendwann bis zu 300 jahre lang leben.
 

Papst Benedikt stellt jetzt nach der debatte um die holocaust-verleugnung bei den (unlängst von ihm wieder eingemeindeten) Pius-brüdern seine unfehlbarkeit zur disposition.
wer will da noch nachstehen?
 

"es ist höchst begreiflich, warum am ende alles poesie wird. wird nicht die welt am ende gemüt?"
Novalis
 

weiter, höher, schneller. der 100meter-star Usain Bolt läuft trotz schärferer doping-kontrollen und entgegen wissenschaftlicher prognosen bei Bejing Olympia 2008 einen neuen weltrekord. manche glauben an die redlichkeit seines erfolges, manche nicht.
 

zukunftsverweigerung als rebellion oder als eingeständnis der einfallslosigkeit? ich wiederhole mich immer häufiger. mein vorrat an unmöglichkeiten nimmt ab.
what ever that means.
 

die kunst weniger sehen und lesen zu müssen.
überall potenzierte beständigkeit. ein blick genügt.
 

mein kontrastprogramm: bis zum späten nachmittag meist paraphrasen, zitate, anagrammierungen und dann nach mitternacht erratische gedankenblitze. es genügt zu über- treiben und über das gegebene zu scherzen, und schon wird vieles ausserordentlich erträglich.
 

eine empfehlung für die deutsche fanmeile: statt schwarz-rot- gelb lieber die unverfänglichen komplementärfarben weiss-grün-violett wählen. das weckt im voreiligen siegesrausch keine schizophrenen gefühle.
 

"I hate excuses." - in schwachen momenten wünsche ich mir die grosse popularität einer Sahrah Lucas mit den dazugehörenden galerien und museen, die solche tumben versprechen gern und gut promoten.
 

"zwangsweise namensänderung alle fünf jahre, das schicksal der berühmten. ihre schwindeleien."
Elias Canetti
 

der sinn einer arbeit ergibt sich immer erst aus der nächsten oder der vorhergehenden.
alles ist nur ein vorspiel für ein ganz anderes vorspiel.
 

bis zum 30. lebensjahr war ich ein künstler ohne werk und ohne vita. danach wurde alles ausführlich in bildern sowie texten festgehalten und archiviert.
 

wenn man für den kunstbetrieb nicht clever genug ist, muss man sich damit abfinden, dennoch auf eine bestimmte art einmalig zu sein. eventuell einmalig trivial.
 

wegen dem urinstein jetzt im sitzen pinkeln. statt starken kaffee am morgen lieber schwarzen tee und am abend höchstens noch zwei bier. irgendwann vielleicht wein.
ich entwickele rücksichten, die ich selber nicht verstehe, während sie für andere bereits selbstverständlich scheinen.
 

ich bin schwer vermittelbar. meine bilder und texte sind nicht einleuchtend, und wenn überhaupt, dann selten zu verstehen. wenige menschen können und wollen sich deshalb an sie erinnern.
ich verursache amnesien.
 

vielleicht sollte ich mir endlich einen originellen namen, einen künstlichen, zulegen, damit man meine arbeiten ernst nimmt.
 

immer weniger galeristen, kuratoren und kollegen, die mit mir projekte stemmen wollen. sie verlassen wie ratten das sinkende schiff.
 

aufmerksamkeit durch unscheinbarkeit. das hervortreten der eigenen person in der steten nichtwahrnehmung.
 

traum: ein bild, das kein bild ist, überlagert ein anderes bild, welches aber behauptet, das genaue abbild von dem bild zu sein, das kein bild ist.
 

was wäre möglich, wenn ich jetzt den lotto-jackpot knacken würde oder einen hochdotierten nobel-kunstpreis bekäme?
ich habe es gewusst und weiss es nun nicht mehr.
 

der erfolg des nichterfolgten: man bleibt ein kampfloser sieger, wenn herausforderungen ausbleiben.
diese woche wie die letzte und die vorletzte nichts notiert. ich schlittere wie die globale weltwirtschaft in eine rezession.
 

bald 46. Schiller starb in jenem alter. wäre er älter geworden, hätte er sicherlich seine idealische haltung zur gesellschaft stärker zum pragmatischen geändert. auch vielleicht alles umgeschrieben.
 

ein richtiger herbstnebel ist ein nebel im richtigen herbst.
 

ohne das normale gibt es nur das allzu normale. einzig noch das registrieren, was man selber und augenblicklich erleidet. ein fahrtenschreiber sein. nicht mehr und nicht weniger.
 

das wahrnehmen so lange aushalten, bis sich das räsonieren aufhebt. oder in allem etwas anderes sehen. z.b. in fernseh- bildern wie eine katze einzig farbige pixel.
also mal nicht nach vergleichen suchen.
 

aktuelle befunde aus Äthiopien belegen, dass der mensch schon seit 4,4 millionen jahren existiert. damals zwar noch mit einem sehr kleinen gehirn, aber immerhin bereits aufrecht.
 

stell dir vor, was du vor 30 jahren formuliert haben könntest, formuliere es besser und dann datiere es zurück.
die vergangenheit muss neu erfunden werden.
 

und was fehlt noch?
in diesen zeiten vor allem eine kunstvernichtungsmaschine sowie das bekenntnis zur kunstabgwöhnung ohne wenn und aber. oder zumindest ohne reue.
 

fortsetzung folgt.
folgt nicht.
folgt doch!
denn die letzte ziffer von pi ist pi.