nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

unfrei wie der ast, auf dem ein vogel sitzt und sitzt und immer noch sitzt.
niemand kann sich in seiner arbeit völlig erschöpfen. es bleibt immer ein rest an energie übrig. für den zweifel an dem sinn aller verausgabung.
 

bambusstangen werden jetzt zu polizisten ausgebildet, während demonstrationen von ärzten, beamten und dauerangestellten ausufern. es ist die zeit der volkstümlichen paraden eines neuen prekariats, für das die polizei den überblick wagt.
 

man hat keine schmerzen mehr, bloss noch beschwerden, proteste, reklamationen, petitionen und böse leserbriefe anzubieten.
 

trotz frühjahrsmüdigkeit mal wieder was auf die beine stellen, um den kopfstand aufzugeben.
 

leben bis zur unergründlichkeit.
frei und unbestimmt sein wie eine wolke, nicht wie der wasser-dampf.
 

selten konkret ist der tolldreiste kitzel von perlen in feuchten schlitzen.
was im grossen und kleinen sich ereignet, ist so phantastisch, dass es einzig mit einer absurden einbildungskraft vorstellbar bleibt.
 

diese zu sattsam bekannten bilder, welche man in der eigenen vita anhäuft. und es werden stetig mehr.
 

immer noch die bange frage, hört mir überhaupt jemand zu. immer die frage nach einem echo in einem wald, in dem vor lauter bäumen nichts mehr herausschallt.
 

das buhlen um die ressource aufmerksamkeit, wenn angebote die möglichkeiten der nachfrage übersteigen.
 

die harmlosigkeit der aktuellen kunst. man darf sogar den Hitlergruss wieder zeigen, weil es bloss kunst ist.
 

zu vieles lesen und hören müssen. und manches zu oft.
die ausufernde krankheit seine phantasie mit anderen teilen zu wollen. sobald man sich mitzuteilen beginnt, begeht man eine indiskretion nach der anderen.
 

self.thinking = self.target + self.position;
ich muss mich belügen, mir etwas vormachen. desto mehr bin ich mit mir identisch und umso weniger irgendetwas anderes.
 

meine aktuelle steuererklärung: ich habe wieder mehr geld ausgegeben, als ich besitze.
bin ich nun vorsteuerabzugsberechtigt?
 

pervertierte welt: trotz sehenswerter tore, dramatischer fouls und dadaistischer trainer-statements bei der EM gingen dieses jahr mehr menschen in ein museum als in ein fussballstadion.
 

von allen wolken verlassen, die noch zu zählen sind.
heute will ich fröhlich sein, weil ich glaube, ich sei es bereits.
 

verdünnungszwang: eine weinschorle, ein milchkaffee, ein küsschen zur begrüssung... und tief im kopf der traum von einem cunnilingus.
 

obwohl lange genug abgehört, sind wieder keine stimmen aus der steckdose zu vernehmen.
man kann nicht auf das unbekannte, auf eine überraschende erlösung hoffen. das unbekannte ist so unwahrscheinlich wie selten.
 

kein grund zum aufhören, kein grund zum weitermachen.
ich bin mit mir nie zufrieden genug, um wegweisendes zu malen.
 

meinen bildern und videos mangelt es an eindeutigen thesen und an wahrnehmbaren höhepunkten. sie enthalten alle einen hang zur langeweile, den ich benötige, um sie fortsetzen zu können.
 

die farben eines bildes sagen nichts über die farben eines bildes aus.
es ist peinlich, bilder erklären zu müssen. es ist, als übermale man sie.
 

man kann von den menschen nicht erwarten, dass sie respekt vor der kunst haben. und man darf es ihnen nicht übel nehmen, wenn sie keinen respekt haben.
 

alle hochgeschätzten bilder und plastiken der berliner museen und galerien in den Plötzensee versenkt, würden den wasser-spiegel um vielleicht drei bis vier zentimeter steigen lassen. die durch das wirtschaftswachstum verursachte klimaveränderung kann in den nächsten drei jahrzehnten einen gleichen anstieg erreichen. jedoch auf dem folgenreichen niveau der weltmeere.
 

"Fiend field of action for impotence - call DRAW"
Dieter Roth
 

bei mancher attraktiven hochglanzfrau in der werbung vermag man sich überhaupt nicht vorstellen, dass und ob sie überhaupt defäkieren muss. aber wenn sie dann im fernsehen ihren mund öffnet und beim reden nur noch mund ist, ja dann...
 

abwege, umwege. oft aber abwege, wegen zu vieler umwege.
ich entwickele mich mit projekten, die ich mir verbiete. mit projekten also, die ich mir bloss vorstelle.
 

wenn man am nächtlichen himmel eine sternschnuppe sieht, sollte man einmal laut sagen, was man sich nicht wünscht. vielleicht kann nur noch eine solche regelverletzung verhindern, dass nicht alles in erfüllung geht.
 

rot, blau, rot, rot, grün, blau, grün, blau, blau, rot, grün, rot, blau, grün, rot und dann blau.
wegen einer fulminanten abendstimmung potenziert sich der himmel zu einem geheimnisvollen versprechen. nicht um eine erklärung, sondern um sympathie zu erschleichen.
 

viele meiner arbeiten sind mängel- oder mangelexemplare.
je mehr man sich korrigieren kann, weil man es muss, desto mehr wird man ein besserwisser. man weiss, wie manches hätte besser werden können.
 

welch eine zerstörerische kraft in spätnächtlichen phantasien schlummert, so dass man sie sich am tage verbieten muss. damit z.b. stühle zum sitzen übrigbleiben, am tisch weiter geschrieben werden kann und das haus bewohnbar bleibt.
 

"born to be wild."
was man nicht mehr zu träumen wagt, steht jetzt auf grossen plakatwänden.
 

die amnesie mancher traumlandschaften sind wundersame spinnengespinste.
die anfänge der wolken gehen nach und nach verloren wie die anlässe mancher wünsche. meine wirklichen absichten habe ich immer zu schnell vergessen.
 

alles ausgeschaltet, abgeblendet und kein wind mehr vor den fenstern. das blut fängt an zu pulsieren, der herzschlag erhöht sich um einige dezibel.