110 romane


anfänge und abbrüche

ein unscharfer tag. die lesebrille ist nicht auffindbar.
würde es ohne anfang gehen, könnte man einfach so drauflos fabulieren, geradezu eine lebensbeichte verfassen und hoffen, dass sie auch ohne pointe eine absolution bekommt.

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die meisten bekenntnisse müssen zu lange eruiert werden.
ein guter satz ist ein heissluftballon, mit dem man folgenden artikulierungsnöten entflieht.

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stets ein weiterer satz hinter dem letzten satz, der gerade beendet wurde.
in einem authentischen text gibt es kein ende und keine not-ausgänge.

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selbst staatliche grossprojekte wie der Berliner flughafen BER werden prokrastiniert, da sie die verantwortenden politiker wegen technischer fehlplanungen nicht eröffnen dürfen.

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das schwadronieren aushalten, das räsonieren perpetuieren und das träumen weiterträumen, solange die schwerkraft eines intensiven lebensgefühls ausbleibt.
dass sich von allen tatsachen ebenso das gegenteil behaupten lässt, beruhigt ungemein.

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man sucht den erfolg und bleibt lediglich das medium der entbesserung.
kein brillant formulierter text ohne akuten mangel.

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fünfhundert gelesene wörter am tag, geschrieben aber nur zehn. und die gewissheit, dass es ohne neustart immer weitergeht, immer so weitergeht...
die möglichkeit anordbarer wörter ist schier unendlich.

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eine klarstellung zwischen den zeilen: man verrät allzu offen, dass man zu wenig weiss, und man begründet es immer mit klugen argumenten.

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im gesetzten alter häufiger das streben nach ausführlichkeit, obwohl schon genug leben preisgegeben wurde. ohne finalen orgasmus hört das vorspielen eines vorspiels wohl nie auf.

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sollte man irgendwann für einen poetenpreis mal eine dankes-rede halten, liesse sich folgendes verkünden: vom schreiben erlöst allein das schreiben, solange man sich ein poetisches leben leisten kann.

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vielleicht gibt es einmal eine gesellschaft, die nicht eine apokalypse als ende braucht. d.h. eine gesellschaft, die sich bereits mit katastrophalen anfängen zufrieden gibt.