110 romane
anfänge und abbrüche
zu schöne menschen sind wie allzu schöne beschreibungen ein nonsense.
also lieber unverständlich sein, anstatt allweil redundant, konstant und tendenziös.
zu talkshows im fernsehen nichts zu sagen zu haben und es dennoch sagen, das ist ehrliches fernsehen.
so viel sprache im alltagsleben und zu wenig überbau. mancher anfang ist eine leere, ein stillstand, ein kopfzerbrechen, ein loch... und gross ist die angst, dass es immer so weitergeht, dass sich nichts wesentliches ergibt.
nach einem dritten kaffee endlich ein ironischer satz, der einen satz aus einem satz macht.
was man nicht alles notiert, wenn man es sogleich notiert.
das grübeln über sujets in manuskripten, die schon zu weit fortgeschritten sind, so dass es keinen anfang mehr geben kann und nicht mehr geben wird.
in einem Ikea-Kötbullar wurde pferdefleisch gefunden und alle regen sich darüber auf. sie sollten froh sein, dass darin keine pressspäne zu finden sind.
man muss immer wieder sätze transformieren, vertraute wörter anagramieren, damit sich innovatives ergibt. selbst Beckett und Joyce haben bloss an oberflächen gekratzt. man kann tiefer nach abgründen bohren.
entweder, oder. oder sowohl als auch. die ohnmacht der selbstbehauptung und die macht der argumente. und nach mitternacht oft die ohnmacht der argumente.
vielleicht kommt man erst mit gänzlich unverständlichen worten zu anderen erkenntnissen. als ein radikaler narr.
die tragik des Prometheus: seinen erfolg konnte er erst in einer niederlage erfahren. während seine niederlage sich aus der sicht der menschen als ermächtigender erfolg erwiess.
völlig enttäuscht über das bereits erkannte hinausstreben und es dann übersteigen.
liest man keine zeitungen und sieht man nicht fern, denkt man abstrakter.
das emsige auflisten von ideen, um festzustellen, dass es zu wenige sind oder nicht die richtigen.
soll es mehr werden, darf der stuhl nicht knarren und auch kein netzteil brummen.
grosse wolken sind prosa, kleine lyrisch.
an ereignislosen tagen sind sogar gebrauchsanweisungen lesbar.
hat man nichts zu sagen, muss man schweigen dürfen.
das insistieren der stummen als ein möglicher roman.
die sehnsucht nach dem meer und in schlaflosen nächten ein brausen im ohr. an ruhigen tagen ist das leben zu sicher.
wie lange man die eigene vergangenheit verbessern muss, auf dass sie passend wird.