110 romane


anfänge und abbrüche

im fernsehen vieles doppelt und dreifach gesehen, aber bloss zur hälfte im gedächtnis behalten.
andere bezüge für das aktuell wirkliche finden, und mit mehr bedenkzeit fortwährend spätere zusammenhänge imaginieren.

+

die stimmigkeit der wahrscheinlichkeit: wenn man beharrlich die wörter eines satzes untereinander vertauscht, erhält man früher oder später den ursprünglichen oder irgendeinen ähnlichen satz.

+

der umwelt zuliebe werden vermehrt pfandflaschen verkauft. die rückgabe wird zum big business für die discounter, wenn sie ausbleibt. und zur conditio sine qua non für sammler, da sie wegen steigender lebenshaltungskosten ihr existenz-minimum aufbessern müssen.

+

zu viel gelb um halb drei. die küche ist verqualmt.
fällt einem wochenlang nichts ein, dann wird man irgendwann arg ausführlich, um diese leere zu füllen.

+

gedankenspiele, nichts als gedankenspiele.
es ist eine unheimliche versuchung, kluges zu formulieren, insofern man die macht hat, es wieder durchzustreichen.

+

perforierte zeit: trotz sehenswerter tore, dramatischer fouls und dadaistischer trainer-statements gingen dieses jahr mehr menschen in ein museum als in ein fussballstadion.

+

was in einem unfug so vor sich geht. geht das ohne sinn und nur mit unsinn vor sich?
mancher satz ist ein fluch und erst der folgende, wenn er sitzt, der gegenzauber.

+

das verschnaufen zwischen den stunden als ein gestundetes schnaufen. was notiert werden kann, ist authentisch, sogar wenn es missglückt.
doch es wird zu viel geschrieben. und meist ins leere.

+

wer etwas erreichen will, weiss auch, wie er es verfehlen kann. aber dass ein zweifelndes alter ego zu selten etwas progressiv motivierendes aufschreiben kann, beunruhigt auch.

+

also eine geschichte über anfänge beginnen. über anfänge, welche sich einer poetischen verwertung entziehen und härtnäckig wie staubflusen immer wieder in erscheinung treten.