110 romane


anfänge und abbrüche

beim obligatorischen spazierengehen im Humboldthain einleuchtende gedanken, welche sich zu hause als erratische elaborate entpuppen. erst wenn nächtliche träume die wurzel daraus ziehen, wird es vielleicht wieder plausibel.

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wie viel rhetorik und vorsicht in einem selbstgespräch steckt. was man klar zu meinen glaubt, verrätselt zwangsläufig auch tatsachen, wird ein schwadronieren mit der präzision einer ausdauernden kompliziertheit.

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nackte brüste protzen nicht nur in der Bild-zeitung tagesaktuell, sondern inzwischen als Femen-protest überall medienwirksam.
es gibt immer weniger überzeugende vorurteile. das macht angst.

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als müsste man in seinen sätzen gefunden werden, fabuliert man eine folge von bedeutungen, die einen nach und nach als autor erfinden.
diese vage situiertheit, das originäre im eigenen dunst eloquent fühlen zu müssen.

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ein konsequenter tagebuchschreiber betrachtet täglich seinen auswurf. irgendwann wird er ihn auffressen.

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man steht sich im wege, wenn man den rechten weg sucht.
jedes buch besteht aus 3 hoch 3 hoch 3 verworfenen anfängen, wenn es grossen ansprüchen genügen soll.

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eine art zu schweigen: einfach sagen, was man geradezu im dunstkreis einer stehkneipe sieht. das sprechen ist dort eine andauernde verredezeit.

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authentisch dahingeschrieben wirkt ein text tief. vielleicht weil er etwas nicht darstellbares anspricht, unartikulierbares oder unvorstellbar banales zum erscheinen bringt. solange man nicht für ihre folgen haften kann, sollte tiefen texten misstraut werden.

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was wird man in 50 jahren kommunizieren?
42dimensionale hologramme?

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zwei tage nach dem anschlag auf die Twin Towers in New York klingelten bei mir zwei mitglieder von den Zeugen Jehovas. sie stellten sich als Hegels weltgeist vor.