das rauschen der geltung (2016)

was wird übrigbleiben von der kunst, die seit jahren eine überhitzte und orientierungslose ist? manches heute hoch gehandelte bleibt wohl ein profanes zeitdokument und allzu weniges wird eine andauernde geltung beanspruchen. die Biennale in Venedig hat im vergangenen jahr, kuratiert von Okwui Enwezor, eine vergeblichkeit vorgeführt, die nicht nur nachdenklich, sondern auch traurig stimmt.

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kunst als politische schönheit (2015)

wie politisch und wie moralisch darf kunst sein? es gab eine zeit, da glaubte man, sie könne einen nachhaltigen einfluss auf die gesellschaft ausüben, wenn sie einfach sensibilisiere oder dramatisch über missstände informiere. seit langem darf sie es nicht mehr so offensichtlich, will sie sich nicht den vorwurf gefallen lassen, plakativ oder suggestiv zu agitieren.

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post internet art (2015)

digitale visionen mit einem partizipatorischen oder gar anarchistisch immersiven anspruch sind im cyberspace mittlerweile obsolet. in einer omnimedialen gesellschaft rufen derartige vorstellungen nur noch nostalgische erinnerungen hervor. es geht nicht weiterhin darum, eine globale vernetzung eigenwillig dysfunktional zu gestalten, eher um das ausschlachten von optionen und deren vernutzung im gelebten alltag.

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das dilemma der kunstvermittlung (2015)

was ausstellungen alles zu leisten haben. sie sollen sensibilisieren, zur reflexion anregen, identitäten stiften und auch ein wenig politische aufklärung sein. doch können sie das wirklich, wenn vornehmlich die kurzweilige unterhaltung und zerstreuung gesucht werden? und ist es überhaupt anstrebenswert, dass besucher durch eine angeschaute kunst eine dezidierte bereicherung erfahren und bei einer didaktischen aufbereitung dann noch die gleiche?

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die natur der artifiziellen welt (2014)

seit jeher ist die malerei von der natur herausgefordert, sie in bildnissen symbolisch oder wirklichkeitsnah festzuhalten. bei den griechen war es das rechte mass, das eine mimesis bestimmte. mit dem wissen von mathematik, geodäsie und kartographie setzte sich in der renaissance eine perspektivische darstellung durch. doch man malt natürliche sujets bald wieder in ihrer wildheit und irgendwann gegen die klassischen regeln.

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subversiv mit jade und marmor (2014)

aufrührerisch ketzerische bücher und nachhaltig provozierende ausstellungen sind vielleicht nur in einer diktatur oder einer gesellschaft mit strengen zensur-vorschriften zu finden. hier nimmt man die kunst ernst und zwingt sie zu deutlichen zweideutigkeiten. so in China seit einigen jahren, wo schriftsteller und bildende künstler mit kritischen arbeiten nicht bloss zensiert, sondern auch zu langjährigen haftstrafen verurteilt werden.

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die ökonomie der ästhetik (2014)

obwohl das interesse an ausstellungen in galerien nachlässt, boomt der kunstmarkt. grosse auktionshäuser steigern wegen der weltweiten finanzkrise ihre umsätze rasant. denn aus angst vor einer anhaltenden rezession und inflation werden verstärkt anlagensichere bilder und plastiken erworben. die zeiten, als nur der vermögende bildungsbürger sammelte, sind vorbei. inzwischen kaufen anonym junge milliardäre und geldwäscher aus China, Russland oder den arabischen ländern populär hochkarätiges.

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der gute oder richtige geschmack (2013)

nichts ist sicher, und nicht einmal das ist sicher. man lebt als individuum in keiner intimen privatsphäre mehr. mails, handy-daten und der gesamte internetverkehr werden permanent mitgelesen und unverwechselbar verortet. die grossen geheimdienste und medienunternehmen sind dank der digitalen vernetzung omnipotent präsent und sammeln mit einer immer ausgetüftelteren software alle greifbaren informationen, um profile über die vorlieben sowie lebensweisen von kommunizierenden individuen zu erstellen.

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mehr mut zur genmanipulation (2013)

künstler dürfen fast alles, obwohl sie oft nicht wissen, was dieses alles sein könnte. oder sie wissen es, wollen diese macht aber nicht für sich beanspruchen, da sie gefahr laufen, als blosse provokateure unter den generalverdacht einer anmassung zu fallen. man traut der bildenden kunst in einer zeit der permanenten inszenierung von sensationen kaum noch eine fundierte radikalität zu. das grundgesetz jedoch garantiert die freiheit der kunst als ein fast unbeschränkt gewährtes grundrecht.

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optimierung als trend (2012)

es gibt einen neuen trend in der bildenen kunst, der ein trend zum perfektionismus ist. eine generation von künstlern arbeitet sich fleissig an den ideen des minimalismus, der arte povera, des action-painting und besonders ausgiebig am abstrakten expressionismus ab. mit handwerklichem können wird in gängigen formaten perfektioniert, was als stil keiner legitimation mehr bedarf.

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innovationen messen (2012)

gibt es vergleichbare kriterien für originäre leistungen in der bildenden kunst? oder anders gefragt: kann man ästhetische innovationen in einer zeit des geschichtslosen anything goes noch tatsächlich ermitteln und damit in ein wertendes verhältnis setzen? die frage hat ihre berechtigung, da einerseits das diktum des originellen in der kunst weiterhin besteht, aber anderseits nach den grossen avantgarde-bewegungen möglichkeiten der neuausrichtung stilistisch ausgereizt scheinen.

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ein perfektionierender epigone (2012)

mein berühmter namensverwandter ist 80 geworden und stellt jetzt wieder in berlin aus. rund 130 bilder sowie fünf skulpturen aus allen schaffensperioden sind in der neuen und alten nationalgalerie zu sehen und es gibt kaum ein nachrichtenmedium, das diese schau ignoriert.

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die kunst retten II (2011)

die kunst toppen, weil immer noch was geht? oder bloss stellen und das bloss-stellen toppen und dann poppen bzw. umgekehrt?

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es gibt keine originale mehr (2011)

noch nie war es so einfach, am eigenen rechner inhalte zu kopieren, zu adaptieren und erneut zu veröffentlichen. mit der zunehmenden digitalisierung von kulturgütern kann im internet per mouse-click fast jedes dokument verlustfrei und unbeobachtet entwendet werden. trotzdem ist der raum des vernetzt multimedialen mit seiner anarchistischen struktur kein rechtsfreier raum. auch hier gilt formal das urheberrecht.

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visualisierung als phänotyp (2010)

es wird grafisch und multimedial veranschaulicht, was sich dank neuer programmierungen veranschaulichen lässt. immobilienmakler bieten im internet einen virtuellen 3d-besuch ihrer kaufobjekte an, statistiker verdeutlichen mit phantasievollen grafiken komplizierte zusammenhänge und ökonomen können aus jedem trockenen zahlenmaterial inzwischen brillante prognosen zaubern.

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der fotograf als modellbauer (2010)

die alten griechen kannten nur wörter für das bejahen und verneinen. das latein war wohl die erste sprache, die neben affirmo und nego noch die beiden komplementären begriffe simulo und dissimulo anbot. seitdem ist es möglich, etwas zu behaupten, was faktisch nicht vorliegt, und ebenso etwas zu verneinen, was tatsächlich gegeben ist.

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das gespenst der einzigartigkeit (2010)

ein gespenst geht um in der kunst. es ist das gespenst der subjektiven selbstentäusserung. als kreatives genie, als authentische befindlichkeit, als künstlerstar oder einfach nur als profanes urheberrecht geistert es durch die geschichte der menschlichen kultur. die autarkie und exklusivität von meisterwerken wird mit ihm indiziert und als wesenseigen beschworen.

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generative erfolge (2009)

der erfolg der programmatik, der formalen anweisung, der dynamischen permutation, des pseudo-zufalls...

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kunst am bau II (2009)

mit der kunst am bau kann man richtig viel geld verdienen. es werden zumeist ein bis zwei prozent der bausumme für projekte grosszügig bereitgestellt, so dass bei einer auftragsvergabe der lebensunterhalt für eine längere zeit gesichert ist. wenn der kulturetat überall gekürzt wird, bieten sich in diesem bereich also nicht zu verachtende, weil weiterhin gut dotierte aufträge an.

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die analogisierung des digitalen (2009)

das digital virtuelle wird zu einem motiv in der analogen malerei. während es bisher konzept- und medienkünstlern vorbehalten war, sich mit derartigen potentialen konkret und kompetent auseinanderzusetzen, entdecken nun zunehmend vollblutmaler die neue medienwelt.

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künstliche interventionen (2008)

als aussenseiter mit einer provokation in einer erfolgreich operierenden galerie zu landen, ist nicht einfach. wer recht kühn ist, kann es jedoch schaffen. vielleicht als ein epigone von Andr√© Cadere, der einst verwegen mit eingeschmuggelten objekten vorgeführt hat, dass man sie ungebeten einfach in ausstellungen herumführen und abstellen kann.

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high density (2008)

die welt wird nicht grösser, sondern dichter, komplexer und somit immer enger. während die erdbevölkerung zunächst jahrtausende gebraucht hat, um sich zu verdoppeln, beschleunigt sich ihr zuwachs seit dem 20. jahrhundert mit einer ungebremsten dynamik stetig und vor allen in den städten.

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die kunst retten (2008)

dieser stete zuwachs an galerien, museen, ausstellungen, auktionen, festivals, biennalen, kunstmessen, vernissagen, finissagen, katalogen, portfolios, förderungen, sammlungen, stiftungen, meuseum-shops...

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die illusion der partizipation (2007)

ohne den betrachter geht in der bildenden kunst überhaupt nichts. sie ist erst relevant, wenn sie einen interessenten als gegenüber hat, der verweilend seine eindrücke zu fassen sucht und sich ein urteil bildet. in der digitalen medienkunst soll das publikum auch interaktiv, d.h. als akteur sofort reagieren.

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das symptom Neo Rauch (2007)

der maler Neo Rauch ist ein phänomen, an dem man in dieser zeit im feuilleton nicht vorbeikommt. mit ihm wird das comeback einer deutschen figurativen malerei gefeiert, die nach dem ende des kalten krieges wieder kunsttraditionen aus ost und west vereinen soll. die kunstkritiker feiern einen neuen malerstar und viele kuratoren bemühen sich um seine präsenz in gross angelegten ausstellungen.

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der fall zufall (2007)

die freiheit der kontingenz ist in der generativen ästhetik eine wette auf eine unerwartete, eine überraschende innovation. eine formale innovation, die ohne intention und ohne erkennbaren grund einem einfach zu-fällt. ad hoc und nicht vorhersehbar, so dass man eher an einen zufallsfund als an ein auszulösendes resultat resultat glaubt.

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masslose obsessionen (2006)

ein angesagter künstler muss ein wenig verrückt oder wenigstens verschroben sein. und je absurder oder ungereimter er sich dann in szene setzt, desto offensichtlicher verkörpert er ein alleinstellungsmerkmal. Jonathan Meese zum beispiel versteht solches ausgezeichnet und das publikum findet es toll.

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die grenzen der kunst (2006)

es fällt inzwischen schwer, die kunst vom design oder artefakten der werbung abzugrenzen. seit sich ambivalent erweiterte begriffe für ästhetische prozesse etabliert haben, liegen keine scharfen kategorien mehr vor. jedes objekt, jede formale erfindung und jede tätigkeit kann zu einem renzensionswürdigen werk werden.

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enter the hyperspace (2006)

ein 4dimensionaler würfel setzt einen raum voraus, der durch vier koordinatenachsen konstituiert wird. einen körper in solch einem raum kann man nicht als eine reale gegebenheit wahrnehmen, sondern nur als ein mathematisches konstrukt akzeptieren, das gesetzt, erdacht und als ein reines gedankengebilde hervorgebracht wird.

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wenn computer denken (2005)

als Joseph Weizenbaum, der vehemente kritiker der künstlichen intelligenz, in den 1960er jahren mit seinem ELIZA-programm einen der ersten funktionierenden gesprächsautomaten der öffentlichkeit vorstellte, war er verblüfft, wie schnell seine mitmenschen zu informationsverarbeitenden maschinen mutierten.

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dienstleistung als zeitgeist (2005)

die kunst will keine elitär abgehobene mehr sein, sondern vor einem breiten publikum bestehen. vorbei sind die zeiten, in denen kreative visionäre behaupten konnten, sie hätten wie Hegels Weltgeist einen hebel, um als avantgarde eine soziale veränderung anzukicken. es ist müssig geworden, kritisch themen aufzugreifen, um sie diskursiv durchzusetzen.

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das knappe gut aufmerksamkeit (2005)

wenn angebote die möglichkeiten der nachfrage übersteigen, wird der kampf um die aufmerksamkeit massloser. es wächst der bedarf an erfolgreichen strategien, mit denen sich konkurierrende angebote durchsetzen müssen. um eine stete steigerung bei der öffentlichen wahrnehmung zu erreichen, sind bei einem entsprechenden werbe-etat alle medialen, anthropologischen und sozialen potentiale immer wieder auszureizen.

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manifest des digitalen hyperrealismus (2004)

die soziale kommunikation wird in den neuen medien vermehrt durch ein diskretes operieren mit sehr detailliert indizierten informationen designt und gesteuert. mit jenem digitalem überbau verschmilzt in einer wissensgesellschaft das darüber hinaus wahrgenommene und vorstellbare zu einem kaum noch überschaubaren ganzen, in dem sich sein und schein, wirklichkeit und virtualität immer mehr vermischen.

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der code ist alles, was struktur ist (2004)

der code ist alles, was für eine software die welt ist. ein code wird durch virtuelle strukturen bestimmt und nicht durch symbolische sachverhalte oder fiktionale erwartungen. einzig die gesamtheit aller möglichen strukturen legt fest, was der strukturbare fall ist und was sich auf nichts als sich selbst beziehen kann.

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das ungenügen der kritik (2004)

im feuilleton werden kaum noch emphatischen kritiken abgedruckt. es sind nur noch wohlwollende rezensionen zu finden, welche unverbindlich und inflationär highlights anpreisen. kritisch rezensiert wird höchst selten, da redaktionen keine flops vorstellen und niemanden mit einem überfordernden anspruchsdenken vor den kopf stossen wollen.

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die unterhaltung der langeweile (2003)

seit der erfindung des video-rekorders ärgert man sich nicht mehr über langweilige filme. man drückt einfach in der hoffnung auf eine dramaturgische wende den schnellen vorlauf oder entscheidet sich für eine andere kassette. noch einfacher ist es beim fernsehen, wo sich mit der fernbedienung bei der vielfalt an vorliegenden sendern schnell ein wechsel in ein anderes szenario herbeizappen lässt.

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das ende als anspruch (2003)

fast täglich kann irgendwo eine ausserordentliche vernissage und jeden monat eine exklusive blockbuster-ausstellung von den üblichen verdächtigen besucht werden. das gegenwärtige angebot im feuilleton-programm verspricht wichtiges in schier unübersehbarer vielfalt. wer trotzdem zuhause bleibt, hat aber nicht unbedingt das gefühl, wesentliche höhepunkte zu verpassen.

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dynamisches archivieren (2003)

mit der egalisierung des computers und seiner massenhaften vernetzung werden digitale bilder omnipräsenter. sie kursieren einmal gescannt oder von der kamera direkt eingespeist inzwischen als eine riesige datenflut von bildschirm zu bildschirm, werden kopiert und manipuliert, aber selten noch durch einen drucker oder plotter in eine beständige form gebracht.

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das wuchern der systeme (2002)

man muss von etwas einfachem ausgehen, von etwas ganz elementarem, damit es voller und voller, dichter und dichter wird. man muss so lange beginnen, bis eine komplexität erreicht wird, die nicht mehr zu stoppen ist. so können sich in einem kalkulierbaren setting vielleicht bilder generieren, in denen es keine endgültigen ordnungen gibt...

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kunst am bau (2002)

die zahl von urbanen kunstwerken hat inzwischen in manchen städten unübersehbare dimensionen angenommen. in Hamburg sind es über 400 dokumentierte arbeiten und in Frankfurt am Main ungefähr 350. von ihnen sind schätzungsweise mindestens die hälfte der förderung von bund, ländern und gemeinden zu verdanken. wenn es so weitergeht, wird irgendwann kein öffentliches bauwerk und keine zwischenzone ohne ästhetische aufwertung bleiben.

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den fake faken (2002)

die bildende kunst ist eine illusion, und sie kann überhaupt nichts anderes sein, wo ihre formale wahrheit immanent dem schein verpflichtet bleibt. wenn der mensch seit jeher versucht, sich mit weltbildern und apparaten die ihm umgebende wirklichkeit anschaulich zu erschliessen, bleibt er bei seiner ästhetischen betrachtung auf eine komplementäre reflexion angewiesen.

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architektur als cyberspacing (2001)

die landkarten unserer physischen verfasstheit müssen neu erstellt werden, da nicht mehr die geografische distanz, sondern die erreichbarkeit das kriterium für urbane orientierungen ist. wo sich entfernungen dank beschleunigter und preisgünstiger verkehrsmittel verkürzen, verändert sich spürbar unser lebensumfeld.

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der eigentliche raum (2001)

wenn architektur als freie kunst sich entwirft, darf sie vorgaben der repräsentation und ökonomische pragmatiken ignorieren. sie ist dann in der lage, ansprüche umzudeuten und in einen utopischen kontext zu stellen. oder sie verzichtet gänzlich auf eine reale umsetzung und beschwört luftschlösser herauf.

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aller anfang ist medienkunst (2001)

mit dem inzwischen gängigen label Medienkunst hat sich im kulturbetrieb ein gattungsbegriff eingebürgert, der bei näherer betrachtung viele fragen aufwirft und selten eine genaue zuordnung ermöglicht. er stellt als pleonasmus eine eigenartige tautologie her, da er das immanente verhältnis von medium und kunst diskursiv verdoppelt.

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originäre reproduktionen (2000)

einen echten Vasarely konnte man eine zeitlang in einem kaufhaus erwerben. es waren editionen von zweifelhaftem wert, weil sie als massenproduktion und wahrscheinlich von fremder hand signiert angeboten wurden. eine stiftung, die ein eigenes museum und manch anderes forciert hatte, wollte damit hochfahrende pläne finanzieren.

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wie relativ ist kunst heute? (2000)

glauben Sie, dass Künstler mit ihren Arbeiten wirklich etwas zu sagen haben, allen nur etwas vormachen, sich in erster Linie eine Karriere aufbauen oder nur verwirren wollen? und ist für Sie die Berühmtheit eines heute arbeitenden Künstlers ein realer Indikator von Ausstrahlung, eine öffentliche Einbildung, eine Medienkonstruktion oder eine Mode-Erscheinung?

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poetische maschinen (2000)

maschinen sind keine drögen angelegenheiten. wo sie präzis und ausdauernd arbeiten, kann ihre produktion radikal und unvorhersehbar komplex sein. deshalb versteht es sich von selbst, dass sie seit langem erfolgreich in der kunst eingesetzt werden. ihre intentionslosigkeit garantiert neue ansätze und unverhoffte interferenzen, die dazu anregen, den prozess des schöpferischen unter anderen perspektiven zu betrachten.

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erhabene kalküle (1999)

wo algorithmen für die kunstproduktion eingesetzt werden, stellt sich die frage, ob das imaginär ästhetische berechenbar und mit logischen operationen simulierbar sein kann. im allgemeinen steht die bildende kunst für das affektiv emotionale oder sogar für eine unkontrollierte sinnlichkeit. doch ihr aufbau basiert immer auch auf formalen relationen und kompositorischen prinzipien...

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der fehler im system (1999)

was bei einem wilden ausprobieren missglückt, ist mitunter interessanter als das routiniert gelungene. wo viel gewagt wird, um wieder viel zu verwerfen, ergeben sich immer wege für weitere experimente, die irgendwann vorzeigbares abwerfen. in der kunstgeschichte gelang es häufig aussenseitern, mit einem langwierigen elaborieren zu neuen ansätzen zu kommen.

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die öffentlichkeit des raumes (1999)

die stadt wird durch den öffentlichen raum bestimmt, da ohne einen öffentlichen raum eine stadt nicht bestehen kann. geprägt durch seine architektonische ausformung verkörpert der öffentliche raum seine eigene geschichte und ist somit ein signifikantes element in der gesellschaftlichen entwicklung.

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die kunst der instruktion (1998)

bilder lassen sich nicht exakt beschreiben, aber diskret analysieren und als syntax beliebig oft mit kilo- bzw. megabytes duplizieren. dafür gibt es einfach zu bedienende geräte. man scannt oder fotografiert etwas digital, speichert es als datei-format komprimiert ab und kann es jederzeit ausdrucken bzw. auf eine wand projizieren.

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das unbegreifliche bedenken (1998)

kann kunst das unbegreifliche, das kaum vorstellbare in eine fassbare form bringen? wenn es um mahnmale geht, wird ihr solches häufig vorbehaltlos abverlangt. fehlt es der politischen agenda an nachhaltig überzeugenden worten, sollen bildende künstler für das erinnern ein bedeutungsvolles gedenken stiften.

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netart in situ (1998)

in einer zeit der übereilten bewahrung landet die bildende kunst schneller als bisher in einem museum. dieser ort ist nicht ihre eigentliche bestimmung, allerdings zunehmend der tatsächliche sowie angestrebte platz, weil er eine sichere aufbewahrung und eine öffentlichen sanktionierung garantiert.

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das prosperieren der avantgarden (1997)

wo die kunst als avantgarde auftritt, ist sie eine selbstbewusst eigenwillige ermächtigung. ihr mythos ist die vorstellung, eine umwälzende innovation zu sein, die sich auf nichts anderes als die eigenen intentionen bezieht, also jede art von tradition und verbindenden kanon ablehnen kann.

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synästhesie und multimedia (1997)

zusammengesetzt wird, was sich zusammensetzen und miteinander arrangieren lässt. bild trifft auf ton und animiert sich mit text permanent, um in medialen kanälen synästhetisch viele sinne anzusprechen. dies nennt man seit einiger zeit Multimedia und es hat sich inzwischen dank apparativer machbarkeit als gängiger begriff durchgesetzt.

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Lingua Trium Insignium (1996)

das LTI, das ILT, das LIT, das ITL, das TIL und das TLI. ein satz, der sich nur aus den buchstaben L, T und I zusammensetzt. ein satz, der mit drei zeichen operiert und sechs wort-kombinationen hervorbringt. syntaktische permutationen sind unheimliche angelegenheiten. sie werden nicht für den privaten hausgebrauch und auch nicht für öffentliche statements formuliert.  

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das konkrete prinzip (1996)

die Konkrete Kunst hat das konkrete zu einem allgemeinen stilmittel erklärt. abgeleitet sowie abgegrenzt wird es von der abstraktion, um eine auf rein mathematisch-geometrischen verfahren beruhende bildproduktion zu entfalten. sie darf nicht von dem vorhandenen einer greifbaren wirklichkeit ausgehen und keine gleichnishafte bedeutung zulassen.

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die absence des werkes(1995)

im emphatischen sinne ist ein kunstwerk unantastbar. unerschütterlich steht es gerahmt oder gesockelt in einem museum und gleicht derart sanktioniert einer reliquie. es darf vielfältig interpretiert, aber nicht verändert oder grundsätzlich in frage gestellt werden. die kuratorisch abgesegnete kunst ist heilig, auch wenn für sie nicht wie in der literatur oder musik ein verbindlicher kanon vorgegeben ist.

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die realität des virtuellen (1995)

in virtuellen räumen ist nichts unmöglich, hier ist fast alles möglich und vieles anders, weil unvorstellbar wirklicher als in der habituell gelebten welt. das virtuelle ist die unbestimmte anhäufung und verknüpfung von optionen, welche als operationale zustände in binären prozessen vorliegen.

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minimal als neue moral (1994)

es muss reduziert werden, was sich reduzieren lässt. so wird vielleicht die einfache form zu etwas neuem oder zumindest eine fundamentale geste, die sich von einer allzu ausdrucksvollen und gefühlsbetonten kunst distanziert. in den frühen 1960er jahren haben sich derart minimalistische ambitionen von einem Abstrakten Expressionismus und der Pop Art absetzen können...

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enge der imagination (1994)

auf rot folgt blau, auf blau grün und dann wieder rot und blau. denn es gilt, wo rot ist, kann nicht grün oder blau sein. und wo grün ist, nicht rot oder blau. wer ein bild betrachtet, hat sich an farben und ihren bezügen zu orientieren.

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anything goes art (1994)

wenn unterschiedliche stile aufeinandertreffen und die grenzen zwischen kitsch und hochkultur sich auflösen, passt vieles zueinander und ist nichts unpassendes auszuschliessen. alles scheint erlaubt zu sein, wo mit dem schlagwort "anything goes" die kunst sich frei von traditionellen bindungen positioniert und utopischen perspektiven nivelliert.

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© frank richter