das konservieren der entropie (2016)

was wird übrigbleiben von der kunst, die seit jahren eine überhitzte und orientierungslose ist? manches heute hoch gehandelte bleibt wohl ein profanes zeitdokument und allzu weniges wird eine andauernde geltung beanspruchen. die Biennale in Venedig hat im vergangenen jahr, kuratiert von Okwui Enwezor, eine vergeblichkeit vorgeführt, die nicht nur nachdenklich, sondern auch traurig stimmt.

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kunst als politische schönheit (2015)

wie politisch und wie moralisch darf kunst sein? es gab eine zeit, da glaubte man, sie könne einen nachhaltigen einfluss auf die gesellschaft ausüben, wenn sie einfach sensibilisiere oder dramatisch über missstände informiere. seit langem darf sie es nicht mehr so offensichtlich, will sie sich nicht den vorwurf gefallen lassen, plakativ oder suggestiv zu agitieren.

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das dilemma der kunstvermittlung (2015)

was ausstellungen alles zu leisten haben. sie sollen sensibilisieren, zur reflexion anregen, identitäten stiften und auch ein wenig politische aufklärung sein. doch können sie das wirklich, wenn vornehmlich die kurzweilige unterhaltung und zerstreuung gesucht werden? und ist es überhaupt anstrebenswert, dass besucher durch eine angeschaute kunst eine dezidierte bereicherung erfahren und bei einer didaktischen aufbereitung dann noch die gleiche?

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post internet art (2015)

emanzipatorische ideale und soziale utopien sind im cyberspace mittlerweile obsolet. in einer omnimedialen gesellschaft verkommt das progressiv visionäre zu etwas nostalgischem. der anspruch eines subkulturell basisdemokratischen möglichkeitsraumes, den eine netzkunst einst mit provozierenden interventionen und interaktiven ansätzen ästhetisch auslotete, wird kaum noch mit webseiten und codes behauptet. weiterlesen...

die natur der artifiziellen welt (2014)

seit jeher ist die malerei von der natur herausgefordert, sie in bildnissen symbolisch oder wirklichkeitsnah festzuhalten. bei den griechen war es das rechte mass, das eine mimesis bestimmte. mit dem wissen von mathematik, geodäsie und kartographie setzte sich in der renaissance eine perspektivische darstellung durch. doch man malt natürliche sujets bald wieder in ihrer wildheit und irgendwann gegen die klassischen regeln.

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subversiv mit jade und marmor (2014)

aufrührerisch ketzerische bücher und nachhaltig provozierende ausstellungen sind vielleicht nur in einer diktatur oder einer gesellschaft mit strengen zensur-vorschriften zu finden. hier nimmt man die kunst ernst und zwingt sie zu deutlichen zweideutigkeiten. so in China seit einigen jahren, wo schriftsteller und bildende künstler mit kritischen arbeiten nicht bloss zensiert, sondern auch zu langjährigen haftstrafen verurteilt werden.

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die ökonomie der ästhetik (2014)

obwohl das interesse an ausstellungen in galerien nachlässt, boomt der kunstmarkt. grosse auktionshäuser steigern wegen der weltweiten finanzkrise ihre umsätze rasant. denn aus angst vor einer anhaltenden rezession und inflation werden verstärkt anlagensichere bilder und plastiken erworben. die zeiten, als nur der vermögende bildungsbürger sammelte, sind vorbei. inzwischen kaufen anonym junge milliardäre und geldwäscher aus China, Russland oder den arabischen ländern populär hochkarätiges.

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der gute oder richtige geschmack (2013)

nichts ist sicher, und nicht einmal das ist sicher. man lebt als individuum in keiner intimen privatsphäre mehr. mails, handy-daten und der gesamte internetverkehr werden permanent mitgelesen und unverwechselbar verortet. die grossen geheimdienste und medienunternehmen sind dank der digitalen vernetzung omnipotent präsent und sammeln mit einer immer ausgetüftelteren software alle greifbaren informationen, um profile über die vorlieben sowie lebensweisen von kommunizierenden individuen zu erstellen.

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mehr mut zur genmanipulation (2013)

künstler dürfen fast alles, obwohl sie oft nicht wissen, was dieses alles sein könnte. oder sie wissen es, wollen diese macht aber nicht für sich beanspruchen, da sie gefahr laufen, als blosse provokateure unter den generalverdacht einer anmassung zu fallen. man traut der bildenden kunst in einer zeit der permanenten inszenierung von sensationen kaum noch eine fundierte radikalität zu. das grundgesetz jedoch garantiert die freiheit der kunst als ein fast unbeschränkt gewährtes grundrecht.

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innovationen messen (2012)

gibt es vergleichbare kriterien für originäre leistungen in der bildenden kunst? oder anders gefragt: kann man ästhetische innovationen in einer zeit des geschichtslosen anything goes noch tatsächlich ermitteln und damit in ein wertendes verhältnis setzen? die frage hat ihre berechtigung, da einerseits das diktum des originellen in der kunst weiterhin besteht, aber anderseits nach den grossen avantgarde-bewegungen möglichkeiten der neuausrichtung stilistisch ausgereizt scheinen.

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ein perfektionierender epigone (2012)

mein berühmter namensverwandter ist 80 geworden und stellt jetzt wieder in berlin aus. rund 130 bilder sowie fünf skulpturen aus allen schaffensperioden sind in der neuen und alten nationalgalerie zu sehen und es gibt kaum ein nachrichtenmedium, das diese schau ignoriert.

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die kunst retten II (2011)

die kunst toppen, weil immer noch was geht? oder bloss stellen und das bloss-stellen toppen und dann poppen bzw. umgekehrt?

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es gibt keine originale mehr (2011)

noch nie war es so einfach, am eigenen rechner inhalte zu kopieren, zu adaptieren und erneut zu veröffentlichen. mit der zunehmenden digitalisierung von kulturgütern kann im internet per mouse-click fast jedes dokument verlustfrei und unbeobachtet entwendet werden. trotzdem ist der raum des vernetzt multimedialen mit seiner anarchistischen struktur kein rechtsfreier raum. auch hier gilt formal das urheberrecht.

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visualisierung als phänotyp (2010)

es wird grafisch und multimedial veranschaulicht, was sich dank neuer programmierungen veranschaulichen lässt. immobilienmakler bieten im internet einen virtuellen 3d-besuch ihrer kaufobjekte an, statistiker verdeutlichen mit stetig phantasievolleren grafiken komplizierte zusammenhänge und ökonomen können aus jedem trockenen zahlenmaterial nette prognosen zaubern.

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der fotograf als modellbauer (2010)

die alten griechen kannten nur wörter für das bejahen und verneinen. das latein war wohl die erste sprache, die neben affirmo und nego noch die beiden komplementären begriffe simulo und dissimulo anbot. seitdem ist es möglich, etwas zu behaupten, was faktisch nicht vorliegt, und ebenso etwas zu verneinen, was tatsächlich gegeben ist. doch richtig simulieren, also auch ausserhalb der sprachlichen artikulation, können die menschen erst, seitdem sie ihre lebensumwelt über elektronische medien nachbilden.

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das gespenst der einzigartigkeit (2010)

ein gespenst geht um in der kunst. es ist das gespenst der subjektiven selbstentäusserung. als kreatives genie, als authentische befindlichkeit, als künstlerstar oder einfach nur als profanes urheberrecht geistert es durch die geschichte der menschlichen kultur. die autarkie und exklusivität von meisterwerken wird mit ihm indiziert und als wesenseigen beschworen.

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generative erfolge (2009)

der erfolg der programmatik, der formalen anweisung, der dynamischen permutation, des pseudo-zufalls...

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kunst am bau II (2009)

mit der kunst am bau kann man richtig geld verdienen. es werden zumeist ein bis zwei prozent der bausumme grosszügig bereitgestellt, so dass bei einer auftragsvergabe der lebensunterhalt für mehr als ein jahr gesichert ist. wenn der kulturetat überall gekürzt wird, bieten sich in diesem bereich also nicht zu verachtende, weil gut honorierte aufträge an.

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die analogisierung des digitalen (2009)

das virtuelle der digitalen welt wird zunehmend zu einem motiv in der analogen malerei. während es bisher konzept- und medienkünstlern vorbehalten war, sich mit derartigen artefakten konkret und selbstkompetent auseinanderzusetzen, entdecken nun immer mehr vollblutmaler diese domäne.

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künstliche interventionen (2008)

als aussenseiter mit einer provokation in einer erfolgreich operierenden galerie zu landen, ist nicht einfach. wer recht kühn ist, kann es jedoch schaffen. vielleicht als ein epigone von Andr√© Cadere, der es einst ziemlich verwegen vorgeführt hat. seine interventionen stiessen zunächst auf unverständnis und zuweilen verärgerung, doch in ihrer beharrlichkeit überzeugten sie irgendwann das publikum und später den kunstmarkt.

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high density (2008)

die welt wird nicht grösser, sondern dichter, komplexer und somit enger. während die weltbevölkerung zunächst jahrtausende gebraucht hat, um sich zu verdoppeln, beschleunigt sich ihr zuwachs seit dem 20. jahrhundert mit einer ungebremsten dynamik stetig und weltweit. mittlerweile lebt mehr als die hälfte aller menschen in städten und besonders geballt auf kompakt angelegten räumen in mega-cities wie Lagos, Sao Paulo, Mexiko oder Tokyo.

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die kunst retten (2008)

dieser stete zuwachs an galerien, museen, ausstellungen, auktionen, festivals, biennalen, kunstmessen, vernissagen, finissagen, katalogen, portfolios, förderungen, sammlungen, stiftungen, meuseum-shops...

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die illusion der partizipation (2007)

ohne den betrachter geht in der bildenden kunst fast nichts. er adelt mit seiner aufmerksamkeit und anteilnahme die einzelne arbeit. sie ist erst relevant, wenn sie einen interessenten als gegenüber hat, der verweilend seine eindrücke zu fassen sucht und sich ein urteil bildet. in der digitalen medienkunst soll das publikum nach wie vor interaktiv, d.h. als akteur sofort reagieren.

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das symptom Neo Rauch (2007)

der maler Neo Rauch ist ein phänomen, an dem man in dieser zeit im feuilleton nicht vorbeikommt. mit ihm wird das comeback einer deutschen figurativen malerei gefeiert, die nach dem ende des kalten krieges wieder kunsttraditionen aus ost und west vereinen soll. die kunstkritiker feiern einen neuen malerstar und viele kuratoren bemühen sich um seine präsenz in gross angelegten ausstellungen. nach einem erfolgreichen auftritt in den USA stehen sogar die sammler schlange, um irgendwann ein bild zu bekommen, das noch nicht einmal gemalt wurde.

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der fall zufall (2007)

die freiheit der kontingenz ist in der generativen ästhetik eine wette auf eine unerwartete, eine überraschende innovation. eine formale innovation, die ohne intention und ohne erkennbaren grund einem einfach zu-fällt. ad hoc und nicht vorhersehbar, so dass man eher an einen zufallsfund als an ein auszulösendes resultat resultat glaubt.

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masslose obsessionen (2006)

ein angesagter künstler muss ein wenig verrückt oder wenigstens verschroben sein. je emotional dekadenter und spektakulärer er sich in szene setzt, desto offensichtlicher verkörpert er ein alleinstellungsmerkmal. Jonathan Meese zum beispiel versteht solches ausgezeichnet und das publikum findet es toll. es kann sich mit seinen zur schau gestellten regressionen leicht identifizieren bzw. sich davon selbstbewusst abgrenzen.

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enter the hyperspace (2006)

ein 4dimensionaler würfel setzt einen raum voraus, der durch vier koordinatenachsen konstituiert wird. einen körper in solch einem raum kann man nicht als eine reale gegebenheit wahrnehmen, sondern nur als ein mathematisches konstrukt akzeptieren, das gesetzt, erdacht und als ein reines gedankengebilde hervorgebracht wird.

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wenn computer denken (2005)

als Joseph Weizenbaum, der vehemente kritiker der künstlichen intelligenz, in den 1960er jahren mit seinem ELIZA-programm einen der ersten funktionierenden gesprächsautomaten der öffentlichkeit vorstellte, war er verblüfft, wie schnell seine mitmenschen zu informationsverarbeitenden maschinen mutierten.

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dienstleistung als zeitgeist (2005)

die kunst will keine elitär abgehobene mehr sein, sondern vor einem breiten publikum bestehen. vorbei sind die zeiten, in denen visionäre behaupten konnten, sie hätten wie Hegels Weltgeist einen hebel, um als avantgarde eine gesellschaftliche veränderung anzukicken. inmitten von multiplen modernen scheint es keine tragfähige perspektive mehr zu geben, die eine exklusive gegenöffentlichkeit gelten lässt.

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das knappe gut aufmerksamkeit (2005)

wenn angebote die möglichkeiten der nachfrage übersteigen, wird der kampf um die aufmerksamkeit massloser. es wächst der bedarf an erfolgreichen strategien, mit denen sich konkurierrende angebote prononciert durchsetzen. um eine stete steigerung bei der öffentlichen wahrnehmung zu erreichen, sind bei einem entsprechenden werbe-etat alle medialen, anthropologischen und sozialen potentiale zu nutzen und auszureizen.

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manifest des digitalen hyperrealismus (2004)

unsere kommunikation wird in den neuen medien vermehrt durch ein diskretes operieren mit bis ins detail indizierbaren informationen designt und gesteuert. das darüber hinaus wahrgenommene und vorstellbare verschmilzt mit diesem komplement zu einem kaum noch überschaubaren ganzen. in einem kybernetischen universum vermischen sich sein und schein, wirklichkeit und vorstellbare virtualität.

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der code ist alles, was struktur ist (2004)

der code ist alles, was für eine software die welt ist. ein code wird durch virtuelle strukturen bestimmt und nicht durch bestehende sachverhalte. was der strukturierbare fall ist, hängt von der gesamtheit aller möglichen strukturen ab, die sich auf nichts als sich selbst beziehen.

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das ungenügen der kritik (2004)

der kunst gehen im feuilleton die emphatischen kritiker aus. es sind hier nur noch wohlwollende besprechungen von ausstellungen zu finden, welche unverbindlich und inflationär highlights anpreisen. kritisch rezensiert wird höchst selten, da redaktionen keine flops vorstellen und niemanden mit einem überfordernden anspruchsdenken vor den kopf stossen wollen.

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die unterhaltung der langeweile (2003)

seit der erfindung des video-rekorders ärgert man sich nicht mehr über langweilige filme. man drückt einfach in der hoffnung auf eine dramaturgische wende den schnellen vorlauf oder entscheidet sich für eine andere kassette. noch einfacher ist es beim fernsehen, wo allerdings selten gute cineastische produktionen zu finden sind. doch mit der fernbedienung lässt sich wegen der vielfalt an sendern schnell ein wechsel in ein anderes szenario arrangieren.

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das ende als anspruch (2003)

fast täglich kann eine ausserordentliche vernissage und jeden monat eine exklusive blockbuster-ausstellung von den üblichen verdächtigen besucht werden. das gegenwärtige angebot im feuilleton-programm verspricht wichtiges in schier unübersehbarer vielfalt. wer trotzdem zuhause bleibt, hat aber nicht unbedingt das gefühl, wesentliche höhepunkte zu verpassen.

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digitales archivieren (2003)

mit der egalisierung des computers und seiner massenhaften vernetzung im internet werden digitale bilder omnipräsenter. sie kursieren einmal gescannt oder von der kamera direkt eingespeist inzwischen als eine riesige datenflut von bildschirm zu bildschirm, werden kopiert und manipuliert, aber selten noch durch einen drucker oder plotter in eine beständige form gebracht.

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das wuchern der systeme (2002)

man muss von etwas einfachem ausgehen, von etwas ganz elementarem, damit es voller und voller, dichter und dichter wird. man muss so lange beginnen, bis eine komplexität erreicht wird, die nicht mehr zu stoppen ist. so können sich mit kalkulierbar einfachen methoden bilder generieren, in denen es keine endgültigen ordnungen gibt und in denen ein steter fluss von unkontrollierbaren relationen eine permanente entwicklung perpetuiert.

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kunst am bau (2002)

die zahl von urbanen kunstwerken hat inzwischen in manchen städten unübersehbare dimensionen angenommen. in Hamburg sind es über 400 dokumentierte arbeiten und in Frankfurt am Main ungefähr 350. von ihnen sind schätzungsweise mindestens die hälfte der förderung von bund, ländern und gemeinden zu verdanken. wenn es so weitergeht, wird irgendwann kein öffentliches bauwerk und keine zwischenzone ohne ästhetische aufwertung bleiben.

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den fake faken (2002)

die bildende kunst ist eine illusion und kann überhaupt nichts anderes sein, solange ihre formale wahrheit nur dem schein verpflichtet bleibt. doch bereits Aristoteles sah ihr potential nicht in der perfekten imitation eines stoffes, sondern in einer vermittelnden und erregenden nachahmung. wenn der mensch seit jeher versucht, sich mit weltbildern und apparaten die ihm umgebende wirklichkeit anschaulich zu erschliessen, bleibt er bei der ästhetischen betrachtung auch auf eine komplementäre reflexion angewiesen.

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architektur als immobilie (2001)

alles wird schneller, dynamischer und kürzer. die landkarten unserer physischen verfasstheit müssen neu erstellt werden, denn nicht mehr die geografische distanz, sondern die erreichbarkeit ist heute das kriterium für urbane orientierungen. wo sich entfernungen dank beschleunigter und preisgünstiger verkehrsmittel verkürzen, modifiziert sich spürbar das lebensumfeld. das traditionelle verständnis von urbanität wird aber primär durch die neuen medientechnologien verändert. weiterlesen...

der eigentliche raum (2001)

wenn architektur als freie kunst sich artikuliert, stellt sie radikale fragen. sie darf vorgaben der repräsentation und ökonomischen pragmatik völlig ignorieren. somit ist sie in der lage, ansprüche umzudeuten und in einen neuen, utopischen kontext zu stellen. oder sie verzichtet gänzlich auf reale zwänge und beschwört luftschlösser herauf.

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aller anfang ist medienkunst (2001)

mit dem inzwischen gängigen label Medienkunst hat sich ein gattungsbegriff eingebürgert, der bei näherer betrachtung mehr fragen aufwirft, als dass er antworten für merkmale und referenzen anbietet. er stellt als pleonasmus eine eigenartige tautologie her, da er das immanente verhältnis von medium und kunst diskursiv verdoppelt.

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originäre reproduktionen (2000)

einen echten Vasarely konnte man eine zeitlang in einem kaufhaus erwerben. es waren editionen von zweifelhaftem wert, weil sie als massenproduktion und wahrscheinlich von fremder hand signiert angeboten wurden. eine stiftung, die ein eigenes museum und manch anderes forciert hatte, wollte damit hochfahrende pläne finanzieren. die diskussionen um die echtheit der verkauften werke markierten bald den anfang eines karriereendes. paradoxerweise war der kunstmarkt für den Op-Art-pionier Vasarely kaum wichtig.

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wie relativ ist kunst heute? (2000)

glauben Sie, dass Künstler mit ihren Arbeiten wirklich etwas zu sagen haben, allen nur etwas vormachen, sich in erster Linie eine Karriere aufbauen oder nur verwirren wollen? und ist für Sie die Berühmtheit eines heute arbeitenden Künstlers ein realer Indikator von Ausstrahlung, eine öffentliche Einbildung, eine Medienkonstruktion oder eine Mode-Erscheinung?

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poetische maschinen (2000)

maschinen sind keine drögen angelegenheiten. wo sie präzis und ausdauernd arbeiten, kann ihre produktion radikal und unvorhersehbar komplex ausfallen. deshalb versteht es sich von selbst, dass sie seit langem erfolgreich in der kunst eingesetzt werden. ihre intentionslosigkeit garantiert neue ansätze und unverhoffte interferenzen, die immer wieder dazu anregen, den prozess des schöpferischen unter anderen perspektiven zu betrachten.

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das erhabene kalkül (1999)

wo algorithmen für die kunstproduktion eingesetzt werden, stellt sich die frage, ob das imaginär ästhetische mit rationalen operationen kalkulierbar sein kann. im allgemeinen steht die kunst für das affektiv emotionale oder sogar für eine unkontrollierte sinnlichkeit. doch ihr formaler aufbau basiert auf zeichenhaften repräsentationen und strukturellen relationen. erst über semiotische referenzen lassen sich kunstwerke gestalten und verstehen.

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der fehler im system (1999)

was missglückt, ist mitunter interessanter als das routiniert gelungene. in der kunstgeschichte haben aussenseiter, die ungewöhnliches gewagt haben und in phasen sozialer umbrüche neue wege einschlugen, paradigmenwechsel eingeleitet. ihre innovationen sind freilich in ihrem umfeld kaum auf ein breites verständnis gestossen und wurden erst im nachhinein anerkannt.

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inter sedes - zwischen den städten (1999)

die stadt wird durch den öffentlichen raum bestimmt, da ohne einen öffentlichen raum eine stadt nicht dauerhaft bestehen kann. äusserlich definiert durch den grundriss, verkörpert der öffentliche raum seine eigene geschichte und ist somit ein signifikantes element in der gesellschaftlichen entwicklung.  

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die kunst der instruktion (1998)

bilder lassen sich nicht exakt beschreiben, aber diskret analysieren und mit der syntax von kilobytes beliebig oft duplizieren. dafür gibt es einfach zu bedienende geräte. man scannt oder fotografiert etwas digital, speichert es als datei-format komprimiert ab und kann es jederzeit ausdrucken bzw. auf eine wand projizieren. es geht aber auch ohne vorlagen.  

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das Holocaust-monument in Berlin (1998)

kann kunst das unbegreifliche, das kaum vorstellbare in eine fassbare form bringen? wenn es um mahnmale geht, wird ihr solches häufig abverlangt. fehlt es der politischen agenda an nachhaltig überzeugenden worten, sollen bildende künstler für das erinnern ein gedenken stiften. dabei werden perspektiven auf die geschichte verhandelt und für die zukunft manifestiert.

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netart in situ (1998)

in einer zeit der übereilten bewahrung landet die bildende kunst schneller als bisher in einem museum. dieser ort ist nicht ihre eigentliche bestimmung, jedoch zunehmend der tatsächliche sowie angestrebte, weil sichere raum einer aufbewahrung und öffentlichen sanktionierung. in einer institutionellen obhut werden ästhetische objekte zu offiziell anerkannten...

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synästhesie und multimedia (1997)

zusammengesetzt wird, was sich zusammensetzen und miteinander arrangieren lässt. text trifft auf bild und ton und animiert sich, um als synästhetisches experiment oder bunt unterhaltend aus medialen kanälen für viele sinne herauzufliessen. dies nennt man seit einigen jahren Multimedia und inzwischen hat es sich dank apparativer machbarkeit als gängiger begriff durchgesetzt.  

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Lingua Trium Insignium (1996)

das LTI, das ILT, das LIT, das ITL, das TIL und das TLI. ein satz, der sich nur aus den buchstaben L, T und I zusammensetzt. ein satz der mit drei zeichen operiert und sechs wort-kombinationen hervorbringt. syntaktische permutationen sind unheimliche angelegenheiten. sie werden nicht für den privaten hausgebrauch und auch nicht für die öffentlichkeit formuliert.  

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das konkrete prinzip (1996)

die Konkrete Kunst hat das konkrete zu einem allgemeinen stilmittel erklärt. abgeleitet sowie abgegrenzt wird es von der abstraktion, um eine auf rein mathematisch-geometrischen verfahren beruhende bildproduktion zu begründen. diese darf nicht von dem vorhandenen einer greifbaren wirklichkeit ausgehen und keine gleichnishafte bedeutung zulassen.

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offen für prozesse (1995)

im emphatischen sinne ist ein kunstwerk unantastbar. unerschütterlich steht es gerahmt oder gesockelt in einem museum und gleicht derart sanktioniert einer reliquie. es darf vielfältig interpretiert, aber nicht verändert oder grundsätzlich in frage gestellt werden. die kuratorisch abgesegnete kunst ist heilig, auch wenn für sie im gegensatz zum kanon der literatur oder musik kein verbindlicher kanon besteht.  

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die realität des virtuellen (1995)

in virtuellen räumen ist nichts unmöglich. in virtuellen realitäten ist fast alles möglich und vieles anders, weil unvorstellbar wirklicher als in der habituell gelebten welt. das virtuelle ist die unbestimmte anhäufung und verknüpfung von optionen in unendlich vielen freiheitsgraden.  

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minimal als neue moral (1994)

es muss reduziert werden, was sich reduzieren lässt. so wird vielleicht in der kunst die verdichtete form zu etwas neuem, das sich als fundamentale geste von gängigen strömungen distanziert. der Minimalismus hat sich in den frühen 1960er jahren auf diese weise von einem dominierenden Abstrakten Expressionismus und der ausufernden Pop Art absetzen können.

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enge der imagination (1994)

auf rot folgt blau, auf blau grün und dann wieder rot und blau. denn es gilt, wo rot ist, kann nicht grün oder blau sein. und wo grün ist, nicht rot oder blau. wer ein bild betrachtet, hat sich zunächst einmal an farben und deren verteilungen zu orientieren.

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anything goes art (1994)

die kunstgeschichte garantiert nicht mehr, dass nicht alles gleichzeitig geschieht. wo unterschiedliche stile oder die grenzen zwischen kitsch und kunst sich vermischen, passt vieles scheinbar zueinander und ist nichts unpassendes auszuschliessen. seitdem mit dem schlagwort "anything goes" die abgehobenheit der hochkultur ausgehebelt wird, positioniert sich die kunst freier und ungebührlicher.

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© frank richter