akute zeiten


eine spurensuche als petitio principii

wer zu früh aufsteht, darf nicht zaudern. als der frühe wurm muss er seinen vogel finden.

 
nach jahren wieder eine orang-utan-eröffnung gewagt. es geht doch noch, das destruktive schachspielen.

 
für individuelle ansprüche gibt esjetzt mehr niedergelassene therapeuten. das leben in einer wohlstandsgesellschaft ist schwer zu bewältigen.

 
weil zu viele menschen älter und einsamer werden, sind auch immer mehr demenzkranke zu betreuen.

 
klug ist es, kühn zu behaupten: ich bin ein loser, dieweil andere in falscher bescheidenheit das gegenteil sein wollen. ein kluger mensch lässt sich gern bedauern.

 
bei einem fussball-transfer zwischen mega-vereinen werden inzwischen über 100 millionen euro gezahlt.
so viel ist heute geld wert.

 
Gogols letzte worte: eine leiter, rasch eine leiter!

 
manche menschen sind so vornehm, dass man ihnen alles und sogar ihren reichtum verzeiht.

 
bei bekannten namen meine andauernden verwechslungen, die freie assoziationen sind. was man alles relativieren muss und was man alles relativieren kann.

 
reiche prominente wollen in der medienwelt nicht öffentlich gefunden werden. sie stellen lösch-anträge bei der grössten internationalen suchmaschine.

 
tiefliegende haufenwolken stauen sich über der abendlichen stadt, so drückend drohend und die u-bahnen sind voll wie sonst nie an einem verregneten novembersonntag. es ist totensonntag.

 
zeitgenössische künstler werden immens teurer. auktionen im nächsten jahr könnten die 200 millionen-dollarmarke für ein bild knacken. selbst die so populär gehandelten sind über diese inflation erstaunt.

 
die feinen unterschiede: ein Picasso als poster ist peinlich, das original besitzen dagegen reichlich nobel.

 
mein jüngster sohn möchte jetzt künstler werden. er will wie sein vater auch unter der woche ausschlafen können.

 
aprilkälte im november.
wenn schlechtes zu vermelden ist, sind nachrichtensprecher im fernsehen blass geschminkt.

 
das verhängnisvollste, was der mensch bisher erfunden hat, sind seine heilserwartungen. durch sie werden fortwährend selbstmord-attentäter motiviert und fanatische bürgerkriege alimentiert.

 
dass die sonne in fünf milliarden jahren als roter riese die erde schlucken wird, ist gewiss. wie lange es die menschliche hybris geben wird, indes völlig unklar.

 
Japan will seinen überzogenen stromverbrauch weiterhin mit atomkraft absichern, obwohl die meisten AKWs in potentiellen erdbebengebieten liegen.
der letzte GAU liegt bereits zwei jahre zurück.

 
der untergang der dinosaurier ist keine warnung mehr. das aussterben der reptilen giganten wird mit einer kosmischen katastrophe erklärt.

 
man ist an nüchternen stammtischen nicht mehr originell, man ist banal nonkonform.
wohin kann man sich noch zurückziehen? in ein pervertiertes nichts? oder besser in ein gar nichts?

 
der absatz der deutschen brauereien schrumpft. immer mehr menschen trinken immer weniger bier.

 
nasse blätter fallen nun schneller von den gelahrten bäumen.
also herbstlich.

 
weil die winter zu mild ausfallen, vermehren sich die zecken in den wäldern, aber die maikäfer auf den wiesen nicht. sie sind eher im naturkundemuseum zu finden. bald hat man dort alle seltenen tiere ausgestopft und multimedial archiviert.

 
alles hängt mit allem zusammen, auch wenn es lediglich eine bedeutungslosigkeit ist, die sozial verbindet.
vielleicht gibt es irgendwann mal eine gesellschaft, die keine gesellschaft mehr braucht.

 
man sollte mal das vorab aufschreiben, was man in der zukunft denken wird. es könnte sein, dass einem dann nichts mehr einfällt.

 
sehnenscheidenentzündung. die hände verkrampfen, wenn sie bloss mit sich selbst beschäftigt sind.

 
das rascheln der fallenden blätter in der nacht. und danach intonationen von letzten kastanien.

 
in der stadtbibliothek leiht man mehr fantasy-romane aus und immer weniger gedichte. aussortierte klassiker werden für spenden im foyer verramscht.