kälteverlust


ein anhaltendes selbstgespräch

die hohen frequenzen im radio werden seltener, aber umso besser empfangen.
wie hoch daherkommende sätze.

 
zu viele nachrichten, welche rund um die uhr mit temporären bekenntnissen in den äther gehen. ihre sprecher tragen sie mit einer dürftigkeit vor, um die zeit aktuell zu vergegenwärtigen.

 
das meisten verkündigungen sind bei einer schwindenden aufmerksamkeit blosse wiederholung, paraphrase oder zitat. so wird jedes erste ein zweites, als erstes auch im zweiten mal wahrgenommen.

 
in der frühen strassenbahn einzig nebenköpfe, die ins leere sprechen. wie falsch synchronisierte maschinen.

 
stein schlägt schere, fällt aber in den brunnen.
es sind tage zu bewältigen, an denen das in der hitze zu sagende nicht mehr wärmt.

 
die schonzeit ist vorbei, das rotwild, der hase und alle besserwisser dürfen wieder gejagt werden.

 
fast überall überwachungskameras und polizisten in zivil. dennoch gebe ich die hoffnung nicht auf, dass mir, wenn ich zu allem und jedem freundlich bin, nichts passieren kann.

 
wie viele sätze man braucht, um einmal richtig verstanden zu werden.
so lange artikuliertes aber weiterhin per se missverstanden und fehlinterpretiert wird, bleibt es noch unschuldig offen.

 
australische hitzewellen im winter, ein verregneter sommer fast überall und schneeflocken im herbstlichen Süditalien - die vier jahreszeiten von Vivaldi müssen endlich mal neu komponiert werden.

 
das wetter ist alles, was das fallende klima ist. aber wäre deshalb Wittgenstein meteorologe geworden?

 
setup - setdown.
jener fast vergessene satz aus der kindheit: Scotty, beam me up!

 
big head, little body. auf den überdimensionalen werbeplakaten fast nur models als kindchen-schema. aber immerfort mit einem coolen lächeln im gesicht.

 
alle jahre wieder zu weihnachten eine familienaufstellung.
als unterstellung?

 
ein friedlicher abend aus mandarinen, erdnüssen und gebäck. doch trinkt man dazu einen zu guten wein, dann schmeckt der preiswert erschwingliche eine ganze woche nicht mehr.

 
wem es im dezember nicht schneit, dem hat es vielleicht schon im november zu viel geschneit. doch manchmal ist es besser, wenn es kein wetter gibt.

 
das endzeitparadies des modernen menschen ist die vorstellung, dass es immer so weitergeht, im himmel wie auf erden immer so weitergehen könnte.

 
wenn man sich zu lange gehen lässt, dann läuft man mitunter unbemerkt einen marathon.

 
das verbessern der vergangenheit: wenn man es noch kann, peinliche texte und bilder einfach löschen. unwiederbringlich löschen.

 
die menge an aufwühlenden büchern, die ich bisher gelesen habe... aber vielleicht waren es nicht die richtigen oder einfach zu viele.

 
eine ethik-komission darf nun nach dem anhaltenden GAU in japanfernen atomkraftwerken über die restlaufzeiten der einheimischen radioaktivität nachdenken.

 
seit wochen bloss wunschvorstellungen, die ich bereits hatte. und erinnerungen, die im kopf pittoresk wie flugzeuge in alten kriegsfilmen abstürzen.
bisweilen glaube ich, dass alles, was ich mir vorstelle, nicht gilt.

 
THE BAD OF: lieber lärm sein, als lärm erleiden müssen. lieber schmutz sein, als putzen müssen, etc.

 
"gelungenes kann nicht die umformung von verfehltem sein. gelungenes ist nur, weil aufgegeben gelungen."
Paul Valéry korrigiert von André Breton und Paul Éluard

 
wenn man zufrieden ist, hat man die dümmsten oder banalsten gedanken. die zufriedenheit ist ein peinlicher zustand.

 
wie viele bücher liest man nicht mehr, weil man sie sogleich erkennt.

 
ein anhaltendes gefühl der langeweile, so als ob demnächst eine ganz aufregende zeit zu erwarten sei. mein demonstratives gähnen zuweilen als eine politische haltung.

 
ein blindes träumen in der letzten nacht, das schwarz und tief war, wie lange nicht mehr. und am morgen ein sonnenaufgang zwischen den häuserfronten = (rot + blau)*2

 
wenn leute zu viel geld haben, bauen sie sich wie jetzt ein australischer multimillionär eine originalgetreue Titanic. untergehen wollen sie damit aber nicht.

 
think big!
man muss sich permanent einen Rolls Royce kaufen. auch wenn man ihn nicht abzahlen kann.

 
die leere stadt in der klirrend kalten winternacht: sie zeigt ihre wahre grösse.

 
kann man nichts schreiben?
mitunter ist es besser, nichts zu schreiben.

 
ich will meine vita in echtzeit und ihre ewigkeit ewig.
was es sonst noch so gibt ausser anspielprosa und rechtfertigungsdramatik? ihr wollt es wissen?
ich habe es einmal gewusst.
fortsetzung folgt. etc. da capo.

 
was fehlt noch?
das bekenntnis zum fehlen, zum verfehlen, zum revidieren, zum ausradieren.
denn...

 
ich, der hier mal endesunterzeichnende.