kälteverlust


ein anhaltendes selbstgespräch

untätiges und zu häufiges in den spiegel starren. wie bei einem polizisten, der zum wachdienst vor das eigene haus verdonnert wurde.

 
der mond schrumpft nach neuesten erkenntnissen alle acht millionen jahre jeweils um einen meter.
so zu altern, das ist wahre grösse.

 
was man nicht alles so aufschreibt, wenn man bemerkenswertes aufschreibt. bloss weil es nichts intimes ist.

 
november 2009: den 20. jahrestag eines mauerfalls zu feiern, heisst nichts anderes, als bereits zum zwanzigsten mal den jahrestag eines mauerfalls zu feiern. gedenktage sind ein raubbau an der vergangenheit.

 
viele häuser in der einst geteilten hauptstadt stehen nun bis zur unkenntlichkeit rekonstruiert in einem anderen land. der mensch kann zu vieles bewegen.

 
es gilt lebensorte auf verschiedene art und weise zu bewohnen: als verwegenheit, als gelegenheit, als flucht.

 
meine wachsende ignoranz-toleranz gegenüber feinstaub-emissionen auf den eigenen bücherregalen. aber nicht im strassenverkehr.

 
die piloten verschiedener airlines streiken wieder für bessere gehälter. wann endlich mal ganz uneigennützig für eine reine luft.

 
das artensterben in flora und fauna schreitet voran. selbst der kleine, anpassungsfähige Maui-Delfin ist jetzt vom aussterben bedroht. als kompensation wird mehr phantasie-natur in comics und computerspielen angeboten.

 
meine ausgebildeten und meine eingebildeten kopfschmerzen.
und dann noch meine arge agoraphobie in billigen hotel- und pensionszimmern.

 
sich permanent durchkreuzende kausalitäten. oder sind es kausale kreuzungen?
der glaube, dass nichts umsonst sei, als rechtfertigung. damit nichts umsonst ist oder wenigstens war.

 
eine autobiographie ersetzt keine vita, sie bedingt sie nicht einmal.
wenn sich der mensch verpuppen könnte, was würde noch aus ihm werden?

 
unter dem tisch, hinter dem schrank, staubflusen überall. sie sind eine wohnung voller milben. und in der küche hinter der spüle stets diese plastiktüte voller leerer plastiktüten.

 
unterlegenheitsgefühle?
stell dir vor, du bist grossartig und keiner bemerkt es. nicht die realität, sondern das unberechenbare reale prägt uns.

 
irgendwann bloss noch ein gesicht haben, ein ganz starres wirklichkeitsbild.

 
der totensonntag ohne triste regenwolken. als ein fest mit ausflüglern und sonnen-anbetern wie im mai.

 
als ob nicht mehr viel zu erwarten sei. bereits zwanzigjährige schreiben jetzt ihre memoiren. oder lassen sie schreiben, wenn sie wie der 16jährige Teenystar Justin Bieber prominent genug sind.

 
pensées für alle und von jedem.
wenn jeder etwas zu sagen hat, was soll damit geschehen?

 
es ist fast unvorstellbar, dass es einmal eine zeit gegeben hat, in der man utopien und visionen hegte und nicht fürchtete.

 
was werden die menschen wohl in 50 jahren kommunizieren?
entweder hologramme oder faustkeile.

 
wäre die evolution nicht beim homo sapiens gestrandet, auf welche erfindungen müsste sie noch kommen.

 
allons, en route!
das zerlegen des himmels in träume.

 
kann man mit einem blinden über bilder reden?
mit einem tauben menschen jedenfalls nicht.

 
was man erleidet und larmoyant thematisiert ist keine wehmut, kein zweifel, kein hader und kein polemisieren, es ist ein akutes symptom.

 
es gibt sie noch, die unbekannten sternbilder. denn es ist wenig phantasie nötig, um sich andere verbindungen und namen am nächtlichen himmel auszudenken.