kälteverlust


ein anhaltendes selbstgespräch

soll ich oder soll ich noch nicht aufstehen?
meine ganz persönliche revolte, wenn ich unverhofft dann doch die horizontale aufgebe.

 
als Schelling den zenit seiner akademischen karriere erreicht hatte, schrieb er sein system der weltalter. er schrieb fast ein jahrzehnt daran und wollte es nicht veröffentlichen.

 
"das denken ist hermaphroditisch; es befruchtet sich und trägt sich selber aus."
Paul Valery

 
ein tag ohne gründe, ein tag ohne erklärungen und bar einer rechtfertigung. das wetter ist abgeschrieben. es liegt voll im statistischen trend des weltweiten klimawandeln.

 
als man noch mit erhöhten ozonwerten erholungs- und frischebedürftige kurgäste verlockte.
einstmals.

 
der Berliner Grunewald wird durchgeforstet und mit laubbäumen bepflanzt, da hier in 50, 70 jahren die harten klima-verhältnisse von Rom zu ertragen sind.

 
viele menschen (vor allem die damen) flanieren in aufreizenden kostümen. und darunter gähnt der superlativ der nacktheit von überhaupt nichts.

 
mindestens 1,5 liter täglich trinken. wasser, tee und wein als überlebensstil.

 
schon um elf über 30 grad im schatten. es ist zu heiss im juli. ich bin wieder reif für die tiefkühlabteilung im supermarkt.

 
am abend zeigt ein fiktiver dokumentarfilm im fernsehen, wie die menschen bei einer erd-erwärmung auf 100 grad ihr dasein fristen. sie leben in tunnelsystemen unter der erde und wandeln mit einem dicken schutzpanzer als spaziergänger auf ihr.
abschalten, schnell abschalten!

 
kälteverlust - was für ein wort, was für ein zustand.

 
harmlos scheue eidechsen sind die erfolgreichen nachkommen der dinosaurier. irgendwann muss es auch eine verkleinerungs- form des homo sapiens geben.

 
in allem ein massvoller dilettant sein mit einer professionellen frivolität. oder steine sammeln und steine verstreuen.
alles braucht seine zeit. man hat ein ganzes leben lang zeit, sich zu verbessern.

 
seit über 20 jahren wird derselbe pfeifentabak gepafft, obwohl ich ihn gar nicht mehr schmecke und rieche. ist es aber einmal eine andere sorte, rebellieren die geschmacksnerven sofort.

 
aus den nachbarwohnungen ein anhaltendes orgasmus-stöhnen. fast alle haben in diesen sommernächten bei laufendem fern- seher die fenster geöffnet.

 
in zu heissen nächten kann man nur nackt schlafen. und das am besten allein. das sommerloch ist zu trocken, unheimlich frigide und ermüdend. da hilft kein viagra.

 
selbst die fliegen sind so depressiv und zahm, dass man sie aus dem fenster hinauspusten kann.

 
wegen einer nadel ständig die suche nach einem rechten heuhaufen. und da ich noch glaube, dass alles trotz über- informiertheit folgen hat...

 
die nicht kommunizierten meinungen sind oft die geretteten meinungen.
mein Ich, jener treue unterschriftenautomat.

 
wenn man auf der einen party nichts zu sagen hat, weil man auf einer anderen party schon alles gesagt hat... ich mag es, wenn man persönlich, also direkt ist und offen über abwesende redet. das schafft ein unheimliches vertrauen.

 
distinktion nicht als attitüde, sondern als habitus.
das überzeugt, das löst mitleid aus.

 
die langeweile bei wahlverwandtschaften, die armut der gleich- gesinnung.
unfähig zur konversation flüchte ich mich in die beobachtung. ich schaue lieber zu.

 
wer zu wenige menschen kennt, führt umso mehr selbst-gespräche.

 
auch du hast als aussenseiter keine chance. also nutze sie.
man lernt sich am besten in momenten der niedergeschlagen- heit kennen. also im grunde dann, wenn man seine sache auf ein garnichts stellt.

 
die globale finanzkrise macht's möglich. zur ankurbelung der wirtschaft wird nach dem milliardensegen für notleidende banken nun noch für alte autos eine abwrackprämie spendiert.

 
"jetzt ist flexibilität gefragt. es gilt, sich auf veränderungen einzulassen, die ein positives potential versprechen. das sicherheitsbedürfnis ist ein stück weit aufzugeben..."
was ich mitunter lese, wenn ich mein horoskop überlese.

 
manchmal will ich frank und frei bekennen, dass ich an einem punkt angekommen bin, an dem es nur noch interessant ist festzustellen, wo und wieso die gleichgültigkeit wuchert.

 
tipp der woche: täglich 3 kilo abnehmen. und dann immer so weiter, so weiter.

 
anstatt vom schlimmsten, besser vom noch schlimmeren ausgehen. nach der bundestagswahl sind nicht nur gelb- schwarze wespen, sondern gelb-schwarzen hornissen als koalition zu erwarten.

 
vor. zurück. zur seite und ran.
frei ist der mensch nur in der übertreibung.

 
"damit das unmögliche entsteht, muss das mögliche vermieden werden."
Walter Ulbricht

 
trotz alledem, vorwärts und nichts vergessen. jedenfalls, so lange ich als unmusikalischer mensch das lied der internationale vor mich hinsumme.

 
die häuser am abend stehen so kompakt, dass man dahinter alles vermutet.

 
die eigene vorstellungskraft ist viel dramatischer. eine sonnenfinsternis sollte man sich deshalb lieber im radio live anhören.

 
nachts über der stadt ein klagend verstörendes pfeifen, ähnlich den obertönen der wale im weiten meer. doch tatsächlich ist es wieder die musik von irgendwem aus der nachbarschaft.

 
atemnot, wenn ich zu schnell denke.
die seufzer und betulichen gesten eines alten mannes mal ausprobieren oder wenigstens ab und an zulassen - und darin eine behaglichkeit finden.

 
heute keine wolkenschau.
der himmel ist klar, rein, transparent, so durch und durch vernünftig.

 
ein tag ohne quantensprung.
die unendlichen weiten des kosmos werden überbewertet.