"scheitern(hoch) x" - notizen und nachträge


ein phantast sein oder ein scharlatan, ein aufschneider, ein hochstapler, ein mythomane, ein täuscher ... manchmal reduzieren sich alternativen auf synonyme.

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mal wieder was auf die beine stellen, um den handstand aufzugeben. man ist zur verwandlung fähig, man könnte ein anderes leben führen, doch man hat zuviel einfluss darauf.

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das streben nach originalität, um den eigenen gewohnheiten besser nachgehen zu können. man hat eine wahl, so lange man sich für die tragik des untragischen lebens entscheidet.

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sich in die einsamkeit flüchten, um sich nicht mehr rechtfertigen zu müssen. oder um sich wieder nach den zustand der uneigentlichkeit sehnen zu können. unplugged overconnected!

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Eduard von Keyserling: an einem geltungsbedürftigen menschen stösst mich auch das ab, was nicht nach geltung strebt.

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der marienkäfer auf dem grashalm in meiner hand krabbelt entgegen der schwerkraft stets auf die höher liegende seite. drehe ich den halm, so ändert auch er seine richtung. über eine viertelstunde beobachte ich sein beharrungsvermögen, dann gibt er auf und rührt sich nicht mehr. ein lebewesen, das über kein komplexes nervensystem verfügt, lässt sich nicht domestizieren.

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Thomas Brasch: diese immer unmoralische wut. ich leide nicht unter enttäuschungen, ich erleide sie. bin ich nicht enttäuscht, dann leide ich darunter, dass ich nicht leide.

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sich zu einer erfolgsphobie bekennen oder an der angst zu scheitern leiden. wer sich zwischen dem aussichtslosen und dem unmöglichen entscheiden muss, sollte stets das ereignis der wahl wählen.

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man kann unter der erkenntnis, dass alles scheitern nur eine illusion ist, leiden oder man kann sich mit diesem wissen beruhigt zurücklehnen. tertium non datur.

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misserfolge sind wie narkosen eine frage der dosis und der konstitution.
man darf sich nicht auf sie verlassen.

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soweit es möglich ist, aufwühlende horror- und actionfilme meiden. unwesentlich ist, was nicht völlig verstört.

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man kann erwartungen enttäuschen und vorgefasste meinungen verwirren, um sich gegen vereinnahmungen zu wehren. doch man wird von anderen nur wahrgenommen, wenn man seinen interventionen eine richtung gibt und damit wieder jeden subversiven anspruch unterhöhlt.

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"was man verengen will, muss man erweitern. was man schwächen will, muss man stärken ..." wenn ich aus einer unruhe heraus auf das Daudedsching von Laudse stosse, finde ich oft zu einer angenehmen gelassenheit. doch wenn ich bereits mit einem gefühl der gelassenheit Laudse zu lesen beginne, verliere ich diese bald wieder.

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sich von allen hirngespinsten lösen, sich über jede sinnsuche erheben, um von keiner enttäuschung mehr eingeholt zu werden. und doch wird man bald jede abgeklärtheit, jede seelenruhe als eine provokation empfinden.

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nach dem juckreiz ist vor dem juckreiz.
das gesteigerte bewusstsein für starke gefühle ... um sie in schach zu halten.

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Borges: das sich selbst erkennende denken muss mit allem einver- standen sein. ohne wenn und aber.

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es gibt grosse sterne, gegen die man sich sofort entscheiden muss. jedes unüberlegte nein hat eine kraft, die seine begründung nicht mehr enthält.

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auch wenn man nichts zustande bringt, sich nicht verwirklichen kann oder will, muss man sich doch bis zur völligen verausgabung erschöpfen. der verlierer ist eine parodie des helden.

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"endlich verstand ich (und plötzlich), was meistens der grund davon ist, dass man nicht einschlafen kann: man hat keine träume bereit."
(Ludwig Hohl)

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falls man nicht glaubt, man ist erfolgreich, was ist man dann? man ist sich seines erfolgswahnes nicht mehr bewusst, weil man seit der geburt und wahrscheinlich auch schon im mutterleib unter ihm leidet.

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wrong or bong?
es gibt keine sache, von der nicht auch das gegenteil behauptet werden kann. selbst wenn man nicht weiss, was das gegenteil vom gegenteil überhaupt sein soll.

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sich ohne grund für oder gegen etwas entscheiden.
wer nicht das talent für eine karriere hat, der braucht seinen ehrgeiz nur vortäuschen, um kein spielverderber zu sein.

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alles was vernünftig ist, infrage stellen, so dass jede frage unvernünftig erscheint. doch wer an seine zweifel glauben muss, nimmt gleichzeitig zwei tragische standpunkte ein.
bloss um mit dem einen auf dem anderen zu bestehen.

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die blinden flecken einer anamnese, die dauern oder übermalt werden. man weiss, dass man sich etwas vormacht, dass man sich selbst betrügt. und man weiss es immer zu spät.

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meine authentischen ansprüche - meine simulierten simulationen. wenn sich irgendwann alle trugbilder aufgebraucht haben, liegen in einem vakuum die nerven blank.

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modifizierter Cioran: man kann sich immer am besten vorstellen, wie man selber verkommt. aber man kann es sich nur vorstellen.

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nimmt man niederlagen allzu ernst, muss man sie nicht mehr richtig ernst nehmen. man kann zwischen wehmut und spott alles sagen - in der geste einer gelassenen endgül- tigkeit.

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nicht gegen, sondern für windmühlen kämpfen.
also kein Don Quixote sein.

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jeder nach harmonie strebende sucht sich mit einer unerschöpflichen phantasie eine position, an die er sich ohne zweifel halten kann. er klammert sich an alles, was sein gleichgewicht stärkt und ihn anstachelt, sich sein wohlbefinden vorzustellen. oder ist es doch anders? jedenfalls habe ich selten einen zufriedenen menschen getroffen, der nicht unter dem drang litt, sich rechtfertigen zu müssen.

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"die zahl aller übel, die alle lebewesen potentiell erleben können, ist durch die zahl möglicher zustände, in denen das sichtbare universum sich befinden kann, nämlich 10 hoch 10 hoch 123, nach oben begrenzt ...", lässt Alexander Kluge in seinem buch "die lücke, die der teufel lässt" einen wissenschaftler erklären.

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lieber das mögliche unmöglich finden, als das unmögliche suchen müssen. insgeheim immer kompro- missbereit sein, denn der kompromiss lässt keine niederlage zu.

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wieder endet ein jahr der geldknappheit und des standhaltens.
es ist das problem von manchen problemen, dass sie zu erträglich sind. viele missgeschicke ziehen wie kometen nur immer wieder vorbei.

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wenn man beginnt, irgendwann seine fähigkeit zum scheitern zu bewundern, dann dauert es nicht mehr lange, bis man sich darauf etwas einbildet und wieder auf den erfolg wartet.

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"jede krise ist ein geschenk des schicksals an den schaffenden menschen."
(Stefan Zweig)

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die travestie vieler niederlagen.
ALLES SCHEITERN IST EINE PARODIE DES GROSSEN SCHEITERNS.
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