"scheitern(hoch) x" - notizen und nachträge

wenn in gesprächen jeder satz mit einem weiteren erklärt werden muss. wenn rede und widerrede sich mehr und mehr in die höhe schrauben, dann bleibt nur der stumme rückzug.
doch mitunter ist es besser, mit eloquenz zu überzeugen. schweigen kann als zustimmung verstanden werden.

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hermetische manifeste schreiben, mit neologismen überzeugen und immer wieder fakes faken ... manchen menschen muss man auch alles das sagen, was man nicht meint. damit sie ja nicht zu wort kommen.

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Egon Friedell: im grunde kann man einem anderen nur das mitteilen, was er eigentlich schon weiss oder wessen er sich latent bewusst ist. alles andere wird er als unvernünftig ablehnen oder derart interpretieren, bis es seinem wissen gleicht.

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wenn das ausbleiben von meinungen ausbleibt: es ist schwierig miteinander zu schweigen, solange noch nicht alles von jedem gesagt wurde.

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man kommt in schlaflosen nächten zu neuen gedanken, wenn man über das hinausgeht, was man verstehen kann. und man verwirft dieses wissen wieder am tage, sobald man sich mitzuteilen beginnt.

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Niklas Luhmann: das unwahrscheinliche zustandekommen der kommu- nikation ist die garantie der kommunikation als system.

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von den vielen ideen, die man entwickelt, sind oft nur einige wenige bedeutungsvoll. aber sie sind kein äquivalent für alle verworfenen einfälle. sie bezeugen alles in allem nur die dürftigkeit eines denkens, das seine ansprüche kennt.

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das genau und intensiv angehen, was alle andere nur nebenbei erledigen.
ein konsequenter lebensstil überzeugt irgendwann. doch wie lange muss man sich und anderen vortäuschen, etwas zu sein, bis man es endlich wird.

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soll man sich die blösse geben, eine schwäche zu gestehen? man kann mit geständnissen anderen menschen einen schrecken einjagen, um sich von ihnen wieder beruhigen zu lassen.

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Sartre: real ist, was mich selbst betrifft und was mir meine grenzen zeigt. so wie ein zahnschmerz, der sich gegen das ego richtet und es dazu zwingt, die sphäre des Ichs zu überschreiten.

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ausschweifungen in die schranken weisen. sich ein korsett anlegen, das die kräfte auf ein minimum bündelt.
wer sich verwirklichen will, will intelligenter, stärker und glücklicher sein ... als er selbst.

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self.thinking = self.target + self.position;
was man nicht alles über sich in erfahrung bringen kann, all diese me- tastasen, von denen man nicht mehr loskommt.

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nach verpassten gelegenheiten kann mancher noch hoffen, dass er sich einmal übertreffen wird. wer immer sofort auf situationen reagiert, muss irgendwann erkennen, dass er gar nichts besseres sein kann.

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Rahel Varnhagen in einem brief: es muss ein jeder überschätzt werden, sonst wird er gar nicht geschätzt.

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wenn man sich nur noch in den sätzen eines anderen wiederfindet, fortwährend aus einem fremden speichelfluss ausgestossen wird und dies wort für wort schlucken muss ...
man wächst mit jedem vorbild, das einem erspart bleibt.

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nur noch widersprüchliche pamphlete unterschreiben, zerstrittene parteien wählen und in zersprungenen spiegeln das eigene gesicht suchen. in seiner disparaten ablehnung ist der mensch frei und unbeschränkt. ohne eindeutiges motiv kann niemand vereinnahmt werden.

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QUOD LICET BOVI. lieber missverständlich sein, als missverstanden wer- den. ob mit scham oder charme man kann harmlos sein.

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die nichtssagenden, unwesentlichen wörter in geständnissen. sie sind entbehrlich und dennoch kann man nicht auf sie verzichten. wenn sie in einem satz fehlen, beginnt man unweigerlich nach ihnen zu suchen, da das immunsystem in einer steril gewordenen welt zu überreaktion neigt.

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keine widerrede ohne den einspruch gegen den einspruch. jede meinung ist ein echolot, wenn sie wie eine fledermaus das eigene revier abtastet.

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eine intensive freundschaft zeichnet das aushalten einer ferne aus, so dass man sich auch nach jahren des schweigens sofort versteht. ohne diese distanz kann aber eine solche beziehung unerträglich sein.

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"wo sie am schönsten sind, in ihrer vereinzelung, sehen die menschen einander nicht. jede verzweiflung, die man vor einem anderen menschen zeigt, ist zum vorwurf gegen ihn entleert. wir jagen mit unseren schwächen und strafen wie artemis demjenigen mit tödlicher verachtung, vor dem wir uns eine empfindliche blösse gaben."
(Botho Strauss)

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auch als der situationist Guy Debord seine späten bücher und filme veröffentlichte, blieb seine verweigerungshaltung gegenüber der gesellschaft konsequent. immer war er seinen kritikern wie im wettlauf der igel dem hasen um eine runde voraus. dennoch hat es ihm nichts genützt, da heute biographen seine lebensstrategie gern auf eine paranoia zurückführen.

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man weiss nie, mit wem man ein ich ist. wer sich selbst erkundet, sollte sich wie ein diplomat auch dann unwissend stellen, wenn er es wirklich ist.

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"jeder neue mensch ist ein risiko für die anderen. jeder neue gedanke ein risiko für die anderen. jeder verlust eine graduation." (Max Bense)

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nur abgebrochene gespräche. immer dieselben sätze, immer derselbe abgebrochene rest. wer immer von dem verlangen nach verständnis ausgeht, unterschlägt eine menschliche haltung, die nicht an die möglichkeit von miss- verständnissen glaubt.

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ein misstrauen, das sich nicht zerstreuen lässt: ein flugzeug, das nie landen wird.
eine skeptische haltung hat nur dann bestand, wenn sie ihre eigenen grundlagen nicht unterminiert. d.h. man kann sich nur dort treffen, wo man nicht auf sich zielt.

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in dubio cogito ergo sum. - d.h. im zweifel für übertreibungen plädieren.

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kann man als ein zur schrift begabtes wesen ein rätsel bleiben? man übt sich in vagen zweideutigkeiten, man sehnt sich danach, keine spuren zu hinterlassen, wenn man mühsam das gegenteil betreibt.

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bekennende enge der imagination: man sollte sich nicht zu oft enttäuschen, nicht immer trugbilder entlarven. illusionslose menschen sind ohne beispiel.

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in einer sprache denken, in der kein bekanntes wort vorkommt, keine einzige geläufige wendung, nicht eine silbe, die an etwas gelerntes erinnert. am leichtesten ist es, in einer selbsterfundenen sprache zu schweigen.

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die klarstellung zwischen den zeilen: man sagt allzu gern, dass man zu wenig oder fast nichts weiss. und man sagt es immer zu gut.

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ÜBERWUNDENER ADORNO: lieber im falschen leben als im falschen kino landen.
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