scheitern(hoch)x


gedanken aus der hocke
an einem waldsee abhängen, um die ruhe einer abgesagten arbeit zu geniessen. und dies bald mit langeweile.
 

was ein müssiggänger alles über sich in erfahrung bringen kann und was er schwarz auf weiss im horoskop einer zeitung bestätigt bekommt. wohlfeile vorstellungen von glück werden zu wuchernden metastasen, die selten wieder verschwinden.
 

kann man sich die blösse geben, eine schwäche zu gestehen?
man kann mit seinen geständnissen anderen menschen einen schrecken einjagen, um sich von ihnen dann wieder beruhigen zu lassen.
 

der sympathische prominente kam, sah und siegte in der talk-show nach 22 uhr. bei populären persönlichkeiten kann man sich im spätprogramm keine niederlagen vorstellen.
 

erst der schatten zeigt das licht: Kafkas hungerkünstler wollte auf keiner bühne bewundert werden. er hungerte sich in eine unscheinbarkeit, weil er unfähig war, die richtige speise zu finden.
 

es ist so einfach, sich zu durchschauen, und es führt zu nichts.
wem es zur gewohnheit wird, im medienzeitalter den schein zu entlarven, der will auf vieles zielen und sich dabei fortwährend steigern.
 

andauernd diese abgebrochenen gespräche. dieselben sätze, stets derselbe abgebrochene rest.
unplugged overconnected!
 

wenn in streitgesprächen jeder satz mit einem weiteren erklärt werden muss. wenn rede und widerrede sich mehr und mehr in die höhe schrauben, dann hilft nur noch ein unsichtbarwerden.
 

Niklas Luhmann: das unwahrscheinliche zustandekommen der kommunikation ist die garantie der kommunikation.
 

und wie viel zeit manche rechtfertigung verbraucht, obwohl sie für den papierkorb notiert wurden. unfertige gedanken sind ein echolot, wenn sie wie fledermäuse reviere abtasten.
 

ist es möglich, als ein zur schrift begabtes bewusstsein ein rätsel zu bleiben?
man relativiert sich mit vagen zweideutigkeiten und sehnt sich vergeblich danach, keine spuren zu hinterlassen.
 

in einer sprache denken, in der kein bekanntes wort vorkommt, keine geläufige phrase, nicht eine silbe, die an etwas gelerntes erinnert. am leichtesten ist es wohl, in einer frei phantasierten sprache zu schweigen.
 

"lasst uns mit dem wollen beginnen! lasst uns alles durch-wollen! ein Ich-kann-nicht ohne alle erprobten Ich-will ist erbärmliche schwäche und endet natürlich mit: Ich kann."
Marina Zwetajewa
 

gegen blockaden hilft kein stossgebet, kein kaffee und auch kein kosmonauten-blick. je schwerer das schreiben fällt, desto mehr verbinden sich illusionen mit dem ausdrüchbaren, desto scheinbarer wird alles, was sich ausdrücken lässt.
 

bloss noch widersprüchliche pamphlete unterschreiben, verquere parteien wählen und in gesprungenen spiegeln ein fremdes ich mimen. in seiner disparaten ablehnung fühlt sich der mensch frei und unbeschränkt. kein eindeutiges motiv kann ihn vereinnahmen.
 

auch als der situationist Guy Debord seine späten bücher und filme veröffentlichte, blieb seine verweigerungshaltung gegen-über dem common sense konsequent. immer war er seinen kritikern wie im wettlauf der igel dem hasen um eine runde voraus. trotzdem hat es ihm nichts genützt, da biographen heute seine lebensstrategie auf eine psychotische paranoia zurückführen.
 

eratische manifeste schreiben und inflationär fakes faken. es ist besser, mit eloquenz zu überzeugen. schweigen kann in einer überinformierten gesellschaft als eine zustimmung verstanden werden.
 

Rahel Varnhagen in einem brief: es muss ein jeder überschätzt werden, sonst wird er gar nicht geschätzt.
 

von niederlage zu niederlage zum sieg. - das ist chinesisch. und was wird nicht irgendwann einmal chinesisch sein.
 

ÜBERWUNDENER ADORNO: lieber im falschen leben als im falschen kino landen.