scheitern(hoch)x


gedanken aus der hocke

als Joseph Weizenbaum, der resolute kritiker der künstlichen intelligenz, mit seinem ELIZA-Programm den ersten viablen gesprächsautomaten der öffentlichkeit vorstellte, war er verblüfft, wie schnell seine mitmenschen zu informations-verarbeitenden maschinen mutierten.
 

ohne mängel würde man wie eine automat leben. doch statt seine unvollkommenheit als vorteil anzusehen, schämt man
sich für seine defizite.
 

zwei schritte vor und zwei schritte zurück, zwei zur linken seite und zwei zur rechten...
niemand kennt im detail die folgen seiner entscheidungen. man entscheidet sich nicht mehr, wenn man das folgende zu genau kennt.
 

das hadern mit der epoche, in der man lebt, ist ein privileg. doch wenn rebellionen einzig verwirren wollen, sich jedem diskurs verweigern und dabei ebenso ihre eigene grundlage gnadenlos unterminieren, dann wird irgendwann nur noch zerstört, was spass macht.
 

das verfallsdatum mancher ausfälle.
am schnellsten verpufft eine spontane verneinung, die wohl stärkste existensversicherung, zu der ein mensch fähig ist.
 

"entweihen ist ein leichtes geschäft; darum muss es uns anwiedern."
Guido Ceronetti
 

jene sehnsucht nach disharmonien, die in höheren ordnungen wieder in harmonien aufgehen.
ein solcher grössenwahn ist eine bescheidenheit.
 

überall superlative, falls man fernsieht.
die tägliche nachrichtenschau vor dem gemütlichen abendfilm bleibt dem menschen zumutbar.
 

je weniger ich mich anstrenge, um erfolgreich zu sein, desto erfolgreicher bin ich. und je weniger prinzipien ich dabei für mich akzeptiere, desto mehr überzeugt ich andere, da ich an meine eigenen argumente nicht glauben muss.
 

diese wahl zwischen wahnsinn und biederkeit, wenn all meine bedürfnisse ein und dieselben sind.
zum glück gibt es stets etwas, das sich verbessern lässt.
 

lieber imperfekt als perfekt.
ein würfel, der noch nicht geworfen wurde, bewahrt seinen fall.
 

in augenblicken des grössenwahns, wenn man sich auf den trümmern der eigenen missverständnisse wie ein kreisel dreht, glaubt man, alle evidenzen auf seiner seite zu haben.
man sollte sich vielleicht nur auf die wahrheit berufen, wenn man völlig verzweifelt ist.
 

nie vergessen, dass mit dem rauschwort ALLES Thales von Milet die abendländische philosophie begründet hat.
 

die kleine beschreibbare welt, und die grosse unbeschreibbare, wenn man ein anti-agnostiker ist.
wer zu viel weiss, kann sich seiner unwissenheit kaum sicher sein. oder nur wider besseren wissens.
 

gedanken sammeln und gedanken verstreuen.
statt schwere steine sammeln und diese dann verstreuen.
 

kann ich sätzen folgen, die folgenlos sind?
das grosse geheimnis des zufallsgenerators: sein potentielles wissen kann niemand verstehen.
 

man kann jedem unterstellen, dass er sich etwas vormacht, dass er sich belügt. doch welche rechtfertigungen, welche ausflüchte wird man sich dafür anhören müssen? und welche erklärungen hätte man selbst vorzubringen? man weiss es nicht und man will es überhaupt nicht wissen.
 

wie oft habe ich mich schon dabei ertappt, dass ich mir einen klugen satz ausdachte, bloss um ihn wieder zu vergessen. so wie man einen grashüpfer fängt, allein dem vergnügen zuliebe, ihn wieder springen zu lassen.
 

wer lange zeit ohne ergebnisse bleibt und das dann alles auf einmal aufholen muss... man sollte einen menschen mehr an seinen taten als an seinen worten messen, aber auch bedenken: noch schlimmer als die besserwisser sind die bessermacher.
 

Seneca: bis zum äussersten gehen und grenzen überwinden. so lange, bis die eigenen empfindungen nicht mehr unangenehm sind.
 

noch immer unfähig, den zustand der ataraxie zu geniessen, und dennoch suspendiert jenes unvermögen nicht mein verlangen nach gelassenheit.
 

alleweil diese überhanginformation: man ist in der lage, falls man sich genügend anstrengt, aus fehlern zu lernen. und man weiss irgendwann, dass man in dieser hinsicht erfolglos ist.
 

so schwer es ist, etwas ernsthaft verstehen zu wollen, so schwierig wird es, diesen ernst aufzugeben. versuche ich, in
die ironie oder gar in den nonsens zu wechseln, dann liegt
jener entscheidung wieder eine vernünftige überlegung zugrunde.
 

Wittgenstein: es gibt tage, da gehen mir nur dinge durch den kopf, die ich nicht verstehe.
wer unmögliches erreichen will, muss das mögliche ablehnen.
 

"nichts ist sicher, und nicht einmal das ist sicher."
eine allgemeine erkenntnis fasziniert, so lange sie in verlegenheit bringt. wenn man sie akzeptiert hat, wird sie anmassend.
 

entweder bissig oder beleidigt sein. zuweilen auch beides zugleich.
WIE MAN SICH VOR UNANGENEHMEN NIEDERLAGEN DRÜCKEN KANN.