scheitern(hoch)x


notizen in neoliberalen zeiten

so lange ruhen und ausharren, bis daraus eine beschäftigung wird, die man eine besonne nennen darf.
der glaube, dass nichts umsonst sei, als rechtfertigung dafür, damit nichts umsonst ist oder wenigstens war.
 

ohne mängel würde man wie eine maschine leben. doch statt die eigene unvollkommenheit als vorteil anzusehen, schämt man sich lieber für defizite.
 

als Weizenbaum, der vehemente kritiker der künstlichen intelligenz, mit seinem ELIZA-Programm einen der ersten funktionierenden gesprächsautomaten entwickelte, war er verblüfft, wie schnell seine mitmenschen zu informations-verarbeitenden maschinen mutierten.
 

Camus: warum soll ich mich über ärgernisse ereifern, die ich bald wieder vergessen habe? die unzufriedenheit über die grossen und kleinen missgeschicke geht vorüber. was bleibt sind einzig ihre ursachen. der grund für die innere revolte.
 

das hadern mit der epoche, in der man lebt, ist ein privileg. doch wenn rebellionen einzig verwirren wollen, sich jedem diskurs verweigern und dabei ebenso ihre eigene grundlage gnadenlos unterminieren, dann wird irgendwann nur noch zerstört, was spass macht.
 

so faszinierend manche neo-neodadaistischen satzzertrümmerer oder presslufthammer-filosophen sind, so sehr enttäuschen sie, wenn sie ihre visionen zu erklären beginnen. oder etwa inter- views geben.
 

das verfallsdatum mancher ausfälle.
am schnellsten verpufft eine spontane verneinung, die vielleicht stärkste existensversicherung, zu der ein mensch fähig ist.
 

"entweihen ist ein leichtes geschäft; darum muss es uns anwiedern."
Guido Ceronetti
 

jene sehnsucht nach disharmonien, welche in höheren ordnungen wieder in harmonien aufgehen. mancher grössenwahn bleibt eine bescheidenheit.
 

überall superlative, falls man fernsieht.
die tägliche nachrichtenschau vor dem gemütlichen abendfilm bleibt dem menschen zumutbar.
 

Merleau-Ponty: nicht wegen unserer missverständnisse, unserer ignoranz oder vorurteile verkennen wir uns, sondern durch unsere angehäuften erkenntnisse. was unser bewusstsein erhellt, blendet unsere sinne.
 

je weniger sich mancher anstrengt, um erfolgreich zu sein, desto erfolgreicher ist er. und je weniger prinzipien er für sich akzeptiert, desto mehr überzeugt er andere, da er an seine eigenen argumente nicht glauben muss.
 

lieber imperfekt als perfekt.
ein würfel, der noch nicht geworfen wurde, bewahrt seinen fall.
 

in augenblicken des grössenwahns, wenn man sich auf den trümmern der eigenen missverständnisse wie ein kreisel dreht, glaubt man, alle evidenzen auf seiner seite zu haben.
man sollte sich vielleicht nur auf die wahrheit berufen, wenn man völlig verzweifelt ist.
 

zwei schritte vor und zwei schritte zurück, zwei zur linken seite und zwei zur rechten...
niemand kennt im detail die folgen seiner entscheidungen. man entscheidet sich nicht mehr, wenn man die folgen zu genau bedenkt.
 

nie vergessen, dass mit dem rauschwort ALLES Thales von Milet die abendländische philosophie begründet hat.
 

ein anti-agnostiker sein. wer zu viel weiss, kann sich seiner unwissenheit kaum sicher sein.
oder nur wider besseren wissens.
 

gedanken sammeln und gedanken verstreuen.
statt schwere steine sammeln und diese dann verstreuen.
 

kann man sätzen folgen, die folgenlos sind?
das grosse geheimnis des zufallsgenerators: sein potentielles wissen kann niemand verstehen.
 

es wird immer schwieriger, unverständlich zu sein.
manchmal ist es besser, nichts zu schreiben. und oft ist es besser, gar nichts zu schreiben.
 

wer lange zeit ohne ergebnisse bleibt und das dann alles auf einmal aufholen muss... man sollte einen menschen mehr an seinen taten als an seinen worten messen, aber auch bedenken: noch schlimmer als die besserwisser sind die bessermacher.
 

Seneca: bis zum äussersten gehen und grenzen überwinden. so lange, bis die eigenen empfindungen nicht mehr unangenehm sind.
 

zu unfähig für den zustand der ataraxie. und dennoch nimmt das menschliche unvermögen zur gelassenheit nicht das verlangen danach.
 

diese wahl zwischen wahnsinn und biederkeit.
zum glück gibt es immer etwas, das sich verbessern lässt.
 

so schwer es ist, etwas ernsthaft verstehen zu wollen, so schwierig wird es, diesen ernst aufzugeben. versucht man, in die ironie oder in den nonsens zu wechseln, dann liegt dieser entscheidung wieder eine vernünftige überlegung zugrunde.
 

immer diese überhanginformation: man ist in der lage, falls man sich genügend anstrengt, aus fehlern zu lernen. und man weiss irgendwann, dass man in dieser hinsicht erfolglos ist.
 

Wittgenstein: es gibt tage, da gehen mir nur dinge durch den kopf, die ich nicht verstehe.
wer unmögliches erreichen will, muss das mögliche ablehnen.
 

zu spät kommen und deshalb manchmal zur richtigen zeit am rechten ort sein. es ist davon ausgehen, dass die fehltritte von heute bereits morgen einen sturz verhindern werden.
eine niederlage ist eine kurze tollheit.
 

"nichts ist sicher, und nicht einmal das ist sicher."
eine allgemeine erkenntnis fasziniert, so lange sie in verlegenheit bringt. wenn man sie akzeptiert hat, wird sie anmassend.
 

man kann jedem unterstellen, dass er sich etwas vormacht, dass er sich belügt. doch welche rechtfertigungen, welche ausflüchte wird man sich dafür anhören müssen? und welche erklärungen hätte man selbst vorzubringen? man weiss es nicht und man will es überhaupt nicht wissen.
 

wie oft habe ich mich schon dabei ertappt, dass ich mir einen klugen satz ausdachte, bloss um ihn wieder zu vergessen. so wie man einen grashüpfer fängt, allein dem vergnügen zuliebe, ihn wieder springen zu lassen.
 

"born to be wild!"
was man sich nicht mehr zu träumen wagt, steht bereits auf grossen plakatwänden.
 

entweder bissig oder beleidigt sein. manchmal auch beides zugleich.
WIE MAN SICH VOR UNANGENEHMEN NIEDERLAGEN DRÜCKEN KANN.