"scheitern(hoch) x" - notizen und nachträge


mit science fiction flüchten, in utopien überwintern, um als alien zurück- zukehren. schlechte zeiten lassen sich am besten ertragen, indem man sich noch schlechtere vorstellt.

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rechtschreibreformen, bestseller-romane, schlecht vorgetäuschte orgas- men ... man ist bereit, bekannte katastrophen zu akzeptieren, wenn man das unvorstellbare unheil fürchtet.

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die macht des vielzitierten Sisyphos: für ihn muss sich die ganze zeit die schwerkraft unter beweis stellen.

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wenn man sich bewusst ist, dass diese welt nur im jetzt tatsächlich zu verändern ist, dann kommt diesem jetzt eine so grosse bedeutung zu, dass man die gegenwart als etwas unendliches erfahren muss. als eine totale, in der die faktizität des gegebenen jedes konstatieren, jede theorie über eine bessere welt weit übersteigt.

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im zeitalter der beschleunigten medien sinkt das verfallsdatum von visionen. alles ist schon auf eine unüberbietbare weise gesagt, zitiert und kritisiert worden.
looking only for post-idols.

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die strafe des schlechten gedächtnisses: man muss sich repetieren und man muss manche menschen wieder kennenlernen und erneut ertragen.

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man erträgt selbst wiederholte fehlgriffe, da man sie stets anders interpretieren und damit für sich neu entdecken kann. man ist der endlosschleife vergeblicher bemühungen stets um mindestens eine umdrehung voraus.

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es braucht immer einige zeit, bis die bedeutung und notwendigkeit einer katastrophe erkannt werden. deshalb sollte man sich zeit mit klagen lassen, nie zu früh lamentieren.

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der neoismus als die vielleicht letzte authentische avantgarde-bewegung kann sich immer noch mit erfolg behaupten, weil sie jede referenz zum tatsächlichen gekappt hat. eine bewegung, die ohne inhalte auskommt und in ihrer selbstbezogenheit sich unaufhörlich im kreis dreht.

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"aufrichtig? ich schreibe damit das, was wahr war, nicht mehr wahr ist. ein gezeigtes gefängnis ist kein gefängnis mehr."
(Henri Michaux)

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"an alle begierden richte man diese frage. was wird mir geschehen, wenn das erfüllt wird, was die begierde erstrebt, und was, wenn es nicht erfüllt wird?" man kann Epikur, den vielleicht radikalsten denker der ataraxie, nicht oft genug lesen. man sollte ihm jedoch nur zustimmen, wenn man auch bereit ist, ein gefühl der lauheit zu akzeptieren.

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genaugenommen weiss man nie, ob man nach einer abgeschlossenen arbeit erfolgreich war oder eine niederlage erlitten hat. in einer zeit der ökonomischen zwänge schreitet man immer voran.

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jeder lebt lange genug, um niederlagen vergessen zu können. der erfolg ist hartnäckig, er setzt auf lange distanzen.

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das scheitern des arg gebeutelten Odysseus: seine heroischen irrfahrten über land und meer wurden von einem happy-end am heimatlichen herd entwertet.

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wie oft kann man misserfolge einstecken, ohne schaden zu nehmen? wenn man die fähigkeit zur selbsttäuschung besitzt, wohl immer wiedermal.

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Fwd: CACHE_46123 ...
... visionen sind die verpassten gelegenheiten, an denen wir schon in der vergangenheit gescheitert sind.

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man erfährt immer deutlicher, was einem nicht passiert. die meisten niederlagen kommen zu spät. man hat schon zu lange darauf gewartet.

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wenn man sich der tragikomischen vergeblichkeit seiner bemühungen bewusst wird, gibt es keine enttäuschungen mehr. man ist sich und allen überlegen. doch es ist nur eine leere überlegenheit.

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wie langsam wolken vorüberziehen.
immer mehr spiegelgefechte, abstrakte kämpfe.
irgendwann lassen sich niederlagen nur noch unterbieten.

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leben bis zur unergründlichkeit. könnte man einmal gesagt haben, dass alles was der fall sei, nur ein beispiel des möglichen ist?
wenn man den tag seiner letzten illusion kennen würde ...

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die fehler, die man nicht begangen hat. man kann sie nicht bereuen, höchstens ihnen nachtrauern. auch wenn irgendwann die zeit kommt, da man ungenutzten gelegenheiten mehr schätzt als peinliche erin- nerungen.

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wer zu erwachsen für die revolte ist, wartet auf ereignisse und akzeptiert deswegen die ereignislosigkeit.

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Andrej Tarkowski: als ein zur hoffnung verdammter Stalker immer die verbotenen zonen aufsuchen. das augenblicklich numinose gegen jedes versprechen von sicherheit verteidigen.
weil man nie weiss, warum man erfolgreich sein soll.

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es ist schwer, das glück als einen dauernden zustand zu ertragen. in der euphorie geht das gefühl für das eigene gleichgewicht verloren.

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viele niederlagen sind eine besondere art, erfolgreich zu sein. oder besser gesagt: erfolge sind ausgehaltene niederlagen. und was gibt es anderes als immer wieder ausgehaltene niederlagen.

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ein aufgeschriebener satz, der mich gestern noch faszinierte, langweilt mich heute und wird mir vielleicht morgen peinlich sein.
man ist in der lage, stets irgendwo noch etwas ran- und reinschreiben. man hat ein ganzes leben lang zeit, sich zu verbessern.

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how long ist now?
jedem Jetzt die freiheit der wahl, jedem Jetzt sein auserwähltes jetzt-nicht-mehr.

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man muss sich selbst überholen, ein anachronismus, ein unbesiegbares relikt sein. immer gibt es noch einen aufschub. die zeit eines lebens garantiert, dass sich nicht alle hoffnungen auf einmal zerschlagen.

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"nichts ist erbärmlicher als die resignation, die zu früh kommt."
(Marie von Ebner-Eschenbach)

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dass man nur das richtig planen kann, was möglicherweise eintreffen wird.
immer von allen guten geistern umzingelt der sklave eines zukünftigen erfolges sein.

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die pflicht zur ständigen geburt. immer von allen guten geistern umzingelt der sklave eines zukünftigen erfolges sein.

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wer aus prinzip scheitern will, hat die phantastische theorie der evolution zum gegner. d.h. alle finten, zu denen das leben auf der erde seit mindestens zwei milliarden jahren unaufhörlichen wachstums fähig ist.

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"was den menschen nicht schlechter macht, als er selbst schon ist, das macht auch sein leben nicht schlechter, und es schadet ihm weder von aussen noch von innen."
(Marc Aurel)

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wenn man nur manchmal erfolgreich wäre, nicht ein leben lang er- gebnisse akzeptieren müsste.
ALL WE NEED IS A NEW FUTURE, die vision von einem ausbrechen auf zeit.

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eine sternschnuppe am nächtlichen himmel sehen, sich etwas heimlich wünschen und es dann allen laut sagen, damit man sichergehen kann, dass einmal etwas nicht in erfüllung geht.

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meine vorstellung von krisen scheinen völlig überholt zu sein. ich kann mit meinen niederlagen immer weniger anfangen.

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epikur: alles reden über den tod schliesst das sterben aus.

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wer zum postumen scheitern bestimmt ist, den kann nichts aufhalten, nichts bremsen. nicht einmal ein totalschaden.
ALLES SCHEITERN ist dann ZUM SCHEITERN VERURTEILT.
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