Adorno, Theodor W.
Das Entsetzen, das einstweilig in Auschwitz kulminierte, bewirkt mit einer Logik, die dem Geist immanent ist, dessen Regression. Über Auschwitz lässt sich nicht sprachlich gut schreiben; auf Differenziertheit ist zu verzichten, wenn man deren Regungen treu bleiben will, und doch fügt man mit dem Verzicht wiederum der allgemeinen Rückbildung sich ein.
Band 10: Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Stichworte. Kritische Modelle 2. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 8384 (vgl. GS 10.2, S. 597-598)

Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frisst auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben.
"Kulturkritik und Gesellschaft", (1951). In: Adorno: Gesammelte Schriften, Bd. 10.1. Frankfurt/M. 1980. S. 11-30 und in: Prismen. Kulturkritik und Gesellschaft. Berlin-Frankfurt am Main: Suhrkamp 1955, 342 S.

In der vergesellschafteten Gesellschaft jedoch, dem ausweglos dichten Gespinst der Immanenz, empfinden die Menschen den Tod einzig noch als ein ihnen Äusserliches und Fremdes...
Adorno, Negative Dialektik

Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.
Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben

Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
in "Asyl für Obdachlose" aus Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben
wird philosophisch entschärft zu:
Kein unreflektiert Banales kann als Abdruck des falschen Lebens noch wahr sein.
in der "Negativen Dialektik"

Aristoteles
Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen.
Metaphysik, I 1. 980a

“Homo est animal rationale sociale.”
Der Mensch ist ein Vernunft- und Gemeinschaftswesen. – Politik 1253a2

Bacon, Francis
Nam et ipsa scientia potestas est.
Meditationes sacrae 11, "de haeresibus"
For knowledge, too, itself is power. – Denn schon das Wissen an sich ist Macht.
Scientia et potentia humana in idem coincidunt.
Vorwort zu Neues Organon, Bd. 1, W. Krohn, Hg; R. Hoffmann, Übs.; G. Korf, Bearb. Hamburg: Meiner, 1990
Oft vereinfacht zu "Knowledge is power" bzw. "Wissen ist Macht".

Barthes, Roland
Die beste Waffe gegen den Mythos ist in Wirklichkeit vielleicht, ihn selbst zu mythifizieren, dass heisst einen künstlichen Mythos zu schaffen.

Die Einsamkeit des Liebenden ist keine Einsamkeit der Person (die Liebe vertraut sich an, sie spricht, sie teilt sich mit), sie ist Einsamkeit des Systems: ich bin der einzige, der sie zum System macht (vielleicht deshalb, weil ich unaufhörlich auf den Solipsismus meines Diskurses zurückgeworfen werde).
Fragmente einer Sprache der Liebe. Übers.v.Hans-Horst Henschen. Frankfurt 1984:35

Benjamin, Walter
Mein Denken verhält sich zur Theologie wie das Löschblatt zur Tinte. Es ist ganz von ihr vollgesogen. Ginge es aber nach dem Löschblatt, so würde nichts was geschrieben ist, öbrig bleiben.
Passagen-Werk, S. 588

Bourdieu, Pierre
Will man die Welt ändern, muss man die Art und Weise, wie Welt 'gemacht' wird, verändern. Das heisst, man muss die Weltsicht und die praktischen Operationen verändern, mit denen die Gruppen produziert und reproduziert werden."

Symbolische Macht ist die Macht, Dinge mit Wörtern zu schaffen.

Der Kampf der und um Klassifikationen ist eine grundlegende Dimension des Klassenkampfes. Eine Sicht der Trennungen und Gliederungen erfolgreich durchsetzen zu können, das heisst die macht, die impliziten sozialen Trennungen und Gliederungen sichtbar und explizit zu machen, stellt die politische Macht par excellence dar: die Macht, Gruppen zu schaffen, die objektive Struktur der Gesellschaft zu manipulieren.
Pierre Bourdieu: Sozialer Raum und symbolische Macht; In: Rede und Antwort, Frankfurt/M. 1992:153 (es1547)

Epikur
Ferner gewöhne Dich an den Gedanken, dass der Tod ein Nichts ist. Beruht doch alles Gute und alles Üble nur auf Empfindung, der Tod aber ist die Aufhebung der Empfindung. Darum macht die Erkenntnis, dass der Tod ein Nichts ist, uns das vergängliche Leben erst köstlich.

Feuerbach, Ludwig
Die Vernunft ist das höchste Gesetz der Philosophie. Wahr ist ihr, was sie durch Vernunft- oder Erfahrungsgründe – was auf Eins hinausläuft – bewähren kann. Nicht das Heilige ist ihr wahr, sondern das Wahre heilig.
Gesammelte Werke, Bd. 8, Herausgegeben von Werner Schuffenhauer, Akademie-Verlag Berlin, S. 218.

Jede Philosophie der Vergangenheit ist für eine spätere Zeit ein Paradoxon, eine Anomalie, ein Widerspruch mit ihrer Vernunft. Die Entwicklung [als die Enträtselung des wahren Sinnes einer Philosophie] hat die Aufgabe, diesen Widerspruch aufzulösen, dieses Paradoxe abzustreifen, den fremden Gedanken als einen, wenigstens unter gewissen Bedingungen, eignen Gedanken von uns nachzuweisen.
Gesammelte Werke, Bd. 9, Kleinere Schriften II (1839-1846), S. 7: An Karl Riedel. Zur Berichtigung seiner Skizze

Wollt ihr das Volk bessern, so gebt ihm statt Deklamationen gegen die Sünde bessere Speisen. Der Mensch ist, was er isst.
Gesammelte Werke, Bd. 10, Kleinere Schriften III (1846-1850), Herausgegeben von Werner Schuffenhauer, Akademie-Verlag Berlin, 2. Aufl. 1982, Die Naturwissenschaft und die Revolution, S. 367

Heinz von Foerster
Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.

Nur die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können wir entscheiden.

Freud
Es ist ja die Hauptaufgabe der Kultur, ihr eigentlicher Daseinsgrund, uns gegen die Natur zu verteidigen.
Zukunft einer Illusion (1927; In: Studienausgabe, Frankfurt/M., Fischer 1982, Bd.9:149)

Foucault, Michel
Man kann wohl wetten, dass der Mensch verschwinden würde wie am Saum des Meeres ein Gesicht aus Sand.
notiert auf einer Postkarte. als Foucault am 5. Januar 1965 mit dem Flugzeug von der Insel Djerba abhob,
Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften, Frankfurt/M. 1971, S. 384


Heidegger, Martin
Der Mensch ist der Platzhalter des Nichts.

Der Tod ist der Schrein des Nichts, ...
(In einem 1950 gehaltenen Vortrag).

Metaphysik ist das Hinausfragen über das Seiende, um es als ein solches und im Ganzen für das Begreifen zurück zu erhalten.
Martin Heidegger. "Was ist Metaphysik", Antrittsvorlesung Freiburg 1923, Bonn 1931, S.21.

Inwiefern ist die Angst eine ausgezeichnete Befindlichkeit? Wie wird in ihr das Dasein durch sein eigenes Sein vor es selbst gebracht?
Martin Heidegger, "Sein und Zeit", Tübingen 1979, S. 184.

Die Behebung des Seinsausstandes besagt Vernichtung seines Seins. Solange das Dasein als Seiendes ist, hat es seine 'Gänze' ‘nie erreicht. Als Seiendes wird es dann nie mehr erfahrbar.
Sein und Zeit, S. 236.

Das vorlaufende Freiwerden für den eigenen Tod befreit von der Verlorenheit in die zufällig sich andrängenden Möglichkeiten, so zwar, dass dies die faktischen Möglichkeiten, die den unüberholbaren vorgelagert sind, allererst eigentlich verstehen und wählen lässt. Das Vorlaufen erschliesst der Existenz als äusserste Möglichkeit die Selbstaufgabe und zerbricht so jede Versteifung auf die je erreichte Existenz.
Sein und Zeit, S. 264.

Kant
Sapere aude! - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
von Horaz übernommen (sapere bedeutete ursprünglich schmecken und später erst "weise sein")

Zwei Dinge erfüllen des Gemüht mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Erfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.
Kritik der praktischen Vernunft

Einer, der durch eine Reihe von Übeln, die bis zur Hoffnungslosigkeit angewachsen ist, einen Überdruss am Leben empfindet, ist noch so weit im Besitze seiner Vernunft, dass er sich selbst fragen kann, ob es auch nicht etwa der Pflicht gegen sich selbst zuwider sei, sich das Leben zu nehmen. Nun versucht er: ob die Maxime seiner Handlung wohl ein allgemeines Naturgesetz werden könne. Seine Maxime aber ist: ich mache es mir aus Selbstliebe zum Prinzip, wenn das Leben bei seiner längern Frist mehr Übel droht, als es Annehmlichkeit verspricht, es mir abzukürzen. Es fragt sich nur noch, ob dieses Prinzip der Selbstliebe ein allgemeines Naturgesetz werden könne. Da sieht man aber bald, dass eine Natur, deren Gesetz es wäre, durch dieselbe Empfindung, deren Bestimmung es ist, zur Beförderung des Lebens anzutreiben, das Leben selbst zu zerstören, ihr selbst widersprechen und also nicht als Natur bestehen würde, mithin jene Maxime unmöglich als allgemeines Naturgesetz stattfinden könne und folglich dem obersten Prinzip aller Pflicht gänzlich widerstreite.
Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Akad.-A. 4, 422)

Le Bon
In der Masse schwindet die bewusste Persönlichkeit, die Gefühle und Gedanken aller einzelnen sind nach der selben Richtung orientiert. Es bildet sich eine Gemeinschaftsseele, die wohl veränderlich, aber von ganz bestimmter Art ist. Die Gesamtheit ist nun das geworden, was ich als psychologische Masse bezeichnen will.

Welche Ideen den Massen auch suggeriert werden mögen, zur Wirkung können sie nur kommen, wenn sie in sehr einfacher Form aufzunehmen sind und sich in ihrem Geist in bildhafter Erscheinung widerspiegeln.

Unter dem Einfluss einer der verschiedenen in ihrem Verstand aufgespeicherten Ideen folgt die Masse dem Zufall des Augenblicks und wird infolgedessen die verschiedenartigsten Taten begehen. Der völlige Mangel an kritischem Geist lässt sie die Widersprüche nicht sehen.

In den menschlichen Massen spielt der Führer eine hervorragende Rolle. Sein Wille ist der Kern, um den sich die Anschauungen bilden und ausgleichen. Die Masse ist eine Herde, die sich ohne Hirten nicht zu helfen weiss.

Die Nachteile des allgemeinen Stimmrechts fallen ohne Zweifel zu sehr in die Augen, als dass man sie verkennen könnte. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass die Kulturen das Werk einer kleinen Minderheit überlegener Geister gewesen sind; diese bilden die Spitze einer Pyramide, deren Stufen nach unten gemäss der Abnahme des geistigen Wertes breiter werden und die tieferen Schichten eines Volkes darstellen. Die Grösse einer Kultur darf gewiss nicht von dem Stimmrecht untergeordneter Elemente abhängen, die nichts als eine Zahl bedeuten. Ohne Zweifel sind die Abstimmungen der Massen recht oft gefährlich.
"Die Psychologie der Massen"

Luhmann, Niklas
Aber Menschen können nicht kommunizieren, nicht einmal ihre Gehirne können kommunizieren. Nur die Kommunikation kann kommunizieren.
aus "Wie ist Bewusstsein an der Kommunikation beteiligt?", Soziologische Aufklärung 6: Die Soziologie und der Mensch. Opladen: Westdeutscher Verlag 1995, S.37 - 54

Marcuse
Die moderne Toleranz besteht aus Millionen Bekenntnis-Zwängen, die keine Inquisition zu überwachen braucht, weil das Interesse des Einzelnen dies Amt übernommen hat.
Das Märchen von der Sicherheit oder Die unverschämte Vernunft. Ein Essay. Herausgegeben und eingeleitet von Harold von Hofe. Zürich, Diogenes 1981:

Meister Eckhart
Das Versinken in die höchste Gottheit ist im Grunde ebenso ein Sturz in den Abgrund des Nichts.

Gott ist ein solcher, dessen Nichts die ganze Welt erfüllt, sein Etwas aber ist Nirgends.

Nietzsche, Friedrich
Gewissensbisse erziehn zum Beissen.
"Also sprach Zarathustra"

Man hört nur die Fragen, auf welche man im Stande ist, eine Antwort zu finden.
"Die fröhliche Wissenschaft"

Unrecht liegt niemals in ungleichen Rechten, es liegt im Anspruch auf gleiche Rechte.
"Der Antichrist"

Nein, das Ziel der Menschheit kann nicht am Ende liegen, sondern nur in ihren höchsten Exemplaren.
"Unzeitgemässe Betrachtungen"

Novalis (Friedrich von Hardenberg)
Die Philosophie ist eigentlich Heimweh, Trieb, überall zu Hause zu sein.
"Das allgemeine Brouillon, Materialien zur Enzyklopädistik 1798/99, Nr. 857 "

Schmitt, Carl
Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt.
"Weisheit der Zelle",April 1947

Seneca
Niemand aber vermag zu herrschen, wenn er sich nicht auch beherrschen lässt (nemo autem regere potest nisi qui et regi).
Über den Zorn., 2. Buch

Spinoza
Die Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend selbst (beatitudo non est virtutis praemium, sed ipsa virtus).
Ethik V,42.

Wittgenstein, Ludwig
Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht.
Tractatus-logico-philosophicus, 6.4311

Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
Tractatus-logico-philosophicus, 7
Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.
Philosophische Untersuchungen, 109.

Wenn die Menschen nicht manchmal Dummheiten machten, geschähe überhaupt nichts Gescheites.