Benjamin Lee Whorf (1897-1941)
Da Whorf davon ausgeht, dass fundamentale Unterschiede die natürlichen Sprachen bestimmen, verwirft er im Gegensatz zu Chomsky den Gedanken einer Universal- grammatik. Seine These stützt sich weitestgehend auf empirisches Material, das er bei seinen Untersuchungen zu exotischen Indianer- Sprachen, insbesondere bei den Hopi, gewann. Er geht davon aus, dass Muttersprachen mit einem Determinations- Prinzip das Verhältnis zur Welt ausdrücken. Sie bestimmten ausserhalb des kritischen Bewusstseins --noch vor den Kantschen Anschauungsformen: Raum und Zeit-- bereits Wahrnehmungs- und Denkprozesse.
  Jede gedankliche Formulierung kann nach Whorf nicht als ein unabhängiger rationaler Vorgang angesehen werden. Reflexionen und Vorstellungen seien vielmehr von Grammatiken im Plural, d.h. den verschiedenen linguistischen Systemen abhängig und relativieren den Beobachterstandpunkt. Die Sprache hört mit dieser Perspektive auf, ein reines Instrument zu sein, da sie selbst die Gedanken formt. Wenn sich dieses Relativitäts- Prinzip aber einzig auf Analogien und ausgewählte Untersuchungen stützt, stellt sich die Frage, inwieweit es sich wirklich als Erklärungsmodell verallgemeinern lässt. Denn trotz der steten Betonung der Verschiedenheit von diversen Grammatiken kommt Whorf nicht umhin, von einer Meta- Ebene des sprachlichen Vergleiches bei seinen Erklärungen auszugehen.
  Bevor sich Whorf mit sprachwissenschaftlichen Problemen beschäftigt hat, arbeitet er als Ingenieur für eine Brandversicherung. Er studiert bis 1918 Chemie am Massachusetts Institut of Technologie und verfasst 1930 nach einer Reise nach Mexico erste Aufsätze über die Maya- Hieroglyphen. In dieser Zeit beginnt er, sich intensiv mit der indianischen Linguistik auseinander zusetzen. 1937 übernimmt er eine Stelle als Dozent für Anthropologie und veröffentlicht Forschungsarbeiten über aztekische Sprachen, vor allem die der Hopi.