| Joseph Weizenbaum (1923-2008) |
| Als vehementer Kritiker warnt seit einigen Jahrzehnten Weizenbaum vor den Entwicklungen der
KI- Technologie. Für ihn tendiert die Computertechnik dazu, den Menschen nur noch als einen
informationsverarbeitenden Automaten zu sehen, so dass moralische und ethische Werte für soziale Beziehungen
verloren gehen. Mit
Horkheimers Begriff der instrumentellen Vernunft argumentiert er gegen
eine wertneutrale Betrachtungsweise, da auch die elektronische Informationstechnologie ihre Werte von der
Gesellschaft erbt. D.h. für Weizenbaum vorallem, dass der Computer mit seinem militärischen Hintergrund
ein Instrument ist, das im Dienst konservativ ideologischer Strömungen steht.
Mit dieser Position tritt er bereits an die Öffentlichkeit, als die KI noch kaum praktisch verwendbare Ergebnisse vorweisen konnte, aber schon grosse Perspektiven verspricht. Wie Günther Anders sieht er die Gefahr, dass sich zwischen dem Handeln des Einzelnen und den Folgen seines Tuns eine immer grössere Diskrepanz ergibt. Deshalb verneint er die Frage nach der Vernünftigkeit und ethischen Vertretbarkeit der KI-Forschung durchweg und stellt die These von Marvin Minsky in Frage, nach der Intelligenz eine reine Form der Vernetzung und Komplexität rationaler Algorithmen darstellt. In seiner Kritik kann sich Weizenbaum immer nur auf einen einseitigen, reduktionistischen Entwicklungs- Ansatz beziehen, wenn er davon ausgeht, dass in der Folge menschliche Werte verlorengehen und Computercodes sich verselbständigen. Deren Grenzen hatte er aber bereits Mitte der 60er Jahre selbst aufgezeigt, als er mit seinem legendären ELIZA- Programm zeigen wollte, dass ein Rechner mit seinem maschinellen Sprachverstehen in einem Dialog nur menschliche Züge vorgaukeln kann. Merkwürdiger Weise wird diese Demonstration von einigen Psychotherapeuten nach wie vor missverstanden, d.h. entweder bejubelt oder verteufelt. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung muss Weizenbaum mit seinen Eltern im Jahr der NS-Rassengesetze zu Verwandten in die USA auswandern. Hier studiert er Mathematik an der Wayne-Universität in Detroit. Während des Zweiten Weltkrieges ist er Meteorologe bei der US-Luftwaffe, danach wissenschaftlicher Assistent. Bevor er 1963 am MIT in Cambridge zu forschen und lehren beginnt, gehört er bereits zu den ersten Computerspezialisten. Ende der 60er Jahre arbeitet er an einer Sprach- Analyse- Software und entwickelt dabei sein ELIZA- Programm. 1976 erscheint sein Buch "Computer Power and Human Reason - Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft", das ihn für eine exponierte Mitgliedschaft in der Gesellschaft "Computer Professionals for Social Responsibility" und im "Forum der Informatiker für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung - FIFF" geradezu prädestiniert. |