Leo Trotzki -Dawidowitsch Bronstein (1879-1940)
Nach seiner politischen Wandlung vom Menschewiki zum Bolschewiki zählt Trotzki zu den engsten Mitarbeitern Lenins und damit zu den führenden Organisatoren der Oktoberrevolution. Doch trennen ihn noch grundlegende Auffassungen von Lenins politischen Vorstellungen. So hält er die Bauernschaft für unfähig, eine progressive Rolle zu spielen, da sie aufgrund mangelnder kollektiver Erfahrungen nicht wie das Proletariat eine einheitliche Klasse repräsentiere. Vehement tritt er für eine breite Entfaltung der innerparteilichen Demokratie ein --u.a. für die Wiedereinführung des Fraktionsrechts--, um nicht zuletzt seine eigene Kritik in der Partei vortragen zu können.
  Mit seiner These von einer permanenten Revolution --die anfangs auch Lenin vertrat-- begreift er die russische Revolution als einen Auftakt zur sozialistischen Weltrevolution. Da sich für ihn der Kapitalismus zu einem Weltsystem entwickelt, führt er auch als Gesamtsystem zu Fäulnis und Degeneration und muss daher global überwunden werden. Einen selbstgenügsamen sozialistischen Staat im rückständigen Russland hält er allein für nicht lebensfähig.
  Trotzki führt 1918 die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk und wird zum Volkskommissar für Verteidigung ernannt, um die Rote Armee zu organisieren. Nach dem Tod Lenins unterliegt er in einem erbitterten Machtkampf mit Stalin und Bucharin. Er wird wie andere führende Vertreter der Linken Opposition aus der Partei ausgeschlossen und zwei Jahre später (Bucharin wird jetzt von Stalin ebenfalls aus den Führungsgremien der KPdSU verbannt) ins Exil getrieben. In Mexiko arbeitet Trotzki an einer Analyse zur Geschichte der Oktoberrevolution, warnt in zahlreichen Schriften vor dem Faschismus und versucht, den Marxismus als eine allgemeine Methode darzustellen. Am 21. August 1940 wird er, höchstwahrscheinlich in Stalins Auftrag, ermordet.