| Otto E. Roessler (1940) |
| Mit der Unterteilung in eine Endo- und Exophysik entwickelt Roessler seine Problematik der
Schnittstelle. Alle physikalischen Fragen müssen für ihn zweimal beantwortet werden. Einmal unter der
Annahme eines privilegierten Standpunktes von Aussen und ein zweites Mal von Innen, von der Bewusstseinsebene als
Teil des Welt- Systems.
Mit Bezug auf Descartes stellt Roessler das Bewusstsein in den Mittelpunkt seines Denkens und versucht in immer wieder neuen Ansätzen, den "Andockungspunkt" zur Materie zu bestimmen. D.h. für ihn in erster Linie die Welt nicht mehr als den Ort des eigenen Seins zu akzeptieren, sondern als Schnittstelle mit einer verzerrten Wahrnehmung bzw. als ein Kunst- Universum, in dem "wir selbst Demiurg spielen" können. Begründet wird diese Perspektive mit einer Mixtur von Quantenmechanik, Chaos- und Relativitäts- theorie, um ein Denken voranzutreiben, dass sich unter künstlerischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten den neuen Technologien verpflichtet fühlt. Auf dieser Basis soll nicht mehr nur etwas in der Welt, sondern letztendlich die Welt selbst verändert werden. Bei seinen Gedankenspielen geht es Roessler primär um ethische Ansprüche und um den aus dem Idealismus von Fichte und Schelling übernommenen Freiheitsgedanken. Im internet (rsp. dem Projekt "Lampsacus") sieht Roessler schon 1993 die Möglichkeit einer Schnittstellen- Utopie. Die globale technische Infrastruktur des worldwideweb soll --wie in dem 1996 veröffentlichten Buch "Das Flammenschwert" vorgeschlagen-- als ein Geschenk für den offenen und freien Austausch von bewusster Welt- Erfahrung verstanden werden. |