Philipp Mainländer -Batz (1841-1876)
In einer radikalen Umkehr der Hegelschen Phänomenologie entwirft Mainländer einen kosmischen Pessimismus, der auf ein "absolutes Nichts" zielt. Für ihn zerfällt die Welt in eine "Vielheit", um am Ende der Evolution in ein "Nichtsein" einzutreten. Dieser Prozess werde von jedem einzelnen Körper vorangetrieben, da jedes Streben nach Ausbreitung den gesamten Kosmos auf die Dauer schwäche und zersetze. Mit diesem Gedanken der Entropie nimmt Mainländer bereits die Chaostheorie der modernen Physik vorweg.
  Mainländers radikaler Nihilismus kommt nicht ohne metaphysische Voraussetzungen aus, da nur Gott oder ein "Übersein" den Willen zum absoluten Nichts besitzt. Wenn er alles Anorganische, Lebendige und Bewusste nicht mehr als die Selbstwerdung eines Lebenstriebes, sondern nur als ein Mittel zum Zweck der Selbstauslöschung begreift, proklamiert er --über Schopenhauer hinausgehend-- einen universalen "Willen zum Tode". Einen Willen, der dem Freudschen Todestrieb und der Vorstellung von einem unabdingbaren kulturellen Verfall wie bei Spengler, Klages und Theodor Lessing sehr ähnelt. Da das Nichtsein nur über den Weg einer Weltschöpfung, eines sich allmählich zersplitternden Geistes möglich wird, muss auch jede "Erlösung" global, d.h. über die persönlich erfahrbare Ablehnung (nihil negativum) des Lebens hinaus wirken. Die Geschichte zeigt sich mit diesen Prämissen nicht mehr als eine Selbst- Verwirklichung oder wie bei Eduard von Hartmann als blosser dialektischer Prozess des Welt- Verzichts, sondern als die pure Chance einer alles umfassenden Vernichtung.
  Mit dieser Vision setzt sich Mainländer für eine Aufklärung der Menschen ein, um ihnen eine Kompetenz für das eigene Leben, das eben Leiden bedeutet, zu vermitteln. Da er einen "idealen Staat" anstrebt, der durch bessere ökonomische Voraussetzungen und eine verbesserte Bildung jeden Menschen in die Lage versetzen soll, seine eigene Desillusionierung selbst verstehen zu können, kann man seinen Pessimismus als einen humanitären Nihilismus interpretieren. Seine Aufklärung propagiert jedenfalls einen selbstgewählten Verzicht auf das Leben und die Fortpflanzung. Nietzsche wird Mainländer deshalb einen Virginitätsapostel nennen.
  Als Sohn eines reichen Fabrikanten wächst Mainländer (eigentlich Philipp Batz) in Offenbach am Main auf. Bereits während seiner Lehre zum Kaufmann in Neapel beginnt er sich intensiv mit Leopardi und der Philosophie Schopenhauers zu beschäftigen. Später eignet er sich autodidaktisch neben seiner Arbeit als reisender Händler, Bankangestellter und auch begeisterter Kavallerist die intellektuellen Grundlagen an, um selbst als Philosoph bestehen zu können. Als er im Alter von 34 Jahren sein 1300 Seiten umfassendes Buch "Philosophie der Erlösung" beendet, erleidet einen psychischen und physischen Zusammenbruch. Als er die ersten druckfrischen Exemplare erhält, erhängt er sich in seinem Zimmer.