| Gustave Le Bon (1841-1931) |
| Als 29jähriger Feldarzt im deutsch- französischen Krieg untersucht Le Bon erstmals
umfassend Erscheinungsformen und Auswirkungen von grösseren Menschengruppen und initiiert damit die neue
Disziplin der Massenpsychologie. Das Phänomen der Vereinigung selbst will er mit der Idee von einer gemeinsamen
Seele, die sich über kollektive Halluzinationen als etwas rein dämonisches herstellt, begründen.
Denn --wie später auch für
Ortega y Gasset-- verlieren für ihn Individuen in grösseren
Ansammlungen ihren eigenen Willen und die Fähigkeit zur Kritik.
Ein solcher Verlust muss für Le Bon durch möglichst in sich schlüssige und verständliche Ideologien kompensiert werden. In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche kann dies durch religiöse Gefühle geschehen, wie der Anbetung eines höheren Wesens oder eines Führers (bei Freud ist es später der Hypnotiseur). Ist dies nicht der Fall, werden sich für Le Bon politische Ziele wie unter der Jakobiner- Herrschaft mit brutaler Gewalt durchsetzen. Dem Politiker in der Demokratie empfiehlt Le Bon deshalb, die leichte Beeinflussbarkeit der Massen für sich zu nutzen. Durch "übertriebene Schmeicheleien" und "phantastische Versprechungen" soll er seine Position sichern, um nicht von den tieferen Schichten eines Volkes beherrscht zu werden. Ausgangspunkt solcher Überlegungen ist ein politisches Denkmodell, das von einem überlegenen Geist ausgeht, der an der Spitze einer Pyramide steht und eine Kultur formt. Als junger Chefarzt einer Lazarett- Abteilung beginnt Le Bon während des deutsch- französischen Krieges 1870-71 seine Beobachtungen über Menschenansammlungen zu dokumentieren. Nach einer Assistenten- Zeit im Laboratorium des Anthropologen Paul Broca inventarisiert er 1884 für die Französische Akademie buddhistische Baudenkmäler in Indien. Er veröffentlicht in dieser Zeit auch einige anthropologische Studien. 1895 erscheint sein Hauptwerk "Psychologie des foules - Die Psychologie der Massen"). Es wird heute noch in vielen Sprachen verlegt. |