| David Hume -Home (1711-1776) |
| Als Sensualist und Empiriker will Hume wie schon
Locke das menschliche Wissen allein aus den Sinneseindrücken
(impressions) ableiten. Da das Denken --wie er in seinem 1740 veröffentlichten "Traktat über die
menschliche Natur - A Treatise of Human Natur" erklärt-- nur gewonnene Erfahrungen verbinden oder umstellen
kann, lehnt er die Suche nach Prinzipien ab. Diese setzen sich für ihn über die
Sinneseindrücke hinweg, ohne dass sie allgemeinverbindliche Zusammenhänge stiften. Unzulässig sei es
daher, von etwas empirisch Gegebenem transzendente Vorstellungen abzuleiten, und damit auch jede Induktion, die noch
Bacon so begeistert als Methodik eingeführt hat. Alle Begriffs-
und Gesetzesbildung --wie die nicht beobachtbare Beziehung von Ursache und Wirkung überhaupt-- kann sich
für Hume nur auf eine gewohnheitsmässige Vorstellungs- Erwartung gründen. Von Popper wird dieser
Zweifel später übernommen und zu einer Begründung seines kritischen Rationalismus ausgebaut.
Für Hume bedeutete jedoch diese Erkenntnis ein Dilemma. Das für den menschlichen Alltag so wichtige kausale Denken kann keine wirkliche Legitimität mehr besitzen, wenn einerseits die Erfahrung über sich hinaus keine wissenschaftliche Beweiskraft liefert und zum anderen dem mathematisch- logischen Wissen nur an sich eine Geltung zukommt. Daher schliesst er einen pragmatischen Kompromiss und transformiert Kausal- Schlüsse, die über das unmittelbare Beobachten hinausgehen, durch den Begriff der Gewohnheit (belief) zu einem genuinen Wissen von notwendigen Relationen. Ideen haben nun eine Berechtigung, wenn Ereignisse assoziativ miteinander verbunden oder bei kontingenten Tatsachen Wahrscheinlichkeiten zu akzeptieren sind. Kant wird in seiner "Kritik der reinen Vernunft" jedoch erneut die Kausalität als ein a priori auf eine fundamentale Grundlage stellen. In Anlehnung an Berkeley geht Hume von einer substanzlosen Widerspiegelung der Welt im Bewusstsein aus, akzeptiert jedoch keine von den menschlichen Vorstellungen losgelöste Wirklichkeit. Das Ich setzt sich für ihn wie im Buddhismus nur aus fluktuierenden Gefühlen und verschiedener Perzeptionen zusammen. Zu einer Einheit kommt es nur, da der Mensch ähnliche und ursächlich zusammenhängende Perzeptionen assoziativ mit allgemein gebrauchten Namen zusammenfasst. Der metaphysische Substanz- Begriff als eines einheitsstiftenden Trägers wird von Hume generell verworfen, wenn er davon ausgeht, dass lediglich eine Ansammlung bestimmter Qualitäten oder einfacher Ideen, nicht aber deren Einheitsprinzip wahrnehmbar sind. Der Mensch ist allein mit seinen Instinkten und ohne den trügerischen Auslegungen des Aberglaubens falscher Religion entscheidungsfähig. D.h. er muss nicht gemäss der traditionellen Vorstellung alle Zweifel als Vernunftwesen lösen, da der Vernunft im Leben nur eine untergeordnete Rolle zukommt. In seiner Moralphilosophie vermittelt Hume das negative Menschenbild von Hobbes mit den angeborenen natürlichen Tugenden des moral-sense von Shaftesbury und Hutcheson. Damit ist der Mensch zwar egoistisch, aber auch zur Selbstaufopferung (wie in der Familie für die eigenen Kinder) fähig. Mit dem Leben in der Gesellschaft bilden sich langfristig altruistischen Gefühle heraus, da natürliche bzw. künstliche Tugenden für das Zusammenleben überlebensnotwendig und deshalb als nützlich oder angenehm (sympathisch) angesehen werden. Tugenden wie das Zölibat, das Fasten oder die Selbstverleugnung, entsprechen hingegen nicht diesen Kriterien, da sie die Sozialität des Menschen deformieren können. Wenn Hume in seinem 1751 herausgegebenen Buch "Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral - An Enquiry Concerning the Prinziples of Morales" für seine pragmatische Ethik einzelne Tugenden empirisch herzuleiten versucht, geht er erstmals von einem Fortschrittsgedanken in der Moral aus, um sich dabei aber wieder über seine Kritik an der induktiven Methode hinwegzusetzen. Als Sohn eines einfachen Landadligen studiert Hume zunächst Jurisprudenz, wechselt aber dann zur Philosophie. Nachdem er kurze Zeit in einem Handelsunternehmen arbeitet, geht er für drei Jahre auf eine Studienreise nach Frankreich und schreibt an seinen ersten beiden Bücher "A Treatise of Human Nature -Abhandlung über die Natur des Menschen". Leider werden die Traktate nach ihrer Veröffentlichung kaum wahrgenommen, so dass Hume sich zu einer Umarbeitung, der verständlicheren Version "Untersuchung über den menschlichen Verstand" entschliesst. Vier Jahre später publiziert er seine "Moralisch- politischen Essays" und scheitert aufgrund seiner skeptisch- toleranten Auffassungen mit seiner Bewerbung für einen Lehrstuhl an der Edinburgher Universität. Danach muss er sich als Hauslehrer, Gesandtschaftssekretär und Bibliothekar verdingen. In dieser Zeit arbeitet er bereits an seinem umfangreichen Werk "The History of Great Britain", das nach der Fertigstellung ein finanzieller Erfolg wird. Als Sekretär der britischen Botschaft in Paris lernt er Rousseau und die Enzyklopädisten Diderot, d'Alembert und Helvétius kennen. Nachdem er 1769 nach Edinburgh zurückkehrt, lebt er dort als Privatgelehrter wohlhabend und wohlbeleibt bis zu seinem Tod. |