| Louis Hjelmslev (1899-1965) |
| Die Linguistik hat für Hjelmslev nur noch ein System von sprachlichen Relationen zu
beschreiben. Aussagen über die innere Natur, die substantiellen Wirklichkeit der Sprache werden als weitestgehend
irrelevant angesehen. Damit kann er erstmals für sich ausdrücklich das Attribut strukturalistisch in Anspruch
nehmen und noch über
Saussure hinausgehen. Dieser hat ja immerhin die Sprache noch als ein System
von langue und parole thematisiert.
Hjelmslev bemüht sich hingegen um eine Erforschung der langue als reine Form, die er in einem universellen und widerspruchsfreien System (Glossematik) zu entwickeln versucht. Mit seinem formellen Ansatz schafft er eine Theorie, die es erlaubt, die Sprache als reine algebraische Struktur aufzufassen. Dem liegt hauptsächlich eine deduktive Analyse zugrunde, die ein exaktes Instrumentarium für strukturalistische Sprachbeschreibungen bietet. Als Reaktion auf die Gründung des Prager Kreises um Jakobson, der sich in erster Linie mit dem phonologischen Material einer Sprache auseinandersetzt und rein strukturelle Überlegungen ablehnt, versammelt Hjelmslev befreundete Linguisten, um die "Kopenhagener Schule" zu gründen. Doch gibt es auch einige Gemeinsamkeiten zwischen beiden Schulen, insbesondere die Affinität für ein abstrakt- spekulatives Denken und eine formale Systematik. Es kommt deshalb zur zeitweiligen Zusammenarbeit mit Jakobson, als dieser sich verstärkt der Semiotik zuwendet. Nach einem Studium der Vergleichenden Sprachwissenschaft in Kopenhagen reist Hjelmslev 1923 nach Paris, um sich mit der Theorie von Saussure vertraut zu machen. Acht Jahre später gründet er den Kopenhagener Linguistenkreis, den er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tode leitet. 1932 erwirbt er den Doktortitel und arbeitet bald als Dozent an der Universität Aarhus. In Kopenhagen übernimmt er 1937 eine Professur. Zwei Jahre später gibt er die Zeitschrift "Acta Liguistica. Revue Internationale De Linguistique Structurale" (später mit dem Titel "Acta Hafniensia") heraus. Sein Hauptwerk "Prolegomena zu einer Sprachtheorie", in der er die Glossematik umfassend darstellt, wird 1943 veröffentlicht. |