Erich Fromm (1900-1980)
Von einer biologischen, gesellschaftlichen und psychischen Bedingtheit ausgehend, beschreibt Fromm die Ausgangssituation des Menschen unter dem Aspekt der Verfehlung. In seinem 1941 veröffentlichten Buch "Furcht vor der Freiheit - Escape from Freedom" verknüpft er die von Marx aufgegriffene Vorstellung von einer menschlichen Entfremdung mit der Entwicklung eines Wirtschaftssystems, dem das Individuum nur noch als ökonomischer Faktor gilt. In der kapitalistischen als auch planwirtschaftlich sozialistischen Industriegesellschaft sieht er eine wechselseitige Abhängigkeit von Herrscher und Beherrschten sowie von Ware und Anbeter, die er in Anlehnung an Freud als sado- masochistische oder autoritäre Beziehung symbiotischer Art versteht.
  Entscheidend bleibt für Fromm die Entfremdung des Menschen von seinem Eigensein, die er als radikaler Humanist mit der Alternative "Haben oder Sein - To Have or to Be ?" in dem 1976 herausgebrachten, gleichnamigen Buch recht verkürzt darstellt. Der am Haben orientierte Mensch hat für ihn nur ein Sein, indem er Besitz, eine Rolle, eine Beziehung oder allgemein einen Wert (sich selbst und anderen gegenüber) darstellen kann.
  Bis 1938 hatte Fromm nach seinem Studium in Heidelberg und der nachfolgenden Ausbildung zum Psychoanalytiker an dem von Horkheimer geleiteten Institut für Sozialforschung an den Untersuchungen zum "autoritären Charakter" mitgewirkt. Als mit Adornos Eintritt sich die Programmatik von einem psychoanalytischen zu einem kulturtheoretischen Ansatz ändert, wird jede Zusammenarbeit aufgegeben und sogar später gänzlich verschwiegen. Als Emigrant in New York gründet Fromm mit anderen Neo- Freudianern ein eigenes Institut. Er lehrt an verschiedenen amerikanischen Universitäten, zuletzt in Mexico- City.