| Friedrich II. von Preussen (1712-1786) |
| Obwohl Friedrich der II. unter dem Eindruck der französischen Aufklärung in zahlreichen
intern veröffentlichten Pamphleten die Kirche als eine entartete Institution des Aberglaubens kritisiert, besteht er
lange Zeit darauf, dass ein Gott auf die Geschicke der Menschen Einfluss nimmt. Ein Gott, dessen Notwendigkeit er in der
Manier des in Halle lehrenden Christian Wolff auch zu beweisen sucht. Die Offenbarungen und Dogmen des christlichen
Glaubens werden von ihm nur abgelehnt, weil sie einen Abfall vom Urchristentum darstellen. Erst durch den direkten Einfluss von
Voltaire beginnt er, sich für Newton und
Locke zu interessieren und wird bald zu einem begeisterten Deisten. Mit den
Erfahrungen der geführten Kriege ringt er sich allmählich zu dem Standpunkt durch, dass nur noch eine
höhere Intelligenz als der letzte Grund zu gelten hat, während die Welt ihren innewohnenden Gesetzen folgt.
Weitergehende Ansichten der Aufklärung bleiben für den aufgeklärten Fürsten, der sich zumeist nur der philosophischen Argumente bedient, die seinem eigenen Verständnis als Souverän entsprechen, unakzeptabel. Materialistische Ansätze, wie sie Holbach in seinem "System der Natur" darlegt, weist er entschieden zurück, und eine in Sanssouci entstandene Publikation von La Mettrie verbietet er sogar. Seine moralischen Vorstellungen sind ganz auf den feudalen Staat und die eigenen Person als dessen "erster Diener" zugeschnitten. Dabei lässt er sich von den Prinzipien einer aufgeklärten absolutistischen Herrschaft leiten, die er bereits in seinem pathetischen Jugendwerk, dem "Anti machiavelli" entwickelt hat. Für Friedrich, der im Autor des "Il principe" nur den ruchlosen Sittenverderber sieht, wählen sich die Menschen einen uneigennützigen Regenten aus, um das Unzureichende des Naturzustandes zu überwinden. Wobei ungeklärt bleibt, ob sich die Einzelinteressen kraft eines Unterwerfungsvertrages wie bei Hobbes oder durch einen Gesellschaftsvertrag wie bei Rousseau dem Allgemeinwohl unterordnen. Erst in späteren Schriften wird diese Frage mit der These von einer stufenweisen Vergesellschaftung, die von der Familie, den ersten Märkten, dann Städten zum monarchistischen Staat führt, beantwortet. Wenn sich Friedrich II. für eine Toleranz in Glaubensfragen ausspricht, geschieht dies meist aus zweckmässigen Gründen, da religiöse Beschränkungen wie nach der Einverleibung des katholischen Schlesiens mit Sicherheit zu einer innenpolitischen Schwächung geführt hätten. Gleichfalls bedeuten Zuwanderer wie die Hugenotten ein wichtiges Potential für die eigenen wirtschaftlichen Pläne, um langfristig auch das Heer zu sichern. Deshalb ist in der preussischen Kirchenpolitik wenig von einer Ablehnung der christlichen Dogmatik zu spüren. Der aufgeklärte Fürst setzt sich eigentlich niemals für eine, seinem inneren Verständnis entsprechende Aufklärung der Menschen ein, sondern nur für solche Reformen, die wie im Volksschulwesen und in der Prozessordnung dem Interesse des Staates dienen. So wird die Leibeigenschaft nicht abgeschafft, nur liberalisiert. Trotz seiner musischen Begabung wird Friedrich von seinem Vater, dem König Friedrich Wilhelm I. asketisch und mit militärischer Strenge erzogen. Nach der gescheiterten Flucht nach London, wo er heimlich die Prinzessin Amalie heiraten wollte, eskalieren die Differenzen zwischen Vater und Sohn. Friedrich wird zeitweilig zur Festungshaft verdonnert und muss der Hinrichtung seines Freundes und Fluchthelfers Hans Hermann von Katte zusehen. Nach der Heirat mit der ungeliebten Elisabeth Christine, der Tochter Ferdinand Alberts II. von Braunschweig, ist der Konflikt formell bereinigt. Als Regimentschef in Ruppin lernt Friedrich die Heeres- und Zivilverwaltung kennen und lebt ab 1736 mit eigenem Hof im Schloss Rheinsberg, wo er sich intensiv mit Philosophie, Geschichte und Literatur beschäftigt. In dieser Zeit steht er auch im regen Briefwechsel mit Voltaire und schreibt seinen Antimachiavelli. 1740 übernimmt er den preussischen Thron und ein perfekt gedrilltes Heer, um unverzüglich die preussische Machtstellung auszubauen. Er besetzt Schlesien, nachdem Maria Theresia die Erbfolge antritt. Vier Jahre später erwirbt er Ostfriesland, in dem das Herrscherhaus ausgestorben war. Nach dem 2. Schlesischen Krieg mit Österreich kann er seine Stellung im Reich stärken und mit seinem präventiven Einmarsch in Kursachsen 1756, der zum Siebenjährigen Krieg führt, endgütig seine Position gegenüber Österreich festigen. 1764 verbündet er sich mit Katharina II. von Russland und erhält bei der 1. Polnischen Teilung von 1772 Ermland und Westpreussen (ohne Danzig und Thorn), so dass er sich nun "König von Preussen" nennen darf. Als ihm am Ende des Bayerischen Erbfolgekrieges noch Ansbach- Bayreuth zugesprochen wird, ruft er 1785 im Reich den Deutschen Fürstenbund ins Leben. Während seiner Regierungszeit fördert er die Kunst und Wissenschaft, weniger jedoch die eigene Volkskultur. Denn der deutschen Sprache zieht er die französische Literatur vor und schreibt selbst auch nur in diesem Idiom. Sein Gesamtwerk, das zwischen 1846 und 1857 herausgegeben wird, umfasst 30 Bände. |