| Paul Karl Feyerabend (1924-1994) |
| Da es für Paul Feyerabend keine Regelmässigkeiten in der Wissenschaft gibt, kann sich
ein Fortschritt nur dort durchsetzen, wo die geltenden Regeln und Machtansprüche des Denkens ignoriert werden.
Mit diesem anarchistischen Standpunkt versucht er in seinem 1970 erscheinenden Buch "Against Method - Wider den
Methodenzwang", den Wissenschaftsbetrieb gegen seinen eigenen rationalistischen Anspruch auszuspielen und mit
der Formel des "Anything Goes" als Dadaist herauszufordern. Um Belege für seine Thesen zu liefern, spürt er
in der Historie den kühnen Hypothesen, den ausserordentlichen Gedanken nach, die jenseits der allgemein
gültigen Regeln und der institutionalisierten Meinung für ein Umdenken gesorgt haben. Obwohl er nicht wie
Kuhn nach historischen Umbrüchen der Wissenschaft sucht, stellt er
den wissenschaftlichen Diskurs viel radikaler, d.h. gänzlich in Frage.
Für Feyerabend kann im Gegensatz zur Wissenschaftstheorie von Popper (dem einstigen Lehrer) der Rationalismus allein seinen eigenen Normen nicht genügen, da von wissenschaftlichen Theorien immer schon selbst festgelegt wird, unter welchen Voraussetzungen wahre Aussagen zu prüfen sind. Die Wissenschaft bleibt für ihn in einem sich selbst befriedigenden oder zumindest sich selbst befriedenden Sinne nur ihren Dogmen und ihrer eigenen Tradition verpflichtet, wenn der Anstoss von Aussen, die Störung fehlt. Eine Alternative sieht Feyerabend in dem Konzept einer freien Gesellschaft des demokratischen Relativismus, in der jeder Bürger die Normen seiner Tradition verwendet und damit kreativ immer neue Theorien über die Welt produziert. In seinem 1978 publizierten Band "Science in a Free Society - Erkenntnis für freie Menschen" verweist er auf die Möglichkeit eines subversiven Denken, das jenseits eines Experten- Wissens Widersprüche sucht und Gegensätze aushält. Und somit wie bei Bachelard zur poetischen Tätigkeit, also zu einer Kunst wird, für die es keine verbindliche Logik oder Methodik gibt. In Wien geboren, zieht sich Feyerabend im zweiten Weltkrieg als Offizier eine Verwundung zu und wird ein Leben lang gehbehindert bleiben. Er beginnt in Weimar Theaterwissenschaften zu studieren, wechselt aber 1947 an die Universität in seiner Heimatstadt, um hier die Fächer Philosophie, Geschichte, Physik und Astronomie zu belegen. Er promoviert, lernt Popper kennen und folgt ihm nach London. Ab 1955 arbeitet er als Dozent in Bristol und wird drei Jahre später nach Berkeley in Kalifornien berufen. 1980 bewirbt er sich für eine zusätzliche Professur an die ETH in Zürich. |