| Noam Chomsky (1928) |
| Für Chomsky lassen sich im Gegensatz zu
Whorf alle natürlichen Sprachen auf eine verallgemeinerbare
Universalgrammatik zurückführen. Er geht davon aus, dass aufgrund eines angeborenen Wissens --wie
es schon Platon und
Descartes annahmen-- der Mensch zur Sprache befähigt ist
und die Sprache auf mentalen Strukturen basiert (oder sogar selbst als ein mentales Organ anzusehen ist).
Positionen der Behaviouristen (besonders die von Skinner), welche von einem Reiz- Reaktions- Zusammenhang
ausgehen, um den Spracherwerb zu erklären, lehnt er ab. Dagegen spricht für Chomsky schon die
Fähigkeit von Kindern, die innerhalb kürzester Zeit und selbst bei schlechten Vorbildern auch
komplexe Satzstrukturen erlernen können. Für ihn ist potentiell jeder Mensch in der Lage, eine
eigene Sprach- Kompetenz zu entwickeln, um syntaktisch korrekte Sätze innerhalb der "langue" von
Saussure zu realisieren. Das gilt auch für semantisch
unsinnige Sätze und Sätze mit performativem Charakter, die nur kontextbedingt verstanden werden
können.
Chomsky kann mit einem kognitiven Ansatz die Linguistik, die bisher nur von Textanalysen ohne den Bezug auf die menschliche Disposition ausgeht, grundlegend modernisieren und für die Psychologie sowie die Informatik öffnen. Sein Ziel ist es, ähnlich dem Ansatz der Grammatik- Schule von Port Royal ein Regelsystem zu finden, das die phonetische Erzeugung von Sätzen explizit erklären kann. Ein überzeugendes Modell, das es erlaubt, mit einer endlichen Menge von Regeln und einer endlichen Menge von Wörtern unendlich viele verschiedene Sätze zu generieren und strukturell zu definieren, bietet seine "generative Grammatik", die im Laufe der Jahre noch einige Male von ihm modifiziert und mit Transformations -Regeln erweitert wird. In seiner Heimatstadt Philadelphia lernt Chomsky früh den Antisemitismus kennen. Nachdem er einen Kibbuz besucht, gibt er (seine Eltern sind Hebräischlehrer) alsbald seinen Plan, für längere Zeit in Israel zu leben auf, da er sich nicht mit der Politik des Landes identifizieren kann. Er beschäftigt sich mit dem Anarchismus und liest Rosa Luxemburg sowie Karl Liebknecht. Nach seinem Linguistik- Studium an der University of Pennsylvania, wo er 1955 seine Dissertation "Syntactic Structures" vorlegt, übernimmt er am MIT eine Stelle als Assistenzprofessor. Schon sechs Jahre später wird er hier --inzwischen international bekannt durch seine "generative Grammatik"-- ordentlicher Professor für Linguistik und Philosophie. Neben seinen sprachwissenschaftlichen Arbeiten kritisiert er zunehmend in Publikationen die hegemoniale und unsoziale Politik der USA. Er wird zum entschiedenen Gegner des Vietnamkrieges und lehnt eine neoliberale Weltordnung ab. |