| Albert Camus (1913-1960) |
| Mit seiner Interpretation vom mythologischen Sisyphos entwickelt Camus eine Vorstellung vom
modernen Menschen, der in einer sinnlosen und absurden Welt auf sich selbst zurückgeworfen wird. Einzig
gravierend emotionale Erschütterungen können ihn noch aus seiner Lethargie und Selbstgefälligkeit
reissen, so dass nur die Revolte einen Ausweg darstellt. Obwohl jedes Aufbegehren zwar eine Absurdität zweiter
Ordnung darstellt, kann der Mensch doch auf diese Weise wieder seine Würde gewinnen. Denn im Widerstand gegen
das absurde Dasein entstehe Solidarität ("Ich empöre mich, also sind wir!").
Camus Welt- Verständnis lässt sich vielleicht am besten mit seinen Kriegserlebnissen in Algerien erklären, wo er durch das Miterleben des sinnlosen Leidens zu der Überzeugung kam, dass sich der moderne Mensch gegen metaphysische, rationalistische oder religiöse Ansprüche jeglicher Art behaupten muss. So ist für ihn der in seinen literarischen Arbeiten immer wieder thematisierte Zwiespalt zwischen dem abstrakten Anspruch auf Sinn und der fehlenden Erfüllung auszuhalten. Mit seiner historischen Analyse der Revolution gerät Camus bald in eine Gegnerschaft zu Sartre, als sich dieser der Marxistischen Idee des revolutionären Geschichtsfortschritts nähert. Als Sohn eines elsässischen Landarbeiters und einer Spanierin wird Camus im algerischen Mondovi geboren. Sein Vater stirbt bereits 1914 im Ersten Weltkrieg. Nach dem Abitur in Algier beginnt er, Philosophie zu studieren, und leidet wiederholt an Tuberkulose- Anfällen. 1934 tritt er der Kommunistischen Partei bei, wird aber bereits nach einem Jahr wieder ausgeschlossen. In dieser Zeit arbeitet er als Schauspieler und schreibt seine ersten literarischen Texte. 1936 reicht er eine Diplomarbeit über "Die Beziehungen zwischen dem Hellenismus und Christentum in den Werken von Plotin und Augustinus" ein, kann aber aus gesundheitlichen Gründen kein Staatsexamen ablegen. Wegen seiner mangelnden Konstitution lehnt man ihn als Freiwilligen für den Kriegsdienst ab. Nach seiner Ausweisung aus Algerien geht er 1940 als Reporter von "Paris-Soir" nach Frankreich. Hier wird er Mitglied der Widerstandsgruppe "Combat", Mitbegründer der gleichnamigen Zeitschrift und veröffentlicht 1942 seinen Roman "L'Étranger - Der Fremde" und das Essay "Le mythe de Sisyphe - Der Mythos von Sisyphos", um für die menschliche Leidenschaft der Auflehnung und des Begehrens Partei zu ergreifen. Sein Theaterstück "Caligula", in dem er eine Studie über den römischen Kaiser entwirft, die exemplarisch Züge des masslosen modernen Menschen aufweist, wird 1945 uraufgeführt. 1951 erscheint "L'Homme Révolté - Der Mensch in der Revolte". Fünf Jahre später reist Camus nach Algerien und spricht sich mit seiner Nationalismus- und Gewaltkritik für ein Ende des Unabhängigkeitskampfes aus. Der Nobelpreis für Literatur wird ihm 1957 verliehen, nur wenige Monate bevor er in Frankreich bei einem Autounfall --mit seinem Verleger Michel Gallimard am Steuer-- tödlich verunglückt. |