Bruno Bauer (1809-1882)
Bruno Bauer gehört zu den radikalen Kirchenkritikern unter den Junghegelianern. In seinem 1841 anonym veröffentlichten Manifest "Posaune des jüngsten Gerichts über Hegel dem Atheisten und Antichristen. Ein Ultimatum." vertritt er die Position eines Atheismus, in dem er als vermeintlich Orthodoxer, die Gottlosigkeit der Hegelschen Philosophie zu entlarven vorgibt. Sein Ziel ist es, den absoluten Weltgeist in ein menschliches Bewusstsein zu transformieren, um der pantheistischen Lehre eine Absage zu erteilen. Denn der Mensch solle sich endlich als Schöpfer seiner eigenen Freiheit begreifen und sich von allen Entfremdungen und Beschränkungen (wie Staat, Moral und Religion) auch selbst befreien.
  Die Religion verkörpert für Bruno Bauer nur eine bestimmte historische Stufe bei der Entwicklung des menschlichen (unendlichen) Selbstbewusstseins, das die geschichtliche Entwicklung erst hervorbringt und durch eine atheistische Aufklärung wieder überwindet. In seiner Schrift "Das entdeckte Christentum", wird in Anlehnung an Fichte die Natur zu einer "Modification der Vernunft, die von dem Selbstbewusstsein gesetzte Modification seiner selbst ist".
  Der bereits vor Nietzsche oft gebraucht Satz "Gott ist tot" richtet sich bei Bruno Bauer primär gegen eine entfremdete Transzendierung und favorisiert stattdessen einen weltlich- immanenten Jesus. Alle Kritik am Bestehenden soll zu einer abschliessenden Bejahung, zu einer reinen Denk- und Geistesrevolution führen, um die Geschichte bewusst zu gestalten. Abgelehnt wird jedoch eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse, wie von Marx und Engels in dieser Zeit gefordert.
  Bis 1834 hat Bruno Bauer in Berlin Theologie studiert und soll dabei auch Vorlesungen von Hegel besucht haben. Er habilitiert sich und beginnt, in Berlin als Privatdozent zu arbeiten. In dieser Zeit bezieht er eine kritische Positionen gegenüber den orthodoxen Hegelanhängern -- auch zu David Friedrich Strauss-- und gründet mit seinen Brüdern Edgar und Egbert, die lose Vereinigung der Junghegelianer, zu denen u.a. Feuerbach, Stirner, Arnold Ruge und zeitweise auch Engels gehören. 1839 zieht er nach Bonn, da er nach einer Streitschrift über eine Interpretation des Alten Testaments bei dem Dekan der theologischen Fakultät in Ungnade fällt. Eine Professur erhofft er sich nun an der Bonner Universität, wo er als Privatdozent Vorlesungen auf dem Gebiet der Theologie abhält. Doch vergeblich. Nach seiner religionskritischen Untersuchung "Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker", deren erster Band 1841 in Leipzig erscheint, wird ihm hier die Lehrbefugnis entzogen. Wieder in Berlin schliesst er sich den verbliebenen Junghegelianern im Klub der "Freien" an und schreibt u.a. Beiträge für die "Rheinische Zeitung", deren Redaktion Marx im Oktober 1842 übernommen hat. Doch schon bald kommt es zu gravierenden Unstimmigkeiten. Seit Dezember 1843 gibt Bauer mit seinen Brüdern Edgar und Egbert deshalb die "Allgemeine Literatur- Zeitung" als Monatsschrift heraus. Als sie ein Jahr später eingestellt wird, zieht er sich als privater Publizist zurück, um sich nun einer übergreifende Darstellungen der Religionskritik (wie in dem 1843 veröffentlichten Artikel "Das entdeckte Christentum") zu widmen. Des weiteren erscheinen von ihm Beiträge zur Zeitgeschichte (so 1877 unter der Überschrift "Christus und die Caesaren", 1847 eine "Vollständige Geschichte der Parteikämpfe in Deutschland" und 1849 "Die bürgerliche Revolution in Deutschland"). Weder sein Bemühen, als Nationalliberaler nach 1866 Fuss zu fassen, noch seine zeitweilige Mitarbeit bei der konservativen "Kreuzzeitung" sichern ihm Erfolg. Wie viele seiner Mitstreiter ist er von der 48er Revolution enttäuscht und versucht in den darauf folgenden Jahren seinen Frieden mit dem neuen Deutschland, das nun unter Bismarck entsteht, zu schliessen.