| Alembert, Jean le Rond d' (1717-1783) |
| Als Mathematiker und Physiker will d'Alembert die Philosophie allein auf Tatsachen und
Vernunftgründe zurückführen. Er optiert als der vielleicht rationalste Aufklärer für
eine strenge Anwendung der Logik, bei der die Algebra und die Geometrie den Gesetzen der Mechanik vorauszugehen
haben. Wie in seiner Einleitung der Encyclopédie dargestellt, stehen alle Gebiete des Wissens in einem
logischen und genetischen Zusammenhang. Das betrifft ebenso moralische Überlegungen, d.h. Fragen nach dem
Bösen und Guten und --im Sinne eines Deismus wie bei
Voltaire-- die Idee von einem Gott. Die direkte Form der Erkenntnis wird
von d'Alembert als passives Sammeln von Eindrücken verstanden. Sie leitet sich für ihn vom Gedächtnis
ab und entspricht daher der Geschichte. Die sich auf die Vernunft beziehende Form der Erkenntnis begründe die
Kategorie der Philosophie und in Verbindung mit der Einbildungskraft die Kategorie der Künste und Poesie.
Diese Systematisierung stellt keine Abgrenzung im Sinne einer Wertigkeit dar, sondern will die ebenso von
Diderot angestrebte Vernetzung der zeitgenössischen Wissenschaftszweige
konkretisieren. Deutlich wird dies, wenn d'Alembert in seinem "Discours préliminaire" das Weltall mit einem
Labyrinth vergleicht, das wie ein Kunstwerk die Einbildungskraft und Kreativität des Menschen herausfordert. Da
für d'Alembert Empfindungen die einzige unbestreitbare Tatsache bleiben, hat sich die Philosophie auf das
Beobachten, die Deduktion und das Experiment zu konzentrieren. Nicht zuletzt auch, um sich vom Aberglauben und der
Kirche zu emanzipieren.
Im Gegensatz zum Materialismus von Holbach kommt dem Glauben aber als einem "sechsten Sinn" weiterhin eine wichtige Bedeutung zu. D'Alembert gelingt es, für die Aufklärung in Frankreich programmatisch die Traditionen des angelsächsischen Empirismus mit dem kontinentalen Rationalismus zu verbinden. Seine sensualistische Erkenntnistheorie ist in erster Linie von Locke beeinflusst, während seine Klassifikationen Bacon verpflichtet sind. Darüber hinaus unterscheidet d'Alembert aber auch zwischen einem guten esprit systématique, der sich auf Prinzipien beschränkt, welche sich aus der sinnlichen Natur- Wahrnehmung ableiten lassen, und einem schlechten an die alte Scholastik gebunden esprit der Systeme. Als Findelkind wächst d'Alembert in einer Pariser Handwerkerfamilie auf. Seine Mutter hatte ihn nach der Geburt auf den Stufen der Kirche Saint-Jean-Le-Rond (so entsteht sein Name) ausgesetzt. Sein leiblicher Vater, der Offizier Destouches, ermöglicht ihm später durch eine grosszügige finanzielle Unterstützung eine Ausbildung an einem jansenistischen Collège. Danach beginnt d'Alembert mit dem Studium der Theologie, begeistert sich jedoch mehr für die Fächer Mathematik, Medizin und Jura. Mit 22 Jahren verfasst er seine erste Publikation "Mémoire sur le calcul intégral" und wird danach in die Académie Royale des Sciences aufgenommen. Als er 1743 in seinem Buch "Traité de dynamique -Abhandlungen über Dynamik" Bewegungen in gebundenen mechanischen Systemen formalisieren kann, wird er als erfolgreicher Wissenschaftler von Friedrich II. an die Berliner Akademie berufen sowie von der Zarin Katherina nach Russland eingeladen. D'Alembert bleibt jedoch in Frankreich und wird 1754 Mitglied der Académie Francaise, ab 1772 sogar deren ständiger Sekretär. Diderot gelingt es, ihn für eine Zusammenarbeit an der "Encyclopédie" zu gewinnen. Da er jedoch hier seine Ansprüche nicht durchsetzen kann, und vor allem nach der Kritik in Rousseaus "Lettre à d'Alembert sur les spectacles" tritt er nach einiger Zeit als Co-Herausgeber zurück. |