est ex foro | 4d- rauminstallation | chemnitz [1995]
Rauminstallation in Chemnitz
4d- rauminstallation im Chemnitzer Schillerpark [1995]

der urbane raum mit seinen kommunalen zersplitterungen und peripheren überlagerungen verliert immer mehr an zusammenhalt und damit auch seine lesbarkeit. mit dem leben in einer metropole verbindet sich heute weniger der mythos von einem sozialen oder kulturellen kristallisationspunkt. eher stellt sich der eindruck einer auflösung ein, einer auflösung von topografischen grenzen und fixierungen.

diese entwicklung sollte in der sächsischen industriestadt Chemnitz mit einer instellativen intervention abgesteckt werden. dafür wurde ein vierdimensionales raster entwickelt, das dem perspektivischen blick einen in mehrere tiefen gehenden raum anbot. ein aus roten, grünen, blauen und gelben kanten konzipierter 4d-cubus wurde in seine grundrisse zerlegt und mit allen senkrecht stehenden kanten auf einer eben von 65 mal 62 metern im boden verankert.

der passant stiess im zentral gelegenen Schillerpark nach dem aufbau auf 32 stelen, die in unterschiedlicher höhe aus dem boden ragten. die anordnung verkörperte eine auf den ersten blick nicht nachvollziehbare ordnung, denn die hyperdimensionalität präsentierte sich als projektion auf einer ebene als serielle arrangement. in ihrer selbstbezüglichkeit bot sie allerdings einen breiten spielraum für assoziationen.

das traditionelle verständnis von urbanität wird heute durch sich rasant entwickelnde medientechnologien verändert. was bisher räumlich und zeitlich als getrennt wahrgenommen wurde, liegt nun simultan im fernsehen sowie auf webseiten als ein neben- bzw. durcheinander vor. dieser pluralismus hebt tradierte sichtweisen auf. differenzierungen verlieren an bedeutung, und vertraute erfahrungsmuster werden durch virtuelle vernetzungen hyperkomplex in frage gestellt.

© Frank Richter | Uta Freese