wer als fremder ein gefängnis besucht, muss viele sicherheitsbarrieren
passieren. immer wieder öffnen und schliessen sich gitter oder elektrische
türen. selten stellt sich aber das gefühl ein, in einen innenraum
vorgedrungen zu sein. zu viele strukturen und ein zuviel an organischer dynamik
verbergen sich noch hinter allen mauern. ein aussenstehender kann ein solches
beziehungsgefüge kaum durchschauen und verstehen wohl nur selten.
vielleicht sieht deshalb, wie viele öffentlichen diskussionen zeigen, die
gesellschaft in der praktizierten abschirmung: justizvollzugsanstalt trotz aller
sicherheits- und sühnungsbedürfnisse eine gefahr. oder genau genommen die
faszination von einer gefahr, um die im gefängnis lebenden und arbeitenden zu
dämonisieren oder mystifizieren zu können.
mit der idee, einen hyperraum als diskursgrundlage zu konkretisieren,
sollte das projekt "locus publicus/ celatus" von dezember 1995 bis märz 1996
deshalb konfrontatitiv die schwer zugängliche welt des gefängnisses mit
der des öffentlichen lebens verbinden. das brandenburgischen justizministerium
unterstützte und finanzierte das vorhaben trotz anfänglicher skepsis
grosszügig. wir konnten uns dank einer ausnahmegenehmigung in der
justizvollzugsanstalt
frankfurt/o in begleitung frei zu bewegen und mit einige insassen die geplante 5dimensionale
würfel-projektion als
raumplastik aufbauen.
dazu wurden in einer freigeräumten zelle 64 eingefärbte hanfseile an der
decke aufgehängt. ihre jeweilige position wurde von den vier grundrissen eines
5dimensionalen würfels bestimmt. so konnten alle
kanten des würfels auf eine ebene fixiert und in der räumlichen anordnung
zu einer labyrinthischen struktur verwebt werden.
für die öffentlichkeit war die raumplastik nur in der medialen vermittlung,
d.h. als eine video- und fotodokumentation während einer ausstellung im
rathaus der stadt frankurt/o zugänglich. darüber hinaus wurden hier
die ergebnisse eines workshops präsentiert. der fotograf thomas kläber
zeigte seine während des projektes enstandene foto- serie
"getrennte räume",
in der er jeweils zwei nebeneinander liegende ausschnitte des filmnegativs zu einem bild
verband.
die arbeit in der jva frankfurt/o ist nicht frei von widersprüchen, skepsis
und abneigungen geblieben und war insofern schwer kalkulierbar. der konzeptionelle rahmen
muss für einige anstaltsbedienstete eine zumutung gewesen sein. in manchen momenten aber
auch eine willkommene gelegenheit, um über die eigene arbeit reflektieren und berichten zu
können. die beteiligten gefangenen verstanden es gut, die von uns hineingetragenen
intentionen mit eigener kreativität zu füllen.
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