der begriff der kultur wird in bezug auf gesellschaften mit divergierenden lebensformen
heute zunehmend im plural gebraucht. in der brandenburgischen stadt vetschau verweist man vielleicht
daher gern auf ein architektonisches denkmal, das in seiner verbundenheit die koexistenz zweier
kulturen sehr bildhaft verkörpert. äusserlich durch einen turm vereint und im inneren
über eine sakristei verbunden, legt hier die
wendisch-deutsche- doppelkirche zeugnis von dem nicht immer unproblematischen zusammenleben von
sorben und deutschen in der niederlausitz ab.
diese wechselreiche beziehung sollte eine aus fast 1.000 quadratmetern stoff bestehende
raum-installation veranschaulichen. wir brachten dafür die idee eines
hyperwürfels
ins spiel und versuchten in diesem rahmen, gedankliche konzepte mit der komplexität mehrerer
ineinander verschränkter räume zu verbinden. ausgegangen waren vom dem modell einer
vierdimensionalen raumvorstellung, die mit einem aus roten, schwarzen und weißen flächen
bestehenden 4d-cubus zu konkretisieren war. der körper wurde für dieses projekt entworfen
und seine hyperdimensionale rotation in vier schnittdarstellung fixiert.
mit unserer installation unterbrachen für einen monat 24 von der decke herabhängende stoffreihen
in beiden kirchenschiffen jede in die tiefe gehende sichtachse. damit waren neue zwischenräume entstanden.
das interieur konnte nur noch in der relation vieler details und mit dem raster der farbigen
cubenflächen wahrgenommen werden.
das prinzip der unterbrechung bestimmte gleichfalls eine in der kirche gezeigte präsentation von
bild-, text- und videomaterial, das im vorfeld recherchiert wurde. wir haben dabei festgestellt,
dass sich vor allem historische dokumente gut als ein komplexes netzwerk von ideen, thesen und
antithesen verknüpfen liessen. in unserer darstellung waren deshalb zitate von heimat- ideologen
und informationen zu den ethnischen besonderheiten der region am computer in einem stetig sich
neuformierenden endlos- text nachzulesen.
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